KI – was sollen wir tun?
«Hey ChatGPT! Wohin soll ich dieses Jahr in die Ferien fliegen?» Der Chatbot braucht nicht viel Input, um schnelle Ideen zu liefern. Strand auf Kreta, wandern im Tirol, Ski fahren in Zermatt – darf’s sonst noch was sein?
KI-Systeme machen nicht nur Reisebüros zu obsoleten Einrichtungen, sondern ersetzen auch in vielen anderen Branchen die menschlichen Mitarbeitenden. Zugleich möchte heutzutage kaum noch jemand auf ChatGPT, Gemini, Claude und Co. verzichten. Das wirft viele ethische und moralische Fragen auf, die Lösungen der Probleme scheinen kompliziert. Aber sind sie das wirklich? Der Ethik-Experte Peter G. Kirchschläger hat sich Gedanken dazu gemacht. Am 28. April ist er zu Gast im Zwinglihaus, wo er sich auf Einladung des Forums für Zeitfragen mit der Frage «KI – was sollen wir tun?» auseinandersetzen wird.
Kann künstliche Intelligenz Zwischenmenschlichkeit?
Die KI ist der bessere Mensch. Sie ist schneller, effizienter, genauer. Nur: Wo macht es Sinn, KI zu nutzen – und wo sollten wir vorsichtig sein? Besonders die zwischenmenschliche Interaktion, rät Peter G. Kirchschläger, sollte nicht den Maschinen überlassen werden, da ihnen jegliche emotionale und soziale Intelligenz fehle. «Ich kann einem Pflegeroboter beibringen zu weinen, wenn eine Patientin weint», erklärt Kirchschläger gegenüber SRF. «Ich könnte ihm auch beibringen, dieselbe Patientin zu ohrfeigen, wenn sie weint. Auch das würde er konsequent umsetzen.» Das Beispiel veranschaulicht, dass es den Maschinen nicht nur an emotionaler und sozialer Intelligenz mangelt, sondern auch an Moralfähigkeit: Die KI unterscheidet nicht zwischen ethisch Gut und Schlecht.
Keine bezahlten Jobs mehr in Zukunft?
«In Bereichen, in denen die KI-Systeme uns massiv überragen, sollten wir auf sie setzen», räumt Kirchschläger ein. «Etwa beim Rechnen oder im Umgang mit grossen Datenmengen. Das wird in Zukunft explosionsartig zunehmen, weil wir sehr gut darin sind, die Rechenfähigkeit dieser Systeme zu steigern.»
Ein Blick in die Zukunft lässt einen erstmal leer schlucken: Zwischen 50 und 70 Prozent der Lohnarbeit sollen in Zukunft durch KI ersetzt werden. Kurz: Ein Grossteil der Bevölkerung wird dieser Prognose zufolge nie in einem bezahlten Beruf arbeiten. «Aus ethischer Sicht ist das im ersten Moment keine Dystopie», sagt Kirchschläger. Die freie Zeit könne für andere ethisch positive Tätigkeiten genutzt werden. Allerdings sind unsere sozialstaatlichen Instrumente für eine solche Situation nicht gewappnet. Noch nicht. Kirchschläger hat eine Idee: das Society-Entrepreneurship-Research-Time-Modell (SERT). Demnach hätten alle Menschen ein Grundeinkommen, müssten jedoch «Society Time» leisten, sich also gesellschaftlich engagieren.
Und im Urlaub? Auch da rät Kirchschläger davon ab, sich ganz auf die KI zu verlassen: Frage man in einer unbekannten Stadt nach dem besten Kaffee, erhalte man von der KI nicht unbedingt eine wahre Antwort: «Die KI zeigt das Restaurant an, das am meisten dafür bezahlt hat, dass die KI es mir empfiehlt.»
Dienstag, 28. April, 19–21 Uhr. Zwinglihaus, Gundeldingerstrasse 370, 4053 Basel. Eintritt frei, Kollekte
KI – was sollen wir tun?