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Feministische Theologie

Gott ist keine Spiesserin

von Veronica Bonilla Gurzeler / reformiert.info
min
09.01.2024
Was ist das Überzeugende an der feministischen Theologie? Die Zürcher Pfarrerin Jacqueline Sonego Mettner stellt sieben Thesen auf und sagt, ein grosses ethisches Engagement gehöre dazu.

Im Kirchenjahr 2024 findet in den Stadtz√ľrcher Kirchen die Themenreihe ¬ęGott ist keine Spiesserin ‚Äď feministisch unterwegs in Z√ľrich¬Ľ statt. An der Er√∂ffnungsveranstaltung am 4. Dezember 2023 in der Kirche St. Peter hat die Initiantin Jacqueline Sonego Mettner sieben Thesen zur Glaubw√ľrdigkeit der feministischen Theologie vorgestellt:

Feministische Theologie ist...

1. erfahrungsbezogene Theologie. Sie orientiert sich am Leben. In ihr spiegeln sich die unterschiedlichen Erfahrungen aus dem Hier und Heute. Sie fragt nach der Not, und Frauen sind davon auch heute noch √ľberm√§ssig betroffen. Dabei orientiert sie sich am Potenzial zur Befreiung, insbesondere an den biblischen Befreiungsgeschichten.

2. gesellschaftspolitisch engagierte Theologie. Freiheit, Menschenrechte und zukunftsfähiges Wirtschaften, bei dem niemand auf der Strecke bleibt, auch nicht die Natur, sind zentral in der feministischen Theologie. Ein grosses ethisches Engagement gehört dazu. In der Auslegung der Bibel orientiert sie sich an dem, was dem Leben und einer bewahrten Schöpfung dient. Sie erachtet es deshalb als legitim, die Bibel mit ausserbiblischen Kriterien zu lesen.

3. eine suchende Theologie. Sie ist vielf√§ltig, neu lernend, interkonfessionell, interreligi√∂s, interdisziplin√§r. Immer schon war sie √∂kumenisch, ist aber auch √ľber die Religionsgrenzen hinweg und international im Gespr√§ch.

4. poetische Theologie. Sie ist sprachlich und spirituell kreativ. Die Zeit der Dogmen und Glaubenss√§tze ist vorbei. In der Rede √ľber Gott steht sie h√§ufig in der Tradition der Mystik, wo das Nichtwissen, das Staunen, die Leere sehr zentral sind. Wo dann vielleicht von Gott geredet wird als Stimme, als Licht, als Quelle ‚Äď nicht unbedingt in personalen Bildern, aber doch mit einem Bindungscharakter. Eine einseitige Verwendung von m√§nnlichen Gottesbildern lehnt die feministische Theologie ab. Die Poesie erweist sich oft als angemessener als die traditionelle theologische Sprache.

5. wissenschaftliche Theologie. Sie k√§mpft immer noch sehr um ihren Platz an den Universit√§ten. Bis heute ist sie gepr√§gt von einer sozialgeschichtlichen oder literarischen Bibelauslegung. Auch beleuchtet sie vergessene Texte und Bibelfiguren neu, etwa die Figur der Hagar. Intensiv gepflegt wird der Dialog mit j√ľdischen Exegetinnen.

6. kritische Theologie. Sie deckt menschenfeindliche Traditionen in der Auslegungsgeschichte auf, die bis heute wirkm√§chtig sind. Etwa wenn in der Rede √ľber die S√ľnde die Aufmerksamkeit immer wieder auf die Frau, ihren K√∂rper und ihre Sexualit√§t gerichtet wurde. Sie stellt die grossen Fragen neu: die Frage nach Schuld und Verantwortung; die Frage, was mit der Menschwerdung gemeint sei und wie diese mit der menschlichen Fragilit√§t und Endlichkeit zusammengehe; die Frage nach dem Umgang mit Krankheit, Scham und Trauer, aber auch mit Freude, Liebe und Freundschaft. Die feministische Theologie ist selbst- und ideologie-kritisch unterwegs; etwa, wenn sie anti-judaistische Tendenzen in den eigenen Reihen beleuchtet.

7. hoffende Theologie. Sie zweifelt, sucht und bem√ľht sich um Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit. Sie tut dies mit grossem Vertrauen auf einen Gott, beziehungsweise einen G*tt, der diese Welt nicht im Stich l√§sst, der uns als Mitstreiterinnen braucht und in eine Ecclesia herausruft, die nicht unbedingt identisch ist mit der vorhandenen Kirche.

 

Das Programm

Jacqueline Sonego Mettner (62) ist Pfarrerin im Kirchenkreis 2, Mitglieder der Synode und war w√§hrend 18 Jahren Redaktorin bei der feministisch-theologischen Zeitschrift Fama. Zusammen mit Pfarrerinnen der Kirchgemeinde Z√ľrich organisiert sie die Themenreihe ¬ęGott ist keine Spiesserin - feministisch unterwegs in Z√ľrich¬Ľ. Diese will zeigen, wie durch die feministische Theologie neue Glaubw√ľrdigkeit f√ľr eine Kirche in der heutigen Zeit entsteht. Bis im November 2024 finden an elf Orten in Z√ľrich insgesamt elf verschiedenen Veranstaltungen statt.

Sämtliche Veranstaltungen finden Sie hier.

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