News aus Basel-Stadt, Baselland, Solothurn, Zentralschweiz, Schaffhausen

«Hier fusionieren nicht zwei Banken»

min
14.11.2019
Bereits Anfang 2021 sollen Heks und Brot für alle Bfa fusionieren. Die Stiftungsratspräsidenten – Walter Schmid vom Heks und Jeanne Pestalozzi von Bfa – gaben in Zürich einen Überblick über die Pläne, die beiden Werke zu verschmelzen.

Brot f├╝r alle Bfa plant mit dem Hilfswerk der evangelischen Kirche Heks eine Fusion. Das ist keine Elefantenhochzeit unter Hilfswerken, hier geht David mit Goliath ein B├╝ndnis ein. Alleine die wichtigsten Kennziffern zeigen dies ├╝berdeutlich. So besch├Ąftigt das politische Kampagnenwerk Bfa 40 Mitarbeitende und verf├╝gt ├╝ber ein Budget von 18 Million Franken. Beim Heks dagegen arbeiten 400 Menschen und das Werk verwaltet j├Ąhrlich ein Budget von mehr als 70 Millionen.

Auf Ebene der Stiftungspr├Ąsidien scheint die geplante Fusion ohne Friktionen und mit Team-Spirit diskutiert zu werden. An der ersten Informationsveranstaltung dieser Art demonstrierten am Montagabend Walter Schmid und Jeanne Pestalozzi kollegialen Schulterschluss. Beide Stiftungsratspr├Ąsidenten stimmten von der Zielsetzung bis zur Strategie der k├╝nftigen Organisation ├╝berein.

Das zahlreich erschienene Publikum von Vertretern der Z├╝rcher Kirchgemeinden, die sich f├╝r Dritte-Welt-Themen engagieren, war von dem Auftritt so begeistert, dass keiner die Frage stellte, ob die Fusion ├╝berhaupt noch scheitern kann.

Personelle Abg├Ąnge verhindern
Der anvisierte Zeitplan ist anspruchsvoll. Bereits am 1. Januar 2021 sollen die beiden Werke schon verschmolzen sein. Das rasche Tempo begr├╝ndete Walter Schmid damit, dass man das Personal nicht zu lange im Vagen lassen will: ┬źDas k├Ânnte gerade bei qualifizierten Kaderleuten zu Abg├Ąngen f├╝hren.┬╗

Jeanne Pestalozzi wiederum zerstreute ├ängste, dass die entwicklungspolitisch ausgerichteten Kampagnen nach der Fusion nicht mehr im Vordergrund stehen k├Ânnten. ┬źDas Sensibilisieren f├╝r Entwicklungspolitik und die Kampagnen sind im Stiftungszweck von Brot f├╝r alle festgeschrieben. Sie werden weiterhin in einem fusionierten Hilfswerk ihren Platz haben.┬╗

Auch dar├╝ber, ob das Zusammengehen Konsequenzen f├╝rs Personal hat, informierten die beiden. ┬źHier fusionieren nicht zwei Banken┬╗, sagte Pestalozzi und f├╝gte hinzu: ┬źWenn wir etwas k├╝rzen m├╝ssen, dann nicht wegen der Fusion, sondern wegen der immer knapper werdenden Finanzmittel.┬╗

R├╝ckl├Ąufige Spenden
Was die Einnahmen auf dem stark umk├Ąmpften Spendenmarkt anbelangt, waren die Sammelergebnisse in den vergangenen Jahren bei beiden Werken stark r├╝ckl├Ąufig.┬á Dies ist auch ein Grund, warum sich die beiden Organisationen zusammenschliessen wollen. Walter Schmid zeigte auf einer PowerPoint-Folie, wie sich durch das Zusammengehen die entwicklungspolitische Ebene, das bisherige Aktionsfeld von Bfa, mit der Ebene von Projekten im S├╝den verschr├Ąnkt. Passgenau k├Ânnten Kampagnenthemen mit Entwicklungsprojekten im Bereich Klima, Friedensf├Ârderung oder Nahrungssicherheit abgestimmt werden. Schmid stellte auch heraus: ┬źDas zusammengelegte Werk ist gepr├Ągt von seinem kirchlichen Profil.┬╗

Manche Teilnehmenden setzten gerade hier ein Fragezeichen, vermissten die kirchliche Botschaft bei den vor├Âsterlichen Kampagnen. Andere wiederum waren besorgt, dass Mission 21 durch die Fusion an den Rand gedr├Ąngt wird. ├ťber Jahre zieht sich hier schon der Streit, dass Brot f├╝r alle, einst als Spendensammelwerk gegr├╝ndet, den Missionswerken zu wenig Anteil vom Spendenbatzen abliefert. Jedes Jahr wird um den Verteilschl├╝ssel gefeilscht. Mit der Fusion soll diese Kooperation hinf├Ąllig werden und Mission 21 selbstst├Ąndig auf dem Spendenmarkt auftreten. Dass dies nicht leicht sein wird, dar├╝ber gibt die Motionsantwort des SEK-Rates Anfang November an der Abgeordnetenversammlung in Bern Auskunft. Der SEK sieht eine ┬źfortdauernde Marginalisierung der kirchlichen Werke auf dem freien Markt┬╗ gegeben. Immerhin hat die Z├╝rcher Landeskirche auf diese Nachteile reagiert und ihren Beitrag an Mission 21 auf fast 150'000 Franken verdoppelt.ÔÇĘ

Delf Bucher, reformiert.info, 14. November 2019

Unsere Empfehlungen

Die Teuerung trifft die Ärmsten

Die Teuerung trifft die Ärmsten

Die Teuerung der vergangenen Monate trifft insbesondere die weniger gut Verdienenden. Hilfsorganisationen wie das «Tischlein Deck dich» in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel verzeichnen eine so hohe Nachfrage, dass Grundnahrungsmittel fehlen. Nun springen eine Stiftung und eine Firma ein.
Ein Prozess mit Signalwirkung (1)

Ein Prozess mit Signalwirkung (1)

Die Anwältin Nina Burri ist Fachperson für Wirtschaft und Menschenrechte beim Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz. Sie verfolgt den Prozess, den bedrohte Fischer gegen Holcim anstreben.
Teuerung trifft die Ärmsten

Teuerung trifft die Ärmsten

Die Teuerung der vergangenen Monate trifft insbesondere die weniger gut Verdienenden. Hilfsorganisationen wie das «Tischlein Deck dich» in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel verzeichnen eine so hohe Nachfrage, dass Grundnahrungsmittel fehlen. Nun springen eine Stiftung und eine Firma ein.