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Birgitta Aicher

Fachstelle für Religionspädagogik wird ökumenisch

von Tilmann Zuber
min
29.12.2025
Im letzten Sommer wurde im Kanton Solothurn die erste ökumenische Fachstelle für Religionspädagogik der Schweiz gegründet. Mit diesem Zusammenschluss stärken die Kirchen die religiöse Bildung in Schulen und Kirchgemeinden.

Für Birgitta Aicher, Leiterin der neuen Fachstelle, ist die Ökumene so selbstverständlich wie das Amen in der Kirche. Die Katholikin wuchs ökumenisch auf, besuchte einen reformierten Kindergarten und studierte in Tübingen, der Hochburg der Reformierten, Theologie. Für sie ist der Zusammenschluss der reformierten und der katholischen Fachstellen eine logische Folge der konfessionellen Entwicklung. Spitalseelsorge, Gefängnisseelsorge und vielerorts auch die Diakonie seien längst ökumenisch, sagt Aicher. Warum also nicht die Religionspädagogik? Die Spaltung der Christen empfindet sie als Ärgernis, zumal Jesus den Auftrag gab, «eins zu sein, wie er mit dem Vater eins ist, damit die Welt glaubt».

Mit der Gründung der ökumenischen Fachstelle wollen die Kirchen den Religionsunterricht und die Stellung der Katechetinnen stärken. Denn die religiöse Landschaft hat sich stark verändert. Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt: Im Kanton Solothurn gehören nur noch 40 Prozent der Bevölkerung der reformierten oder der katholischen Kirche an. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Religionsunterricht wider. Eine Umfrage von 2021 ergab, dass nur etwa die Hälfte der schulpflichtigen Kinder daran teilnimmt – je nach Schulhaus und Gemeinde schwankt die Zahl.

Birgitta Aicher ist überzeugt, dass sich der Unterricht lohnt. Dort werden die «alten, existenziellen Fragen» gestellt: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wer bin ich? Diese Fragen prägen unsere Identität und begleiten uns ein Leben lang. Gerade in einer Zeit voller Krisen, Kriege und Klimakatastrophen sei es wichtig, Kindern Zuversicht und Mut zu geben. Sie sollen spüren, dass sie wertvoll sind und eine wichtige Rolle spielen in der Gesellschaft. Neben dieser Stärkung der Persönlichkeit vermitteln die Katechetinnen auch Wissen über das Christentum und andere Weltreligionen.

Motiviert zum Guten

Macht Religionsunterricht toleranter? Aicher überlegt kurz. Angesichts der kriegerischen Geschichte des Christentums müsste man die Frage wohl verneinen, sagt sie. Doch sie glaubt, dass der christliche Glaube Menschen motiviert, Gutes zu tun. «Die Gewissheit, dass Gott gut zu mir ist, und die Freude darüber, dass er mich liebt, geben enorme Kraft, sich positiv in die Gesellschaft einzubringen.»

Der Religionsunterricht an Schulen steht derzeit zur Debatte. Im Kanton Solothurn gilt ein Zwei-Säulen-Modell: Zum einen gibt es den konfessionellen Unterricht in den Kirchgemeinden, der den Glauben und die Konfession in den Mittelpunkt stellt. Zum anderen den schulischen Religionsunterricht, den kirchliche Katechetinnen erteilen und den die Kirchen finanzieren.
Mit dem Lehrplan 21 diskutiert die Politik nun über die Einführung des Fachs «Ethik, Religion und Kulturen», das von Lehrpersonen unterrichtet würde. Der kirchliche Unterricht an Schulen könnte dadurch ins Abseits geraten.

Aicher warnt die Kirchen davor, sich aus den Schulen zurückzuziehen. Es sei wichtig, weiterhin religiöse Bildung anzubieten – nicht nur für christliche Kinder. Der schulische Fachbereich «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» wird nur elementare Grundlagen vermitteln können. Gerade für die Auseinandersetzung mit den wichtigen Fragen des Lebens ist eine Vertiefung im ökumenischen Religionsunterricht auch in Zukunft wichtig.

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