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Haus der Religionen wehrt sich gegen Zwangsheiraten

von Mirjam Messerli, reformiert.info
min
19.11.2022
Haus der Religionen In der Moschee wurden offenbar Zwangsheiraten durchgeführt. Der Verein Haus der Religionen und der muslimische Verein prüfen eine Strafanzeige.

Das Berner Haus der Religionen ist ein offener Ort. Bei den Eing├Ąngen zum Hindu-Tempel oder zur Moschee wird nicht kontrolliert, wer alles ein und aus geht ÔÇô so, wie es auch in den Landeskirchen gelebt wird. Im Haus der Religionen muss man diese offene Haltung nun ├╝berdenken. Wie das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) diese Woche publik machte, soll es in der Moschee mehrere Zwangsverheiratungen gegeben haben. Offenbar hat ein Imam verbotenerweise sechs religi├Âse Trauungen ohne vorherige zivile Heirat durchgef├╝hrt. Im Beitrag erz├Ąhlt wird der Fall einer 18-j├Ąhrigen Frau, die gegen ihren Willen mit einem Verwandten verheiratet wurde.

┬źFassungslos┬╗
In einer gemeinsamen Stellungnahme verurteilen sowohl der muslimische Verein Bern als auch der Verein Haus der Religionen diese Praxis. ┬źWir sind fassungslos und distanzieren uns klar von jeglicher Form von Zwangsverheiratungen┬╗, sagt Gesch├Ąftsf├╝hrerin Karin Mykytjuk.

Doch wie konnte es ├╝berhaupt zu diesen Trauungen kommen? Mustafa Memeti, Leiter des Muslimischen Vereins und selber Imam, betont, man kenne die Person nicht, welche die Zwangsverheiratungen durchgef├╝hrt haben soll.

Erkl├Ąrbar sind die Vorf├Ąlle f├╝r beide Vereine nur so, dass jemand die freie Zug├Ąnglichkeit der Moschee ausgen├╝tzt hat. Zudem ist auch nicht immer jemand vom Muslimischen Verein anwesend. Diese Praxis werde nun gr├╝ndlich ├╝berdacht, sagt Gesch├Ąftsf├╝hrerin Karin Mykytjuk gegen├╝ber ┬źreformiert┬╗. Ausserdem pr├╝fen beide Vereine rechtliche Schritte gegen die missbr├Ąuchliche Nutzung der R├Ąume und von Schriftst├╝cken. Der unbekannte Imam soll einen alten Briefkopf des Muslimischen Vereins verwendet haben, um die Trauungen schriftlich zu best├Ątigen.

Gemeinsame Aufkl├Ąrung
Die Gesch├Ąftsf├╝hrerin des HDR betont, dass die Vorf├Ąlle gemeinsam mit dem Muslimischen Verein untersucht und aufgekl├Ąrt werden sollen. ┬źWir sind im Gespr├Ąch und diskutieren m├Âgliche Massnahmen, damit dies nicht mehr geschehen kann.┬╗ Auch mit der Fachstelle Zwangsheirat sei man in Kontakt.

Eine Schlussfolgerung ist schon jetzt klar: Nicht nur privatrechtlich organisierte Religionsgemeinschaften, sondern die Gesellschaft ganz allgemein sei nicht gen├╝gend ├╝ber das Primat der Zivilehe informiert, wird in der Medienmitteilung festgehalten. Wenn die Zivilehe nicht geschlossen sei, f├╝hre dies dazu, dass eine Ehe rechtlich nicht anerkannt ist.

Dies ist noch nicht automatisch mit einer Zwangsehe gleichzusetzen. Auch der offizielle Imam der Moschee im Haus der Religionen muss diesbez├╝glich Kritik einstecken: Er habe nicht in allen F├Ąllen sorgf├Ąltig gepr├╝ft, ob die Grundlage f├╝r eine religi├Âse Eheschliessung erf├╝llt sei, h├Ąlt der Verein Haus der Religionen in der Medienmitteilung fest. Der Verein verurteilt diese Unterlassung, betont aber gleichzeitig, in keinem dieser F├Ąlle sei ein Zwangskontext bekannt gewesen. Dennoch sei man sich einig, dass der Imam diese Kontrollen k├╝nftig konsequenter machen m├╝sse.

Mirjam Messerli, reformiert.info

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