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Taizé-Gottesdienste in Beringen

In der Stille ankommen

von Carmen Schirm-Gasser
min
28.01.2026
Taizé-Gottesdienste haben vielerorts ihren festen Platz. Wir besuchen eine dieser Feiern in Beringen – und zeigen, wie Pfarrerin Jutta Schenk Menschen in die Stille führt.

Wenn die Kirche in Beringen in warmes Kerzenlicht getaucht ist, kein elektrisches Licht brennt und sich leise Gesänge wiederholen, verändert sich etwas im Raum – und in den Menschen. Dann feiert Pfarrerin Jutta Schenk Taizé-Gottesdienst. Ein Format, das sie seit drei Jahren in Beringen begleitet und das für viele Besucherinnen und Besucher zu einem festen Ruhepunkt geworden ist.

«Taizé ist für mich der Gottesdienst, den ich selbst mitfeiern kann», sagt Jutta Schenk, Pfarrerin in Beringen. Im klassischen Sonntagsgottesdienst sei sie vielmals ganz präsent für andere: aufmerksam, denkend, beobachtend. Ist alles vorbereitet? Bin ich in der Reihenfolge, betone ich richtig? Im Taizé-Gottesdienst hingegen könne sie einfach Mensch sein. «Er ist nicht so wortlastig. Ich muss nicht hochkonzentriert sein – ich darf mit­feiern.»

Ihr erster Kontakt mit Taizé liegt mehr als zwei Jahrzehnte zurück, noch bevor sie mit einer Jugendgruppe ins burgundische Dorf reiste. Es waren die Gesänge, die sie damals wie heute faszinierten: einfach, vierstimmig, meist auf biblische Texte bezogen. Viele stammen von Jacques Ber­thier, dem ersten Komponisten der Taizé-Gemeinschaft. «Diese Lieder sind wahnsinnig gefällig», sagt Jutta Schenk. «Und es ist schön, sie zu singen.»

Wiederholung als Weg in die Meditation

Singen – und zwar viel – ist das Herzstück der Taizé-Gottesdienste in Beringen. Zu Schenks Konzept gehört, dass über zwei Jahre hinweg immer dieselben Lieder gesungen werden: zehn Gottesdienste pro Jahr, zwanzigmal genau die gleichen Gesänge. «Irgendwann können die Besucher sogar die fremdsprachigen Texte auswendig», erzählt sie. Die Wiederholung führt weg vom Denken, hinein ins Fühlen. «Die Lieder ziehen einen in die Meditation.»

Wenig Worte, viel Stille – aber nicht wortlos. Jeder Gottesdienst enthält einen Text aus den Evangelien und kurze Impulse. Keine klassische Auslegung, keine Predigtsprache, sondern fünf Minuten nachdenken: Was wollte dieser Text sagen? Wie ist das, wenn uns heute Ähnliches widerfährt – etwa bei Krankheit oder Angst? Immer wird die Schleife zur eigenen Lebenswirklichkeit gezogen.

Menschen von nah und fern

Liturgisch bleibt alles bewusst gleich: Votum, Eingangs- und Schlusswort, Fürbitte, mit der Möglichkeit, eine Kerze zu entzünden, derselbe Segen. Nichts wird ausgelassen. Der Gottesdienst dauert eine Stunde – getragen von der Musik.

Die Atmosphäre ist entscheidend. Die dunkle Kirche, ein Kerzenkreuz, ein Engel, Kerzen rundherum. Jede und jeder bekommt eine Kerze, Taschenlampen sind tabu. Selbst am Schluss bleibt das elektrische Licht aus. «Die Menschen gehen mit brennenden Kerzen Richtung Ausgang», sagt Jutta Schenk. «Sie nehmen die Ruhe, die Stille und das Licht mit hinaus – bis vor die Kirchentür.»

Die Besucherinnen und Besucher kommen oft von weit her. Manche sieht Schenk sonst nie im Gottesdienst. Menschen aus dem ganzen Kanton, gelegentlich auch aus Deutschland. Jugendliche sind beim Taizé-Gottesdienst in Beringen eher selten – die Jugendgottesdienste sind andernorts angesiedelt. Doch Schenk weiss: Wo junge Menschen entdecken, dass sie abends kommen, eine Kerze anzünden und einfach da sein dürfen, wächst auch ihr Interesse.

Eine einfache Form der Mediation

Die Rückmeldungen sind schlicht und eindeutig: «Tut einfach gut.» Es geht um Besinnung, um das Weglassen vieler Worte, um gemeinsames Beten ohne Unruhe. Kein Stühlerücken, kein Blättern, kein Rascheln. Stattdessen Gesang, Stille und ein langsames Zur-Ruhe-Kommen. «Man kann noch so zappelig ankommen – man kommt runter», sagt Jutta Schenk. «Und man sieht den Menschen an, dass sie ruhiger hinausgehen, als sie herein­gekommen sind.»

Seit vier Jahren wirkt Jutta Schenk in Beringen, Taizé-Gottesdienste feiert sie seit rund zwanzig Jahren auf ihre eige-ne Art. «Ich mache das total gerne», sagt sie. Vielleicht auch, weil es eine einfache Form der Meditation ist. «Es darf gelingen – oder auch nicht. Wenn nichts passiert, fällt kein Blitz vom Himmel.» Aber oft geschieht etwas. Still. Und nachhaltig.

 

Taizé-Feiern in der Region Schaffhausen

Schaffhausen. Nacht der Lichter / ökumenischer Taizé-Gottesdienst: Samstag, 14. Februar, 19 Uhr
Merishausen. Taizé-Feier: Sonntag, 22. Februar, 19 Uhr
Stein am Rhein. Abendgebet mit Taizé-Liedern: Freitag, 27. Februar, 19 Uhr
Hemmental. Taizé-Feier: Sonntag, 1. März, 19 Uhr
Schleitheim. Taizé-Feier: Samstag, 21. März, 18 Uhr
Beringen. Taizé-Gottesdienste: Sonntag, 22. Februar, 18 Uhr, Sonntag, 29. März, 18 Uhr, Sonntag, 26. April, 18 Uhr, Sonntag, 17. Mai, 18 Uhr

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