Gutachten: Anne Frank-Bild mit Kufiya hat antisemitische Wirkung
Ein Gutachten des Simon Wiesenthal Centers in Los Angeles attestiert einem im Potsdamer Fluxus-Museum gezeigten Bild «Anne Frank mit Kufiya» eine antisemitische Wirkung. Die Kombination der im KZ Bergen-Belsen gestorbenen Anne Frank (1929–1945) mit einem politisch aufgeladenen Symbol des Nahostkonflikts aktiviere zentrale Muster des modernen Antisemitismus, heisst es in dem von dem Brandenburger Antisemitismusbeauftragten Andreas Büttner am Freitag in Potsdam veröffentlichten Gutachten.
Dazu zähle die Instrumentalisierung jüdischer Opfer für aktuelle politische Narrative. Anne Frank stehe weltweit als Symbol für die ermordeten jüdischen Kinder der Schoah. Eine Umdeutung dieser Symbolfigur in einen aktuellen politischen Konfliktkontext berühre daher «in besonderer Weise die deutsche Erinnerungskultur und das Gedenken an die Opfer».
Kunstfreiheit entbindet nicht von Verantwortung
Das Bild des italienischen Künstlers Costantino Ciervo war bis Anfang Februar im Potsdamer Fluxus-Museum in der Ausstellung «Comune – Das Paradox der Ähnlichkeit im Nahostkonflikt» zu sehen und hatte für viel Kritik gesorgt. Der Brandenburger Antisemitismusbeauftragte Büttner hatte sich deshalb mit der Bitte um eine internationale Bewertung an das Simon Wiesenthal Center gewandt.
Er nehme diese Bewertung sehr ernst, erklärte Büttner am Freitag. Kunstfreiheit sei ein hohes Gut: «Sie entbindet jedoch nicht von der Verantwortung, historische Sensibilität zu berücksichtigen und die Würde der Opfer zu achten.» Er erwarte daher eine kritische Auseinandersetzung mit der Ausstellung und einen sensibleren Umgang mit Symbolen der Schoah.
Gutachten: Anne Frank-Bild mit Kufiya hat antisemitische Wirkung