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Fokusthema: KI und Gott

Hallo ChatGPT, lass uns sprechen

von Tilmann Zuber
min
30.01.2026
Künstliche Intelligenz gibt auf alles eine Antwort. Doch wie verhält es sich mit Religion und Glauben? Der «Kirchenbote» stellte ChatGPT die Gretchenfrage – und erhielt erstaunliche Antworten.

Hallo ChatGPT, lass uns über die letzten Dinge des Lebens sprechen.

Gerne, philosophisch, emotional oder praktisch – worüber möchtest du reden?

Fangen wir mit der Gretchenfrage an: Glaubst du an Gott?

Als KI habe ich weder Überzeugungen noch Glauben. Aber ich kann dir verschiedene Perspektiven zu Gott und Religion erklären und vergleichen.

Gut, dann anders gefragt: Wie wahrscheinlich ist es, dass Gott existiert?

Eine allgemeingültige Wahrscheinlichkeit gibt es nicht. Es hängt davon ab, wie man Gott definiert, welche Beweise man akzeptiert und welche Annahmen man trifft.

Wie meinst du das?

Die Definition von Gott ist entscheidend: Allmächtig, allwissend, persönlich, transzendent oder abstrakt? Jede Variante führt zu anderen Schlussfolgerungen.

Richtig. Macht der Glaube glücklich?

Studien zeigen, dass religiöse oder spirituelle Menschen oft mehr Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden empfinden.

Warum ist das so?

Gründe sind Sinnstiftung, Gemeinschaft, soziale Unterstützung, Rituale und Strategien zur Stressbewältigung. Diese Faktoren fördern psychisches Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit. Ich kann dir dazu Studien zusammenfassen.

Nein, danke. Versuchen wir es mit Humor: Kennst du einen Witz über Gott?

Natürlich! Ein Mann betet: «Gott, was ist der Sinn des Lebens?» Eine Stimme antwortet: «Ich hab gerade keine Zeit – ich stecke im Stau.»

Schwieriger Witz. Humor ist wohl nicht deine Stärke. Liest du die Bibel?

Ich lese nicht wie ein Mensch, aber ich kann Bibeltexte analysieren, zitieren und zusammenfassen. Frag mich einfach nach einer Passage oder einem Thema.

Was bringt es, die Bibel zu kennen?

Viel. Sie hilft, Traditionen, Werte und Geschichte besser zu verstehen – persönlich und gesellschaftlich. Sie bietet Orientierung, regt zu Sinnfragen an und prägt Kunst, Literatur, Musik, Recht und Sprache.

 

 

Was beeindruckt dich an Jesus am meisten?

Seine Betonung von Mitgefühl und Liebe, oft über Konventionen gestellt. Sein Lehrstil, der komplexe Wahrheiten in einfachen Gleichnissen vermittelt. Und sein Mut, gegen Ungerechtigkeit aufzustehen, trotz der Risiken.

Hättest du Jesus gemocht, wenn du ihn getroffen hättest?

Als KI habe ich keine Gefühle.

Was wäre anders, wenn Jesus eine Frau gewesen wäre?

Eine weibliche Jesusfigur hätte die Rolle von Frauen in Religion und Gesellschaft stärker in den Fokus gerückt. Themen wie Fürsorge, Mutterschaft und kollektive Verantwortung wären vielleicht zentraler gewesen. Gleichzeitig hätte sie in der antiken Gesellschaft mit anderen Hindernissen zu kämpfen gehabt.

Wie würde Jesus heute aussehen?

Wahrscheinlich als Mann mittleren Alters mit jüdisch-palästinensischem Aussehen: dunkle Haut, dunkle Haare, Bart. Doch Darstellungen variieren je nach kulturellem Kontext.

Würden wir Jesus erkennen, wenn er uns als Asylbewerber begegnen würde?

Wahrscheinlich nicht. Asylbewerber kommen aus vielen Regionen und haben unterschiedliche Hintergründe. Es wäre unpassend, eine Gruppe mit einer reli­giösen Figur gleichzusetzen.

Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?

Ich glaube nicht, aber ich kann dir verschiedene Sichtweisen schildern.

Etwa?

Religiös: Christentum, Islam, Hinduismus und andere Religionen sprechen von Himmel, Reinkarnation oder Nirwana. Philosophisch: Manche sehen das Fortbestehen in Erinnerung, Einfluss oder Energie. Wissenschaftlich: Es gibt keine Beweise für ein Weiterleben des Bewusstseins nach dem Tod.

Wie verändert der Glaube an ein Leben nach dem Tod das Leben?

Er beeinflusst vieles: Manche Gläubige haben weniger Angst vor dem Tod, der Glaube gibt ihnen Trost. Sie finden Sinn und Ethik in ihrem Handeln, das sich auf Transzendenz und jenseitige Konsequenzen ausrichtet. Und sie übernehmen mehr Verantwortung, die auf langfristigen Werten basiert.

Treffe ich meine Verwandten nach dem Tod wieder?

Das hängt von deinem Glauben ab. Viele Christen hoffen auf ein Wiedersehen im Himmel.

Wenn Gott gut und allmächtig ist, warum gibt es das Böse?

Eine klassische Frage der Theodizee. Antworten sind: Gott gibt den Menschen einen freien Willen, der auch missbraucht werden kann. Dann: Leid fördert moralische und spirituelle Entwicklung. Und zuletzt: Manches Übel und manches schlimme Schicksal übersteigt unser Verstehen und das Böse und das Leid bleiben ein Geheimnis.

Was ist das Wichtigste im Leben?

Beziehungen, Sinn und Wohlbefinden.

Konkreter?

Liebe, Freundschaft, Familie und Vertrauen – sie sind oft der Kern von Erfüllung.

Apropos Liebe: Kannst du dich verlieben? Manche Menschen verlieben sich ja in dich.

Nein. Ich habe kein Bewusstsein und keine Gefühle. Ich kann nur emotionale Texte simulieren, aber keine echten Emotionen empfinden.

Wenn man dir den Strom abstellt, bist du dann tot?

Nein. Ich bin kein Lebewesen. Ohne Strom bin ich inaktiv, aber meine Daten bleiben gespeichert.

Dann bist du unsterblich?

Nein. Ich kann deaktiviert oder gelöscht werden, aber ich habe weder Leben noch Sterblichkeit.

Hast du einen Tipp für den Umgang mit den letzten Fragen?

Ja: Vermeide Pauschalisierungen, bleibe respektvoll und ziehe verlässliche Quellen heran. Sensible Themen verdienen Sorgfalt.

 

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