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Kirche sein, wo das Feuer brennt

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01.01.2016
Die Kirche befindet sich im Umbruch. Wie kann sie mit weniger Mitgliedern, Geld und Personal ihre gesellschaftliche Rolle stärken? Roland Plattner berät die Kirchgemeinden bei der Suche nach Lösungen.

«Kleiner, älter, ärmer»: Man ist sich einig, dass so die Zukunft der Kirche aussehen wird, wie Kirchenbundspräsident Gottfried Locher am Schwyzer Kirchentag kürzlich bestätigte. Unter diesem Eindruck steht auch die Baselbieter Kirche. Weniger Mitglieder führen zu sinkenden finanziellen Beiträgen des Kantons. Das Ergebnis ist eine Reduktion der Pfarrstellen, die mit dem Geld subventioniert werden. Wie kann die Kirche mit weniger Geld und Personal weiterhin ihre Leistungen für die Gesellschaft erbringen? Vor diesem Hintergrund bewilligte die Synode 2014 die Stabsstelle Kirchen- und Gemeindeentwicklung.

Die Stimme der Kirche stärken
Am 1. August hat Stellenleiter Roland Plattner seine Arbeit aufgenommen. «Bei der Kirchen- und Gemeindeentwicklung geht es nicht um das Hier und Heute, sondern darum, die Kirche in die Zukunft zu führen, damit ihre Stimme noch besser wahrgenommen wird», umschreibt er seine Aufgabe. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit von Kirchgemeinden.
In der auf der Website der Kantonalkirche aufgeschalteten Information «Gemeinsam stark» heisst es dazu unter anderem: «Auch Fusionen von Kirchgemeinden sollen inskünftig möglich sein.» Davon sei zurzeit nicht die Rede, betont Roland Plattner. «Fusionen sollten aus eigener Einsicht der Basis wachsen.» Vorerst gehe es vielmehr um sinnvolle Kooperationen.
Zu den weiteren Aufgaben des Kirchen- und Gemeindeentwicklers gehören die Vernetzung von Kantonalkirche und Kirchgemeinden sowie ab nächstem Jahr die Unterstützung von beiden bei der Umsetzung der Handlungsempfehlungen der Visitationskommission. In den vergangenen Wochen traf sich Roland Plattner mit Vertreterinnen und Vertretern der 35 Kirchgemeinden, um sich vorzustellen und sich ein Bild von ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten zu machen. Aufgrund dieser Bestandesaufnahme finden weitere Gespräche statt.

Unterschiedliche Bedürfnisse
Ausgangslage, Anliegen und Erwartungen der Kirchgemeinden seien unterschiedlich, so Plattners vorläufiges Fazit. Während einige der grösseren Gemeinden tendenziell mit einem stärkeren Mitgliederrückgang kämpften als kleine, falle bei den kleinen Gemeinden mit Einzelpfarrämtern eine Reduktion der Pfarrstelle stär-
ker ins Gewicht als bei grossen, welche die Arbeit schon jetzt auf mehrere Pfarrpersonen verteilen und intern zusammenarbeiten. Es hänge nicht in erster Linie von der Mitgliederzahl ab, wie viel Beratung eine Kirchgemeinde braucht, erklärt Plattner. Es gehe darum, «Stärken zu stärken» und die Perlen aus dem Angebot einer Kirchgemeinde für andere zugänglich zu machen. Er habe viele engagierte Mitarbeitende und Freiwillige mit kreativen Ideen getroffen. Plattner ortet hier grosses Potenzial: «Wo Feuer brennen, müssen wir Zug hineinbringen, dann entsteht eine Flamme, die wärmt und Energie gibt.»
Damit die Kirchgemeinden voneinander profitieren können, plant Plattner den Aufbau einer Datenbank zur Vernetzung der Angebote. Er plädiert dafür, «selbst entwickelte Erfolgsprojekte» nicht zu hüten, sondern «verschwenderisch» damit umzugehen und sie anderen zur Verfügung zu stellen. «Ich betrachte die Grenze zwischen den Kirchgemeinden als idealen Begegnungsort. Wer den Blick nach oben wendet, sieht keine Grenzen.» Neben dem Austausch von Angeboten sollen die Inhalte weiterentwickelt werden. Taufe, Konfirmation, Trauung und Abdankung hier berühre die Kirche das Leben der Menschen, sagt Plattner. Es gelte, diese traditionellen mit innovativen Begegnungen zu kombinieren. Es brauche Angebote, die auf die Lebensumstände von bestimmten Zielgruppen Rücksicht nehmen, wie Alleinstehende, Patchwork-Familien oder Pendler. «Es ist wichtig, eine gute Balance zwischen Bewahren und Verändern zu finden.»

Mit Zuversicht in die Zukunft
«Die Zukunft gestalten, bedeutet vorauszuschauen und nachhaltig am Puls der Entwicklung zu bleiben», meint Roland Plattner. In diese Zukunft blickt er sehr zuversichtlich. Auf die Frage, wo die Baselbieter Kirche in zehn Jahren steht, antwortet er: «Wir können den Prozess des Rückgangs aufhalten. Wir sprechen mutiger als heute über den Glauben und schaffen es, noch stärker Impulse in die Gesellschaft zu geben.»

Zum Bild: In den Kirchgemeinden traf Roland Plattner auf viele kreative Ideen und spannende Angebote. | stoltz

Karin Müller

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