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Laster und Missbräuche in der Reformationszeit

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01.01.2016
In der Reformationszeit mischte sich der Basler Rat stark in die Angelegenheiten der Kirche ein. Wie stark, zeigt eine Ausstellung in der Universitätsbibliothek anhand von Mandaten und Kirchenordnungen.

¬ęGute Policey¬Ľ nannte man in der Reformationszeit die Regelungen des √∂ffentlichen und sozialen Lebens. Mithilfe von Ordnungen und Mandaten reagierte die Obrigkeit auf Entwicklungen, Missst√§nde oder Krisen. Stets mit der Absicht, die ¬ęgute Ordnung¬Ľ zu bewahren, das gesellschaftliche Zusammenleben zu regulieren und Fehlverhalten jeglicher Art und insbesondere die Gottesl√§sterung zu verhindern. So wendet sich der Rat ¬ędes Gotslesterns, zutrinckens, spilens vnd anderer lastern halb¬Ľ unter Androhung drastischer Strafen immer wieder an die Bev√∂lkerung in der Stadt und auch auf dem Land.

Staatskirchlich geprägtes Basel
Ausserdem gab es Mandate zu sittlichen Normen, die zum Beispiel das Fluchen und Schw√∂ren, das Zutrinken, das Gl√ľcksspiel betreffen oder das Zelebrieren von Festen regulieren. Solche, die Sozialf√ľrsorge und das Almosenwesen thematisieren oder das Familienleben sowie die Unzucht oder den Ehebruch behandeln. Die st√§dtischen Mandate und Ordnungen sind ein direkter, zum Teil sogar der einzige greifbare Hinweis f√ľr den durch die Reformation ausgel√∂sten Wandel im Alltag.
Bekannt gemacht wurden die Mandate durch Verlesen auf einigen Pl√§tzen in der Stadt (und in den D√∂rfern), in den Zunftstuben und im Falle eines kirchlichen Bezuges auch in den Kirchen. Basel war in der Zeit der Reformation und danach staatskirchlich gepr√§gt, und so griff der Rat damals mit seiner Gesetzgebung stark in kirchliche Bereiche ein. Kirchenordnungen sind eine typisch reformatorische Erscheinung. Nach der Lossagung von der Papstkirche mitsamt ihren Vorschriften dienten die evangelischen Kirchenordnungen den Anh√§ngern des neuen Glaubens als Mittel der Konsolidierung und der Selbstvergewisserung und f√ľllten das entstandene rechtliche Vakuum, indem sie die rechtlichen Grundlagen der Kirchen neu bestimmten.
In den Best√§nden des Staatsarchivs des Kantons Basel-Stadt und der Basler Universit√§tsbibliothek sind diese wichtigen und spannenden Quellen, die dem heutigen Leser einen lebendigen Einblick in den Alltag des 16. und 17. Jahrhunderts gew√§hren, in grosser Zahl erhalten. Sie sind bis jetzt allerdings noch nicht umfassend erschlossen, und insgesamt sind sie nur wenig erforscht. Die Ausstellung √ľber die in Basel vom Rat erlassenen Mandate und die Kirchenordnungen wurde an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften konzipiert und in Zusammenarbeit mit der Universit√§tsbibliothek Basel realisiert.



Ausstellung: 14. M√§rz bis zum 23. Mai, Ausstellungsraum der √Ėffentlichen Bibliothek der Universit√§t Basel, Sch√∂nbeinstrasse 1820. Vernissage am 13. M√§rz um 18.15 Uhr.


Zum Bild: Titelseite der Basler Reformationsordnung vom 1. April 1529. | zVg

Thomas Wilhelmi

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