Hinter alten Mauern beginnt eine erfreuliche Zukunft
Wer am Peterskirchplatz unterwegs ist, ahnt kaum, welche Geschichte sich hinter der Fassade des Pfarrhauses verbirgt. Das Gebäude, das seine heutige äussere Gestalt Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt, ist im Kern deutlich älter. Seit dem 14. Jahrhundert ist es als Haus von Amtsträgern der Peterskirche überliefert.
Geschichte im Fundament
Besonders eindrücklich präsentiert sich die westliche Zimmerflucht. Sie ruht teilweise auf der Burkard’schen Stadtmauer aus dem 11. Jahrhundert. «Wir haben es hier mit einem Haus zu tun, das in seinen Mauern mehrere Zeitschichten trägt», sagt André Wahl, Architekt bei der Bau- und Vermögensverwaltung der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt. «Das verpflichtet.» Das Pfarrhaus ist denkmalgeschützt. Die kantonale Denkmalpflege wurde deshalb von Beginn an in sämtliche Planungen einbezogen. Für Wahl ist das selbstverständlich: «Ein solches Gebäude ist nicht einfach eine Immobilie. Es ist Teil der Stadtgeschichte.»
Zwischen Brandschutz und Bausubstanz
Die anstehende Sanierung ist umfassend. Insbesondere Einbauten aus den 1930er- und 1960er-Jahren haben das Innere stark verändert: Deckenhöhen wurden angepasst, StahlkonstrukÂtionen eingezogen, Sanitärbereiche eingebaut. Vieles davon ist heute technisch ĂĽberholt. Die Warmwasserversorgung erfolgt noch ĂĽber Elektroboiler, die Elektroinstallation entspricht nicht mehr den aktuellen Vorschriften. «Die Herausforderung bei der Sanierung eines historischen Hauses ist die Vereinbarkeit von neuen AnsprĂĽchen und behördlichen Auflagen mit der historischen Bausubstanz», erklärt Wahl. Besonders die Brandschutzvorschriften seien komplex. «Wir mĂĽssen heutige Sicherheitsstandards erfĂĽllen, ohne die historische Struktur unnötig zu beÂeinträchtigen.»
Hinzu kommt der enge Raum. Das Haus liegt direkt an der ehemaligen Stadtmauer, die Platzverhältnisse sind begrenzt. «Es ist kein Neubau auf der grünen Wiese. Wenn man zur Türe hinausgeht, steht man auf öffentlichem Grund, und man muss sich mit dem Verkehr arrangieren», sagt Wahl. «Die Bauabläufe sind äusserst komplex – auch weil das Haus während der Arbeiten weiterhin bewohnt ist.»
Raum fĂĽr die Gemeinde
Mit der Baubewilligung rechnet Wahl im Sommer 2026. Die Realisierung ist von Spätsommer 2026 bis Mitte 2027 vorgesehen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 1,38 Millionen Franken. Zudem werden Förderbeiträge erwartet – insbesondere im Bereich Brandschutz. Die Sanierung verfolgt mehrere Ziele: Zum einen soll die Wohnung weiterhin als Pfarrwohnung für die Peterskirche dienen. Zum anderen entstehen zeitgemässe Räume für den Gemeindekreis St. Peter und dessen Arbeitskreis. «Mit dem Umbau wollen wir eine neue und ansprechende Arbeitsumgebung schaffen», sagt Wahl. Gleichzeitig werde die Zugänglichkeit verbessert: Das gesamte Erdgeschoss wird stufenlos umgebaut, inklusive eines neuen behindertengerechten WCs und eines Empfangszimmers. «Uns ist wichtig, dass kirchliche Dienstleistungen hier für alle Menschen zugänglich sind.»
Trotz der Investitionen soll das Gebäude nach aussen unverändert erscheinen. «Von aussen wird man dem Haus die komplexen Umbauarbeiten nicht ansehen», betont Wahl. «Fassade und Farbgebung bleiben gleich. Das Erscheinungsbild, wie es das 19. Jahrhundert geprägt hat, wird erhalten.»
Langfristig soll die Sanierung die Substanz sichern. «Die Massnahmen sind so konzipiert, dass wir in den nächsten zwanzig bis dreissig Jahren im Innern keine grundlegenden Umbauten mehr vornehmen müssen», sagt Wahl. Voraussetzung bleibe jedoch ein kontinuierlicher Unterhalt. «Ein historisches Gebäude braucht ein wachsames Auge.»
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Hinter alten Mauern beginnt eine erfreuliche Zukunft