Kirchen warnen vor «Spirale der Gewalt» im Nahen Osten
Internationale Kirchenvertreter haben nach den militärischen Angriffen der USA und Israels auf den Iran vor einer weiteren Eskalation gewarnt und zur Diplomatie aufgerufen. Papst Leo XIV. drang am Sonntag in Rom auf ein Ende der Gewalt. Stabilität und Frieden bringe man nicht mit Armeen, sagte das katholische Kirchenoberhaupt. Auch der Weltkirchenrat in Genf sowie US-Kirchen meldeten sich zu Wort.
Die USA und Israel hatten am Samstag einen grossangelegten Militärangriff aus der Luft und von der See aus auf Ziele im Iran begonnen. Iranischen Staatsmedien zufolge wurde dabei Revolutionsführer Ali Chamenei getötet. Der Iran reagierte mit Angriffen auf US-Stützpunkte in der Golf-Region und blockierte die für den Ölhandel zentrale Strasse von Hormus, eine Meerenge am Persischen Golf.
Papst appelliert an moralische Verantwortung
Der Papst appellierte eindringlich an die beteiligten Parteien, ihrer moralischen Verantwortung nachzukommen und die Spirale der Gewalt zu stoppen, «bevor sie in einen unüberwindlichen Abgrund mündet». Er forderte eine Rückkehr zur Diplomatie, damit sie zum Wohl der Völker einen Frieden schaffen könne, der auf Gerechtigkeit aufbaue.
Auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) sprach von einer «gefährlichen Spirale der Gewalt», die Millionen von Zivilisten unmittelbar in Gefahr bringe. «Militärische Konfrontation und eskalierende Vergeltungsmassnahmen können keine nachhaltige Sicherheit oder Frieden bringen», erklärte Generalsekretär Jerry Pillay. «Stattdessen vervielfachen sie das Leid und erhöhen das Risiko eines umfassenderen regionalen Flächenbrands mit unvorhersehbaren globalen Folgen.»
Famos: Diplomatischen Lösungen Priorität einräumen
Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), warnte auf Anfrage von ref.ch vor einer weiteren Destabilisierung der Region. Die iranische Bevölkerung leide bereits seit Monaten unter Repression, wirtschaftlicher Not und massiver Einschränkung grundlegender Freiheitsrechte.
Famos appellierte an alle Akteure, besonnen zu handeln und diplomatischen Lösungen Priorität einzuräumen. «Meine Gebete und Gedanken sind bei den Menschen, die unter den aktuellen Entwicklungen leiden. Ich hoffe, dass die Menschen im Iran bald frei sind und unter einer Regierung leben, die Menschenrechte, insbesondere auch die Rechte von Frauen, respektiert», sagte sie.
US-Kirchen: Bomben schaffen keine Demokratie
Auch US-Kirchen meldeten sich zu Wort. Die US-Presbyterianer, eine der grossen protestantischen Kirchen in den USA, erklärten, Bomben schafften keine Demokratie und Luftangriffe keine gerechten Gesellschaften. Dauerhafter Frieden und Freiheit erforderten kontinuierliche Diplomatie, die Unterstützung der Zivilgesellschaft, regionale Deeskalation und die Einhaltung des Völkerrechts.
Kirchen warnen vor «Spirale der Gewalt» im Nahen Osten