Gesangsworkshops: John Bell zu Gast in der Schweiz
Die Sache mit den Liedern begann für John Bell, als er vor vielen Jahren als Jugendarbeiter in der Church of Scotland ordiniert wurde. Damals waren nicht viele Pfarrer in der Jugendarbeit tätig, John Bell war nur einer von zweien. «Während meiner zehn Jahre in der Jugendarbeit wurde mir bewusst, wie sehr das Leben der Menschen von Kirchenliedern geprägt wird», sagt er.
«Es gibt so viele alte Kirchenlieder, die uns noch immer begleiten, und sie sorgen bei den Menschen für Verwirrung. Werden wir von Gott als ‹Würmer› oder ‹Unkraut› gesehen, wie es uns einige der älteren Kirchenlieder sagen? Oder sind wir ‹Blumen› mit Potenzial und Schönheit?» Für John Bell ist schnell klar, welches Bild er den Menschen lieber vermitteln möchte: «Ich möchte den Menschen helfen, ihre Gottesbilder zu ergänzen und zu erweitern, jenseits jener alten Bilder, die wir in vielen Fällen aus der viktorianischen Zeit geerbt haben.»
Ein Leben für die Musik
Die Musik begleitete John Bell schon sein ganzes Leben. 1949 in Kilmarnock in den schottischen Lowlands geboren, wollte er ursprünglich Musiklehrer werden, fühlte sich jedoch als junger Erwachsener schliesslich zum Pfarrer berufen. Der Weg dorthin verlief jedoch alles andere als geradlinig. John Bell brach sein Studium ab und zog nach London, wo er in einem sozial benachteiligten Stadtviertel arbeitete. Nach einigen Jahren versuchte er es noch mal mit der Uni. Er studierte Theologie, arbeitete zwei Jahre als Hilfspfarrer an der Englisch-Reformierten Kirche in Amsterdam und wurde 1977, einige Jahre nach seiner Rückkehr, zum Rektor der Universität Glasgow gewählt. 1980 trat John Bell der Iona Community bei, einer ökumenischen Gemeinschaft auf der schottischen Insel Iona, die sich für Gottesdiensterneuerung, soziale Gerechtigkeit und Frieden einsetzt.
Armut und Missbrauch in Kirchenliedern
John Bells Lied «The Summons (Will You Come and Follow Me)» wird heute in Kirchen auf der ganzen Welt gesungen. Darin ruft Gott die Gläubigen auf, seinem Ruf zu folgen: «Will you come and follow me, if I but call your name? Will you go where you don‘t know and never be the same?» – «Wirst du mir folgen, wenn ich nur deinen Namen rufe? Wirst du dich an einen unbekannten Ort begeben und für immer verändert sein?»
Das Liederschreiben gehörte nie zu Bells Lebensziel. Das änderte sich, als er erkannte, dass die alten Kirchenlieder kaum die Not armer Menschen benannten. Sie sagten nichts über Arbeitslosigkeit oder Kindesmissbrauch aus. Also schuf John Bell den Ansatz des «Reformed Worship», eine neue Liederkultur, die er als «schottisch, inkarnatorisch und biblisch» beschreibt. «Nicht alle singen gern über diese Themen», sagt er. «Aber glauben wir, dass Gott sich nur für harmlose und nette Themen interessiert – oder glauben wir, dass er auch der Gott der Unterdrückten, der Armen und der Missbrauchten ist?»
Zu singen ist für John Bell eine göttliche Aufforderung. In der Bibel heisse es doch: «Singt dem Herrn ein neues Lied.» Er sagt: «Da jeder Mensch einzigartig ist, ist auch jede Stimme einzigartig. Wenn wir also zu Gott singen, bringen wir ein Geschenk dar, das nur jeder Einzelne von uns geben kann.»
Iona im Baselbiet
Daniel Meier, Leiter Katechese der Römisch-Katholischen Kirchgemeinde St. Franz Xaver Münchenstein, ist seit vielen Jahren gut mit John Bell befreundet und hat selber zwei Jahre auf Iona gelebt. Viermal im Jahr führt er einen «Big Sing»-Tag in der Gemeinde durch, bei dem viele Iona-Lieder gesungen werden. «Die Iona-Lieder sind zum Teil ähnlich wie die Taizé-Lieder», sagt er. «John Bell hat sehr viele internationale Lieder aus Brasilien, Afrika oder Spanien gesammelt oder alten schottischen Melodien neue Texte verpasst. Von Suaheli über Portugiesisch bis Englisch ist alles dabei!» Es fasziniere ihn, wie John Bell sehr klare theologische Botschaften in Liedern zu vermitteln weiss. «Ich erlebe ihn persönlich als einen sehr bescheidenen, feinen Menschen. Und ich freue mich schon, wenn die Leute beim gemeinsamen Singen von ihm begeistert sein werden!», sagt Meier.
Samstag, 6. Juni, 10–12 Uhr, katholische Kirche Münchenstein, Baselland. Keine Anmeldung nötig. Kollekte. Weitere Workshops mit John Bell in der Schweiz.
Gesangsworkshops: John Bell zu Gast in der Schweiz