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Israel

Eingeschränkte Osterfeierlichkeiten in Jerusalem

von Nicola Mohler/reformiert.info
min
16.04.2026
Nach der Aufhebung der Versammlungsbeschränkungen feierten am Wochenende orthodoxe Christen Ostern in Jerusalem. Tausende Besucher kamen zusammen. Aus christlichen Kreisen gibt es aber Kritik an der Politik.

Nach der Schliessung der heiligen Stätten in der Altstadt von Jerusalem kehrte am orthodoxen Karfreitag wieder Leben in die Jerusalemer Altstadt zurück: Am 11. April feierten rund 2500 Christinnen und Christen «das Heilige Feuer» in der Grabeskirche. Mehrere Hundert Gläubige versammelten sich vor der Kirche, und die Gassen der Altstadt füllten sich erneut.

Eine Woche vor den orthodoxen Osterfeierlichkeiten zelebrierten katholische und protestantische Christinnen und Christen Ostern. Die Feierlichkeiten waren von Einschränkungen und einem strengen Sicherheitsdispositiv geprägt. Aus Sicherheitsgründen im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg wurden die heiligen Stätten in der Altstadt zeitweise geschlossen. Als Gründe nannte die Polizei fehlende Schutzräume sowie die erschwerten Bedingungen für Rettungskräfte, die Altstadt im Notfall zu erreichen. Die Religionsfreiheit bleibe gewahrt, jedoch unter notwendigen Einschränkungen, hiess es.

Zutritt zu Grabeskirche verweigert

Die Karwoche begann mit der Nachricht, dass Kardinal Pierbattista Pizzaballa, der Lateinische Patriarch von Jerusalem und damit der höchste Vertreter der katholischen Kirche in Israel, der Zutritt zur Grabeskirche verweigert worden ist. Der Patriarch bezeichnete den Vorfall als «schwerwiegenden Präzedenzfall», der die Gefühle zahlreicher Menschen weltweit missachte.

Auch die Kirchen reagierten auf die Situation mit Anpassungen. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land veröffentlichte in den Sozialen Medien Bilder von Feierlichkeiten in Jerusalem, Beit Jala, Bethlehem und Ramallah. Prozessionen durch die Jerusalemer Altstadt entfielen ebenso wie das traditionelle Kerzengebet im Garten Getsemani.

Ähnlich eingeschränkt feierte auch die deutschsprachige Benediktinerabtei Dormitio. «Frohe und gesegnete Ostern aus dem schönsten Bunker Jerusalems», eröffnet Abt Nikodemus Schnabel seine Osterbotschaft. Das Video wurde aus der Krypta gesendet, wo rund 30 Mönche die Osternacht begingen.

 

Abt Nikodemus Schnabel

Der deutsche Benediktinermönch lebt seit 2020 in Jerusalem. Er leitet die deutschsprachige Benediktinerabtei Dormitio auf dem Berg Zion in Jerusalem und das Priorat Tabgha am See Genezareth.

 

Seit dem 8. April sind die heiligen Stätten in Jerusalem wieder geöffnet. Wie ist die Stimmung in der Jerusalemer Altstadt?

Abt Nikodemus Schnabel: Die Stimmung ist sehr gemischt. Einerseits atmen wir auf, dass die heiligen Stätten aller Glaubensrichtungen wieder zugänglich sind. Die Händler öffnen ihre Läden – auch wenn Pilger und Touristen nach wie vor fehlen. Andererseits spüre ich Unsicherheit darüber, wie es weitergeht. Niemand weiss, ob die Waffenruhe hält oder ob der Krieg erneut ausbricht.

Sie leben seit 2020 in Jerusalem. Hat sich das Leben als Christ dort verändert?

Die Situation hat sich seit dem Amtsantritt der derzeitigen israelischen Regierung deutlich verschlechtert. Das Phänomen des Christenhasses gab es schon immer. Es ist eine Minderheit von nationalreligiösen jüdischen Extremisten, die uns das zu spüren gibt – sei es in Form von Brandanschlägen, Friedhofsschändungen oder Graffiti. Früher konnte ich klar differenzieren: Ja, es gibt diese Extremisten, aber es gibt auch das offizielle Israel, das für eine andere Politik steht und klare Kante zeigt. Heute sind diese Menschen, die uns hassen, Teil der Regierung.

Was hat sich verändert?

