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Kirchtürme ohne Strahlenkranz

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27.06.2019
Kirchtürme sind bevorzugte Standorte für Mobilfunk-Antennen. Eine Kirchenbote-Umfrage zeigt, dass die meisten Kirchgemeinden dagegen sind – trotz lukrativen Angeboten der Betreiber.

In der Schweiz stehen rund 18ÔÇÖ800 Mobilfunk-Antennen an 6500 Standorten. Nach eigenen Angaben betreiben Swisscom und Sunrise rund achtzig Antennen auf Kirchen. Begehrt sind Kircht├╝rme als Standorte, weil sie meist zentral liegen und hoch sind. Im Zuge der neuen 5G-Technologie werden die Netzanbieter zus├Ątzlich etliche neue Antennen erstellen oder bestehende aufr├╝sten. Immer mehr Gemeinden und Bewohner machen aus Angst vor der Strahlenbelastung und den gesundheitlichen Risiken dagegen mobil.

Auch in den Kirchen sind die Bedenken gross, trotz lukrativer Angebote der Mobilfunkanbieter, gem├Ąss Tages-Anzeiger 7000 Franken pro Jahr. Wie eine Umfrage des Kirchenboten bei den reformierten Kantonalkirchen Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn, Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden und Schaffhausen zeigt, gibt es kaum Kircht├╝rme mit Antennen. Grossmehrheitlich sprechen sich die Kirchgemeinden, die geantwortet haben, auch k├╝nftig dagegen aus.

Keine Mehrheiten
Godi D├Ârfelt, Pr├Ąsident der Kirchgemeinde Niederamt SO, bringt es auf den Punkt: ┬źIch pers├Ânlich habe wegen 5G zwar keine Bedenken, allerdings w├╝rde ich eine Installation in unseren Kircht├╝rmen nicht bef├╝rworten. Die Diskussion dar├╝ber ist zu kontrovers und w├╝rde sicher einigen Mitgliedern sauer aufstossen.┬╗

Auch Evelyn Borer, Pr├Ąsidentin der Kirchgemeinde Dornach-Gempen-Hochwald, best├Ątigt, dass sich in ihren Kircht├╝rmen keine Antennen befinden. Selbst wenn die Gemeinde irgendwann alternative Einnahmequellen suchen m├╝sste, sei die Nutzung des Kirchturms f├╝r eine Funkantenne keine ad├Ąquate L├Âsung. Eine entsprechende Anfrage w├╝rde ihrer Ansicht nach keine Mehrheit finden.

Damit haben die beiden Pr├Ąsidenten wohl recht. In Oberburg im Emmental, in Alpnach im Kanton Obwalden und im solothurnischen Kriegstetten wehrten sich die Kirchenmitglieder dagegen, dass die Netzanbieter die Glockent├╝rme auf 5G umr├╝sten.

Unterst├╝tzung von Kantonalkirchen
Die Opposition an der Basis erh├Ąlt Unterst├╝tzung von den Kantonalkirchen. Sie raten zu grosser Zur├╝ckhaltung bei der Errichtung von Mobilfunk-Antennen, auch wenn die Gemeinden autonom sind. Schon 2003 mahnte der Z├╝rcher Kirchenrat die Beh├Ârden, ohne Einwilligung der Kirchgemeinden keine Vertr├Ąge abzuschliessen, und gab zu bedenken, dass der Nachweis der Unsch├Ądlichkeit von Funkstrahlen immer noch nicht erbracht sei.┬á

2004 doppelte die reformierte Kirche Bern-Jura-Solothurn nach, es sei auf das Empfinden der Gl├Ąubigen R├╝cksicht zu nehmen. Tats├Ąchlich stelle die Installation einer Antenne eine Zweckentfremdung dar, so die Berner Landeskirche.

Oder wie es ein Mitarbeiter der Pfarrei Kriegstetten gegen├╝ber der Solothurner Zeitung erkl├Ąrt: Mobilfunkanlagen geh├Âren nicht in einen Kirchturm. ┬źDort geh├Âren Glocken hin, mit denen wir zu Gott sprechen.┬╗

Toni Sch├╝rmann, kirchenbote-online.ch, 27. Juni 2019

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