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Eine Brücke zwischen den Kulturen

Heks: interkulturelle Vermittlung

von Noemi Harnickell
min
24.06.2026
Als interkulturelle Vermittlerin übersetzt Patricia Siegrist zwischen den Kulturen. Damit verhilft sie nicht nur zu mehr Verständnis, sondern schafft echte Chancengleichheit.

Als Patricia Siegrist neu in der Schweiz war, fühlte sie sich oft allein. Zwar sprach sie fliessend Englisch und Französisch und war dabei, Deutsch zu lernen, aber die Sprache war nicht das Einzige, was ihr das Fussfassen erschwerte. Sie musste sich in Ämtern und Bürokratie zurechtfinden und ein Verständnis für kulturelle Unterschiede entwickeln. «Ich denke immer an diese Zeit», sagt sie. «Und daran, wie es gewesen wäre, wenn mich damals jemand an die Hand genommen und begleitet hätte.»

Heute tut Patricia Siegrist genau das. Als interkulturelle Vermittlerin und Dolmetscherin des Evangelischen Hilfswerks Schweiz (Heks) begleitet sie Menschen zu amtlichen Terminen, übersetzt und klärt kulturelle Missverständnisse auf und sucht mit Fachpersonen und Migrantinnen nach Lösungen. Das Heks-Programm MEL in Basel bildet dafür gezielt Fachpersonen aus, die selbst Migrationserfahrung mitbringen.

Patricia Siegrist ist gebürtige Peruanerin und 1993 für die Liebe nach Basel gezogen. «Ich musste unbedingt Deutsch lernen», erinnert sie sich. «Ich wusste, das ist ganz wichtig für meine Integration.» Heute nutzt sie ihre Deutschkenntnisse, um in wichtigen Situationen zu dolmetschen. Künstliche Intelligenz kann vieles auf die Schnelle abdecken, aber oft geht es um mehr als nur wörtliche Übersetzung. «Unsere Arbeit geht über die Sprache hinaus», erklärt Siegrist. «Wir zeigen Empathie und können Unterstützung anbieten.» Neulich hatte Siegrist einen Termin auf der Onkologie. Sie sollte einem Mann die Nachricht übersetzen, dass er nur noch wenige Monate zu leben hatte. «Ich wusste, dass er wie ich Katholik war, und fügte hinzu, dass sein Leben in Gottes Händen liegt.»

Zugang zu Fachstellen

Für interkulturelle Vermittlerinnen spielt Sprache in jeder Situation eine zentrale Rolle, egal ob es ums Dolmetschen geht oder nicht. So leitet Siegrist mit einer Kollegin jeden Montag das Café Glück im Quartiertreffpunkt LoLa. Es ist ein niederschwelliges Angebot für Migrantinnen und Migranten ab 55, die hier Deutsch üben, Fragen stellen und wichtige Informationen mitnehmen können.

Patricia Siegrist ist überzeugt, dass interkulturelle Vermittlung echte Chancengleichheit schaffen kann. Das Vermittlerteam ist in Schulen, Spitälern und sozialen Institutionen präsent. Dank gezielter Programme finden Jugendliche Lehrstellen oder sogar Studienplätze. Wer einst Hilfe brauchte, kann Elterngespräche oder Arzttermine auf einmal alleine wahrnehmen. Siegrist zeigt, welche Ressourcen für Migrantinnen zur Verfügung stehen, und vermittelt Zugang zu Fachstellen. «Oft begegnen mir Eltern, die finanzielle Schwierigkeiten haben und sich sehr schämen, darüber zu sprechen. Ich ermutige sie, mit einem Sozialarbeiter zu reden, und helfe ihnen dabei, einen Termin bei der Familien-, Paar- und Erziehungsberatung FABE zu vereinbaren.»

Siegrist weiss aus eigener Erfahrung, wie anstrengend das Leben als Migrantin in der Schweiz sein kann. «Weil ich gut Englisch und Französisch sprach, fiel mir am Anfang vieles leichter», sagt sie. «Trotzdem war ich auf die Unterstützung meines Mannes angewiesen.» Viele Menschen sprechen jedoch kaum Englisch und haben auch keine Schweizer an ihrer Seite, die sie zu Terminen begleiten können. Für sie, so Siegrist, sei es viel schwieriger, sich in der Schweiz zurechtzufinden, sich hier wohlzufühlen und sich zu integrieren. «Wir sind Brücken zwischen verschiedenen Kulturen», sagt sie. «Wir fördern die konstruktive Kommunikation zwischen allen Beteiligten.»

Interessiert? Der nächste Ausbildungsgang startet am 15. August. Für mehr Informationen: mel@heks.ch oder www.heks.ch/was-wir-tun/ausbildung-interkulturelles-vermitteln

 

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