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«Leider ist es ein Tabuthema»

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20.02.2023
Der Wunsch von leiblichen Kindern hat sich für das Kreuzlinger Pfarrehepaar Stefan und Angela Hochstrasser nicht erfüllt. Die beiden liessen sich davon aber nicht unterkriegen. Heute sind sie stolze Eltern von zwei guatemaltekischen Adoptivmädchen und ermutigen Paare mit unerfülltem Kinderwunsch.

┬źEs war hart, Monat f├╝r Monat zu hoffen und zu bangen, und wieder und wieder entt├Ąuscht zu werden┬╗, erinnert sich Stefan Hochstrasser. Hinzu kam, dass seine Frau Angela mehrere fr├╝hzeitige Fehlgeburten erlitt. Auch ├╝ber einen positiven Schwangerschaftstest konnten sich die beiden deshalb irgendwann nicht mehr freuen. Gleichzeitig bekamen viele Paare in ihrem Umfeld Kinder. ┬źDass wir in dieser Zeit lange in Guatemala waren, um kirchliche Mitarbeitende auszubilden, half uns. Wir fanden Erf├╝llung in dieser Aufgabe und in unserer Beziehung. So schafften wir es, dass der Kinderwunsch nicht unser ganzes Leben bestimmt.┬╗

Hemmschwelle ist hoch
Ungef├Ąhr jedes zehnte Paar in der Schweiz, das sich Kinder w├╝nscht, bekommt keine. Dennoch sei die ungewollte Kinderlosigkeit ein Tabuthema, sagt Stefan Hochstrasser. Gerade im kirchlichen Umfeld gebe es zahlreiche Angebote f├╝r Familien, aber nur sehr wenige f├╝r kinderlose Paare und f├╝r Singles. ┬źIch denke da an explizite Seelsorge-Angebote f├╝r Betroffene oder an Anl├Ąsse f├╝r Kinderlose, an denen man sich untereinander austauschen kann.┬╗

Aus eigener Erfahrung und Gespr├Ąchen mit Betroffenen w├╝ssten sie aber, wie hoch die Hemmschwelle f├╝r viele Paare sei, solche Angebote anzunehmen. Angela Hochstrasser erg├Ąnzt: ┬źSchliesslich hofft man ja immer auf eine baldige Schwangerschaft und m├Âchte dem Thema Kinderlosigkeit eher aus dem Weg gehen.┬╗

Bibel thematisiert Kinderwunsch
Dass Angela und Stefan Hochstrasser heute doch eine Familie mit zwei Kindern haben, verdanken sie ebenfalls ihrer Zeit in Guatemala: Vor Ort h├Ątten sie herausgefunden, dass es ein seri├Âses Adoptionssystem gebe. ┬źSo war f├╝r uns schnell klar, dass wir uns nicht mit den verschiedenen M├Âglichkeiten der Fortpflanzungsmedizin besch├Ąftigen wollen.┬╗ Seit 2020 leben Hochstrassers mit den beiden M├Ądchen wieder in Kreuzlingen, wo sich alle gut eingelebt haben.

Um kinderlosen Paaren konkret zu helfen, haben Hochstrassers zusammen mit einem anderen Paar vor kurzem die Ostschweizer Gruppe des Vereins GLOW (┬źGlauben leben ohne Wunschkind┬╗) gegr├╝ndet. Der Verein habe sich auf die Fahne geschrieben, dem Thema ┬źunerf├╝llter Kinderwunsch┬╗ im christlichen Kontext Raum zu geben, erkl├Ąrt Angela Hochstrasser. ┬źDer christliche Glaube kann eine wichtige Ressource im Umgang mit einem unerf├╝llten Kinderwunsch sein.┬╗ Das Thema habe n├Ąmlich durchaus einen biblischen Bezug, wenn man zum Beispiel an die Geschichte von Sara denke, die sehr lange kinderlos blieb. ┬źGerade in der deutschsprachigen christlichen Literatur fehlt aber eine theologische Auseinandersetzung mit dem Thema. Wir hoffen, da etwas Abhilfe zu schaffen.┬╗

Nicht aufh├Âren zu tr├Ąumen
Die GLOW-Regionalgruppen treffen sich regelm├Ąssig. Zudem finden Wochenenden statt, an denen Referierende ├╝ber ihre Erfahrungen sprechen und sich Betroffene austauschen k├Ânnen. Und was r├Ąt Stefan Hochstrasser Paaren, deren Kinderwunsch sich nicht zu erf├╝llen scheint? ┬źNeben dem Vernetzen sollte man schlicht nicht aufh├Âren zu tr├Ąumen: Es gibt viele sch├Âne und sinnvolle Alternativen im Leben, wie unser pers├Ânliches Beispiel zeigt.┬╗

Mehr Infos zu GLOW und zu den einzelnen Regionalgruppen finden sich auf www.glow.swiss.


(Cyrill R├╝egger)

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