Früher wurden wir nachts in dunklen Gassen angespuckt, wo niemand Zeuge war – ein verstecktes Phänomen. Heute geschieht dies am helllichten Tag, wenn Menschen rundherum stehen und Kameras dies aufzeichnen. Die Polizei handelt nur so, wie ihr gesagt wird zu handeln. Es ist die Realität, dass der zuständige Minister für die Polizei, Itamar Ben Gvir, ein notorischer Christenhasser ist.

Der Sicherheitsminister Gvir hatte einen Gesetzentwurf zur Einführung der Todesstrafe durch Erhängen für Terroristen massgeblich vorangetrieben. Am 31. März hatte die Knesset das Gesetz verabschiedet. Wie reagieren Sie auf diesen Entscheid?

Das Gesetz ist ein Skandal für Israel. Israel hat sich doch immer als Teil der westlichen Wertegemeinschaft verstanden und sich als einzige Demokratie im Nahen Osten bezeichnet. Dazu gehören auch Rechtsstaatlichkeit und Gleichheit vor dem Gesetz. Es ist jedoch klar, dass es hier keine solche Gleichheit gibt. Das Gesetz gilt ausschliesslich für palästinensische Terroristen. Im März wurden sieben Morde an Palästinensern in der Westbank gezählt. Keiner dieser Morde wurde bis heute geahndet. Die Einführung der Todesstrafe im Jahr 2026 und dann noch die Bilder von Ben Gvir, der im Parlament das Gesetz mit knallenden Sektflaschen feierte – da fehlen mir die Worte.

Gegner haben das Gesetz daher bereits im Vorfeld als rassistisch kritisiert. Zudem verstösst es gegen das Völkerrecht. Wird das Gesetz vor dem Obersten Gerichtshof Bestand haben?

Ich kann nur hoffen, dass dies nicht der Fall sein wird. Allerdings ist auch hier wichtig zu erinnern: Nach dem 7. Oktober 2023 kam es zu einer Schwächung der Gewaltenteilung und zu Angriffen auf den Obersten Gerichtshof. Israel hat keine föderative Struktur. Es gibt keine Kantone oder Ebenen, die die Zentralregierung kontrollieren. Damit sind Checks and Balances deutlich weniger ausgeprägt. Deshalb ist der Oberste Gerichtshof als Gegengewicht so wichtig. Leider kann man schon heute erahnen, dass die Regierung das Gericht delegitimieren wird, sollte es das Gesetz ablehnen.

Bischof Dr. Imam Haddad von der evangelisch-lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land hat Anfang April einen Brief veröffentlicht, in dem er die Partner dazu auffordert, sich gegen dieses Gesetz auszusprechen. Haben sich die Kirchen auch sonst mobilisiert?

Verschiedene Kirchen haben sich geäussert und positioniert. Ich glaube jedoch, dass die Bedeutung der Kirchen und ihrer Stimmen in Israel von aussen oft überschätzt wird. Die Christen machen in Israel nicht einmal zwei Prozent der Bevölkerung aus und haben keine Vertretung in der Knesset. Die Regierung nimmt sehr wenig Rücksicht auf die Anliegen der Kirchen und der Christen. Das wurde auch am Palmsonntag deutlich, als dem Patriarchen der Zugang zu seiner eigenen Kirche untersagt worden ist.

 

Kirche reagiert auf Todesstrafe

Am 31. März hatte das israelische Parlament einen Gesetzentwurf zur Einführung der Todesstrafe durch Erhängen für Terroristen gebilligt. Mit 62 zu 48 Stimmen bei einer Enthaltung wurde ein Gesetz verabschiedet, das die Todesstrafe faktisch nur für Palästinenserinnen und Palästinenser vorsieht – selbst dann, wenn sie die israelische Staatsbürgerschaft besitzen.

Kritiker bezeichnen das Gesetz als rassistisch und als Verstoss gegen das Völkerrecht.

Auch aus kirchlichen Kreisen kommt deutliche Kritik. In einem am 1. April 2026 veröffentlichten offenen Brief schreibt Bischof Dr. Imad Haddad: «Als Christen lehnen wir die Ideologie des Prinzips ‹Auge um Auge› ab.» Angesichts der Bedingungen in israelischen Gefängnissen und der Militärgerichte fürchte man, dass auch Unschuldige betroffen sein könnten.

Haddad ruft die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf: «Beziehen Sie mutig Stellung: Schreiben Sie, setzen Sie sich öffentlich ein und verurteilen Sie dieses Gesetz. Lassen Sie den Tod nicht das letzte Wort haben.»

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