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Restaurierung Elisabethenkirche

Meisterwerk im spektakulären Gerüst

von Toni Schürmann
min
14.08.2023
Die Basler Elisabethenkirche gilt es die bedeutendste neugotische Kirche der Schweiz. Dass sie bröckelte, war schon länger bekannt. Seit Frühjahr 2022 wird sie deshalb umfassend restauriert.

Er ist mit 72 Metern höher als die Basler MĂŒnstertĂŒrme – die Rede ist vom Turm der Elisabethenkirche. Im Vergleich zu seinen zwei mittelalterlichen Kontrahenten sei er allerdings wesentlich sanierungsbedĂŒrftiger. «Der verwitterte Sandstein muss restauriert und zum Teil ausgetauscht werden.

Dabei ist das Material heikel, denn der verwendete elsässische Voltziensandstein ist in sich weniger beständig als der Buntsandstein, wie wir ihn am Münster kennen», erklĂ€rt Andreas Hindemann, MĂŒnsterbaumeister und Projektleiter Restaurierung Elisabethenkirche. «Es ist aber nicht so, dass wir den Elisabethenturm neu bauen mĂŒssten. Was wir flicken können, das flicken wir. Was ersetzt werden muss, das werden wir ersetzen.» Die Untersuchungen hĂ€tten ergeben, dass wichtige statische Elemente noch in gutem Zustand sind.

 

Ein grünes Basler Tram fährt dicht vor dem Eingang der Elisabethenkirche durch. Der Turm ist im Gerüst, die Strassenbahn verschwommen von der Geschwindigkeit.

Mitten in der Basler Innenstadt: Die Elisabethenkirche muss umfassend restauriert werden. | Foto: Nicole Aebi

 

SpektakulĂ€res GerĂŒst

Das bis zur Turmspitze hinaufragende GerĂŒst gelte wohl als das derzeit spektakulĂ€rste in Basel. «Speziell angefertigte Stahlbauteile zur Übernahme von WindkrĂ€ften – angebracht an der intakten Baumasse im Bereich des Uhrengeschosses – halten das frei auskragende GerĂŒst des Turmhelms», erklĂ€rt Andreas Hindemann. Diese Abspannung mĂŒsse pro Turmseite Zugspannungen von bis zu 56 Tonnen aufnehmen können und Windgeschwindigkeiten von ĂŒber 100 Stundenkilometern standhalten. Um die AngriffsflĂ€che fĂŒr WindkrĂ€fte auf GerĂŒst und Baumasse möglichst tief zu halten, wĂŒrden die GerĂŒstnetze jeweils in den Wintermonaten abgenommen. «ErfahrungsgemĂ€ss wĂŒten dann die stĂ€rksten StĂŒrme.»

Es ist aber nicht so, dass wir den Elisabethenturm neu bauen müssten. Was wir flicken können, das flicken wir.

Neugotisches Meisterwerk

Bereits im Mittelalter gab es am Standort der Elisabethenkirche sakrale VorgĂ€ngerbauten. «Zwischen 1857 und 1864 realisierte der Basler Architekt Christoph Riggenbach und nach dessen Tod Carl Wartner nach PlĂ€nen des ZĂŒrchers Caspar Ferdinand Stadler den Neubau. Die Elisabethenkirche gilt als bedeutendste neugotische Kirche der Schweiz», sagt Andreas Hindemann.

 

Andi Hindemann sitzt vor dem Spitzbogen mit dem Masswerk. Einige Teile sind heller als andere, diese sind neu.

Beschädigte oder angegriffene Stellen am Masswerk werden in Stückelarbeit durch neuen Stein ersetzt. | Foto: Toni Schürmann

 

«Eisenfresser»

Nur gerade drei Monate nach dem Entscheid des Grossen Rates zur Kreditbewilligung Anfang Dezember 2021 haben die GerĂŒstbauarbeiten und anschliessend die ersten Restaurierungsarbeiten vor Ort beginnen können. «Zuvor haben wir innerhalb der MĂŒnsterbauhĂŒtte wĂ€hrend lĂ€ngerer Zeit Recherchen und Analysen zu den bereits verbauten Sandsteinen der Elisabethenkirche vornehmen können. Und kurz vor Weihnachten traf eine erste Tranche von Steinblöcken aus dem 50 Kilometer nördlich von Strassburg gelegenen Steinbruch von Rothbach auf dem WerkstattgelĂ€nde der MĂŒnsterbauhĂŒtte ein.» Bereits im Januar sei mit der Herstellung von Kopien fĂŒr den Turmhelm begonnen worden. Die dafĂŒr verwendeten Steine hĂ€tten sich als «nahrhaft», als eigentliche «Eisenfresser» erwiesen. «In unserem Handwerk bezeichnen wir Steine als Eisenfresser, wenn die Werkzeuge wĂ€hrend der Bearbeitung schnell stumpf werden und deshalb hĂ€ufig nachgeschliffen werden mĂŒssen», erklĂ€rt Hindemann.

 

Seitliche Aufnahme der Elisabthenkirche mit dem Thaterplatz und den Pyramiden. Der Turm ist im Gerüst, vor der Kirche schläft ein Mann auf einer Bank.

Vorerst liegt das Hauptaugenmerk auf dem Turm. In weiteren Etappen werden auch das Kirchenschiff und der Chor der Offenen Kirche Elisabethen renoviert. | Foto: Nicole Aebi

 

Auch das Kirchenschiff wird renoviert

Die Arbeiten an Turmhelm und Oktogon teilen sich die Basler MĂŒnsterbauhĂŒtte sowie die Arbeitsgemeinschaft der beiden Firmen Guth Naturstein aus Riehen und Steinhauser Steinhauer aus Oberwil. Wenn alles wie geplant klappt und insbesondere auch das Wetter mitspielt, könnten die Restaurierungsarbeiten, die in weiteren Etappen auch Arbeiten am Kirchenschiff und dem Chor beinhalten, Ende 2029 abgeschlossen werden. Gerechnet wird mit Kosten von 13,2 Millionen Franken. Am MĂŒnster selbst werde die BauhĂŒtte wĂ€hrend dieser Zeit nur in reduziertem Ausmass tĂ€tig sein. «Die Basler Hauptkirche werden wir aber keinesfalls aus den Augen verlieren», versichert Andreas Hindemann. «SelbstverstĂ€ndlich werden wir die nötigen Arbeiten parallel zum Auftrag an der Elisabethenkirche ausfĂŒhren.»

 

Andi Hindemann steht mit drei Mitarbeitern und einer Mitarbeiterin auf einer Gerüstplattform hoch über der Stadt.

Das Team um Münsterbaumeister Andi Hindemann (rechts) ist ungewöhnliche Arbeitsstätten in luftiger Höhe gewohnt. | Foto: Toni Schürmann

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