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Kolumne

Frau Pfarrer oder Frau Pfarrerin oder wie?

von Dagmar Doll
min
28.08.2020
Was bedeutet es, als Pfarrerin und Frau eines Pfarrers in einer Doppelrolle zu leben? Gibt es die überhaupt oder sind das sprachliche Spitzfindigkeiten? Eine Kolumne von Pfarrerin Dagmar Doll.

Ich frage meinen Sohn, was wohl der Unterschied zwischen einem Pfarrer und einer Pfarrerin ist. Seine Antwort: «Er kann´s, sie nicht……haha! Scherz!»

So lustig finde ich das gar nicht, merke ich und frage mich gleichzeitig, ob ich nur empfindlich bin oder ob da eine bittere Erfahrung drinsteckt.

«Wie darf ich Sie nennen?»

Das fängt schon bei der Anrede an. Er ist Herr Pfarrer. Bei ihr wird nachgefragt. Wie darf ich sie nennen: «Frau Pfarrer, Frau Pfarrerin oder nur Frau Doll?» Und was, wenn alles stimmt?

Aber von vorne. Die Frau Pfarrer war in meiner Kindheit die Pfarrfrau, also die Frau vom Pfarrer, ähnlich wie die Frau Doktor oder die Frau Kommerzienrat. Eine Frau Pfarrerin gab es gar nicht. Dazu muss man auf meine Herkunft achten. In meiner Heimatlandeskirche gibt es die Frauenordination seit 1974, und bis die ersten Frauen dann tatsächlich in den Landgemeinden auf der Kanzel standen und die Sakramente verwalteten, dauerte es noch. Ich bin mit Pfarrern gross geworden.

In der Schweiz ist das freilich anders. Hier gab es schon vor 100 Jahren die ersten Frauen, die ein geistliches Amt ausüben durften, 1963 wurden zwölf Frauen erstmals ordiniert. Zwar waren es wenige, aber immerhin. In Deutschland war es erst 1991, als die letzte der Landeskirchen Frauen im Pfarramt zuliessen.

Pfarrerin und Pfarrfrau

Ich bin alles. Ich bin Frau Pfarrer, Frau Pfarrerin und Frau Doll. Denn ich habe auch noch einen Pfarrer geheiratet, bin Pfarrerin und Pfarrfrau. Das gilt in unserem Kanton neben mir noch für eine andere Kollegin. Die Frage ist, inwieweit das präsent ist. Oder anders gefragt, ob es sie noch gibt, die klassische Pfarrfrau.

Die Pfarrfrau ist eine «Erfindung» der Reformation. Die Rolle der Frau im Pfarrhaus als Vorstand des Haushalts, tugendhafte Ehefrau und Mutter, Erzieherin der Kinder und glaubensstarke Person war bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts unumstösslich.

Dann setzte ein Wandel ein. Frauen emanzipierten sich, so auch die Pfarrfrauen. Sie verwirklichten sich in ihren eigenen Berufen. Die Neuordnung der Rollen im Pfarrhaus ging einher mit dem gesamtgesellschaftlichen Umdenken ĂĽber die Rolle der Frau in Familie, Gesellschaft und Gemeinde.

Ausserdem entstand mit der Frauenordination eine ganz neue Rolle, die des Pfarrmannes. War er jetzt der tugendhafte Hausvorstand, der Erzieher der Kinder und die glaubensstarke Person im Pfarrhaus? Wäre dann für ihn die korrekte Anrede «Herr Pfarrerin» gewesen? 

Pfarrfrauen und Pfarrmänner arbeiten heute in unterschiedlichen Berufen, die oft schwer vereinbar sind mit dieser traditionellen Rolle. Und längst, so erlebe ich es, ist das auch in den Kirchgemeinden angekommen. Und eigentlich ist mir persönlich auch alles recht. Ob ich nun Frau Pfarrer bin oder Frau Pfarrerin oder am liebsten einfach Frau Doll. 

Lieber der Herr Pfarrer...

Es wird dann schwierig, wenn wir auch in mittlerweile dritter Generation um unseren Status kämpfen müssen, wenn irgendwie doch lieber der Pfarrer gefragt wird zur Taufe. Das passiert durchaus noch, wenn auch selten. Ob ich einen Kuchen mehr backe für den Bazar, spielt dabei überhaupt keine Rolle, solange ich mich in all meinen Rollen akzeptiert und ernstgenommen fühle.

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