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Eglise française réformée de Bâle

Ein Umzug mit Gewinn

von Toni Schürmann
min
28.01.2026
Die Eglise française réformée de Bâle wurde vor über 450 Jahren gegründet. Nun zieht die älteste französischsprachige evangelische Kirche der Deutschschweiz vom Holbeinplatz 7 an den Leonhardskirchplatz 11.

Nach der Nacht vom 23. auf den 24. August 1572, der so genannten Bartholomäusnacht, in der frankreichweit Tausende von Protestanten einem Pogrom zum Opfer fielen, fürchteten viele Hugenotten um ihr Leben und flohen an sichere Orte in Europa – unter anderem nach Basel. Noch im selben Jahr wurde die Eglise française réformée de Bâle gegründet, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts Teil der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt ist.

Mit der Gründung eigener Kirchen trugen die Hugenotten zur Verbreitung der französischen Kultur in der Eidgenossenschaft bei. Im 16. und 17. Jahrhundert resultierte eine regelrechte Blütezeit. In Basel besuchte die lokale Elite die französischen Gottesdienste, um ihre Sprachkenntnisse zu vervollkommnen.

Im 20. Jahrhundert wurde die Eglise française dann vor allem von Mitarbeitenden der Chemie- und Pharmaindustrie belebt, die mit ihren Familien aus der Westschweiz nach Basel zogen. Im Jahr 1974 eröffnete die Eglise anstelle einer baufällig gewordenen Kirche das Centre de l’Eglise française réformée de Bâle am Holbeinplatz als französischsprachigen Begegnungsort in Basel.

Strategisches Geschick

Mit dem Umzug vom Holbeinplatz 7 an den Leonhardskirchplatz 11 demonstrieren heute die Nachfahren der Glaubensflüchtlinge, wie man strategisch geschickt Himmel und Erde verbindet – prosaisch ausgedrückt: Wie man für eine schrumpfende Kirchgemeinde ein grosses Domizil gegen ein kleineres eintauscht und aus den wiederkehrenden Mieteinnahmen des grossen Hauses die Zukunft finanziell absichert. «Am neuen Ort haben wir die Möglichkeit, als Ensemble das Gemeindezentrum, die Verwaltung und die Gottesdienste ideal zu vereinen», erklärt Alain Denis Meyer, Präsident des Kirchenvorstands der Eglise française réformée de Bâle. «Künftig möchten wir mit kulturellen und kirchlichen Anlässen in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten.»

Der Leonhardskirchplatz eignet sich optimal, um Aussenwirkung zu erzielen. Auf dem Platz tummeln sich Touristen, Besucherinnen des Musikmuseums im Lohnhof sowie Studierende der benachbarten Musikakademie. «Wenn wir es gut machen, können wir diese Leute an unsere Veranstaltungen lotsen», sagt Meyer. Die beiden Säle mitsamt der neuen Küche würden sich dafür bestens eignen. «Wir werden diese für unsere eigenen Aktivitäten wie auch für die Vermietung an Dritte nutzen.»

Die Eglise française verlasse das Centre am Holbeinplatz nach fünfzig Jahren mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Anlass für den Umzugsentscheid sei der Wegzug des Forums für Zeitfragen ins Zwinglihaus gewesen. «Dieser erfolgte zwar zwei bis drei Jahre zu früh. Wir haben damals jedoch beschlossen, das Haus am Leonhardskirchplatz 11 zu mieten und die Räume an die Musikakademie unterzuvermieten.» Seit 2023 befinden sich die Büros der Eglise française im Erd- sowie im 1. Obergeschoss der Liegenschaft.

Gesicherte Zukunft

Die Nähe zur Leonhardskirche sei perfekt. «Wir feiern als Kirchgemeinde gerne Feste. Wenn man früher nach dem Gottesdienst ins Centre an den Holbeinplatz pilgern musste, um dort etwas zu essen und zu trinken, nahm ein Teil der Leute diesen Weg nicht mehr auf sich und ging nach Hause», sagt Meyer. Dank dem neuen Versammlungsort würden diese Leute nicht mehr verlorengehen.

Die bisherigen Räumlichkeiten im Le Centre am Holbeinplatz 7 werden im Rahmen einer Langfriststrategie total erneuert. Künftiger Ankermieter des Centre wird das Basler Erziehungsdepartement sein – ein doppelt geschickter Schachzug. Die finale Baubewilligung für die Sanierung und Umnutzung dürfte zeitnah eintreffen, und die Mieteinnahmen werden verlässlich sprudeln – so sicher wie das Amen in der Leonhardskirche.

Gebäudesanierung

Ende November stimmte die Synode der Sanierung des Gebäudes am Leonhardskirchplatz 11 zu und sprach dafür 900‘000 Franken. Die Eglise française steuert 500‘000 Franken bei. Prunkstück im Parterre wird der neue 70 m2 grosse Saal mit angrenzender 30-m2-Küche sein. Alle Büros befinden sich künftig im 1. Obergeschoss. Der behindertengerechte Zugang erfolgt über eine Rampe und Hebebühne im Aussenbereich. Im Sommer 2026 werden zudem Unterhaltsarbeiten an der Aussenfassade, den Fenstern, den Wänden und Böden, der WC-Anlage sowie im Leonhardssaal ausgeführt. Die letzten Arbeiten im 1. Obergeschoss werden im Jahr 2027 abgeschlossen.

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