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«Empörung kann Ausdruck einer Ohnmacht sein»

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14.04.2016
Die Panama-Papiere enthüllen ein nicht bekanntes Ausmass an Steuerhinterziehung und Geldwäsche. Die Empörung darüber ist gross. Christoph Weber-Berg, Wirtschaftsethiker und Präsident der reformierten Kirche Aargau, im Gespräch über Ohnmacht, Scheinheiligkeit und die Rolle der Kirche in unserem Wirtschaftssystem.

Als Folge der Enth├╝llung der Panama-Papiere sind Debatten ├╝ber Briefkastenfirmen, Steueroasen, Steuerdelikte und Steuermoral neu entflammt. Wie nehmen Sie die Debatte wahr?
Die ├Âffentliche Emp├Ârung ├╝ber die Enth├╝llungen ist gut nachvollziehbar. Wieder lesen wir ├╝ber eine Kaste von Menschen, die versuchen, ihr Geld am System vorbeizuschmuggeln. Die Thematik ist ja nicht neu, sie gewinnt immer wieder an Aktualit├Ąt. Jedes Mal, wenn wir von solchen Taten erfahren, wird das Vertrauen vieler Menschen in unser System unterh├Âhlt. Das ist besorgniserregend.

Wie sch├Ątzen Sie die Emp├Ârung ein?
Emp├Ârung kann Ausdruck einer Ohnmacht sein ÔÇô beispielsweise der Ohnmacht ├╝ber unser Wirtschaftssystem. Ich beobachte aber auch eine gewisse Scheinheiligkeit. Denn viele Leute, egal ob arm oder reich, versuchen Geld einzusparen. Die Reichen tun dies nat├╝rlich in einem ganz anderen Ausmass. Aber wie steht es um die Menschen, die in Deutschland einkaufen gehen und auf dem Heimweg die Ware nicht verzollen?

Die Panama-Papiere f├╝hren auch in die Schweiz. Der Finanzplatz ger├Ąt immer wieder ins Visier.
Das entt├Ąuscht mich sehr. Ich verstehe nicht, dass Schweizer Firmen immer noch in Gesch├Ąfte zur Steuerhinterziehung verwickelt sind. Insbesondere, weil inzwischen doch viele versuchen, den Finanzplatz Schweiz anders zu positionieren. Man sollte endlich einen Strich unter die Vergangenheit des Schweizer Finanzplatzes als Steuerfluchtort ziehen und f├╝r eine integre und nachhaltige Verwaltung von Finanzverm├Âgen einstehen.

Welches Verh├Ąltnis hat die Kirche zum Geld?
Die Kirche ist, wie andere Institutionen auch, an unser Wirtschaftssystem gebunden. Und darin ist Geld nun einmal ein n├╝tzliches Mittel. Nat├╝rlich k├Ânnen wir uns als Landeskirche in die Systemkritik einbringen und beispielsweise ├╝ber ein bedingungsloses Grundeinkommen mitdiskutieren. Aber auch wir haben mit den Herausforderungen der Zeit zu k├Ąmpfen. Dazu geh├Ârt beispielsweise das ethisch korrekte Investieren von Pensionskassen-Geldern unserer Angestellten.

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von ┬źreformiert.┬╗, ┬źInterkantonaler Kirchenbote┬╗ und ┬źref.ch┬╗.

Interview: Nicola Mohler / reformiert. / 14. April 2016

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