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«Mich wundert, dass ich so fröhlich bin»

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01.01.2016
Mit «Dein Leben ist mehr, als was du siehst» hat Caterina Fischer ein Bilderbuch geschaffen, das ermutigt. Kinder sollten spüren, dass sie angenommen sind, meint die Pfarrerin.

Am Anfang stand der Vierzeiler «Ich bin und weiss nicht wer. Ich komm und weiss nicht woher. Ich geh und weiss nicht wohin. Mich wundert, dass ich so fröhlich bin». Am Schluss entstand das Bilderbuch «Dein Leben ist mehr, als was du siehst». Geschrieben von der Pfarrerin Caterina Fischer und illustriert von der englischen Kunststudentin Naomi Powell.
Anhand des Gedichts beschÀftigt sich das Bilderbuch unter anderem auch mit der Frage «Was passiert mit mir, wenn ich tot bin?» Doch Fischer verharrt nicht bei der dunklen und letztlich unbegreiflichen Seite des Lebens, sondern gibt in einem GesprÀch zwischen Vater und Sohn Antworten, die geprÀgt sind von Vertrauen, Hoffnung und Lebensfreude.
Schon lÀnger hatte sich Caterina Fischer mit diesem mittelalterlichen Gedicht auseinandergesetzt. Dabei stiess sie auf eine Version von Martin Luther. Der deutsche Reformator dichtete die Zeilen neu: «Ich weiss sehr wohl, woher ich komme, ich weiss sehr wohl, wohin ich gehe, mich wunderts, dass ich so traurig bin.»

Grundvertrauen in Gott
Als die Pfarrerin Luthers Gedicht las, war sie von den zwei verschiedenen AnsĂ€tzen des Vertrauens berĂŒhrt. WĂ€hrend der Arbeit am Bilderbuch spĂŒrte sie jedoch, dass sie Luthers Traurigkeit nicht teilt. Caterina Fischer wurde klar, dass frohmachende Gedanken im Zentrum stehen sollten. Sie wollte ein Grundvertrauen in Gott vermitteln. Mit Erfolg. Eltern und Katechetinnen meldeten ihr zurĂŒck, ihr Buch mache Mut, mit den Kindern ĂŒber solche Themen zu reden.
Die Idee zu diesem Bilderbuch wurde an die Pfarrerin, die sowohl in Cham ZG im Gemeindepfarramt als auch in KĂŒssnacht SZ im Jugendpfarramt tĂ€tig ist, herangetragen. Eltern berichteten Fischer, dass ihre Kinder nach dem Religionsunterricht am Familientisch ĂŒber solche Themen sprachen und ihnen als Eltern oft die richtigen Worte fehlten. «Vielen Eltern fĂ€llt das Reden ĂŒber das Sterben und den Tod schwer», meint Caterina Fischer. Deshalb wollte sie ein Buch schaffen, dass Kinder und Erwachsene gleichermassen anspricht und zum Nachdenken einlĂ€dt, selbst wenn die Thematik schmerzvoll sein kann.

Die Kinder ernst nehmen
In KĂŒssnacht am Rigi und Cham erteilt die Pfarrerin Religionsunterricht. Dort erlebt Fischer das Vertrauen, das ihr die Kinder entgegenbringen, und sie will dieses Vertrauen nicht missbrauchen. Caterina Fischer sagt ihnen nicht vor, was sie zu glauben haben, sondern zeigt auf, was Glaube bedeuten kann. Sie erzĂ€hlt den Jugendlichen ĂŒber ihren eigenen Glaubensweg und erklĂ€rt ihnen, wie die Bibel zu ihrer Richtschnur geworden ist. «Meist entstehen dann tiefe GesprĂ€che», sagt Fischer. Gerade jĂŒngst meldeten ihr SchĂŒlerinnen und SchĂŒler zurĂŒck, wie sehr sie es schĂ€tzen, dass sie nie von ihnen gefordert habe, was sie glauben mĂŒssen. Sondern sie habe ihnen gezeigt, was sie glauben dĂŒrfen. FĂŒr Caterina Fischer ist dieser offene und ehrliche Ansatz entscheidend fĂŒr das Gelingen des religiösen GesprĂ€chs.
Das fĂ€llt nicht immer leicht. Denn einige der Kinder und Jugendlichen, die in ihrem Unterricht sitzen, glauben nicht, dass es einen Gott gibt. Die Pfarrerin lĂ€sst dies gelten. Sie weiss, dass Überzeugungsdruck nichts bringt. Auch sie hat einen Glaubensweg hinter sich. Sie wuchs katholisch auf, konvertierte, wurde reformiert und studierte Theologie an der Theologischen FakultĂ€t der Waldenser in Rom. Seit Jahren arbeitet die dreifache Mutter als Religionslehrerin.

Bezug zum eigenen Leben
Viele Kinder und Jugendliche wachsen ohne biblische Geschichten auf. FĂŒr andere stehen diese ErzĂ€hlungen neben Grimms MĂ€rchen. Ohne Bezug auf das eigene Leben hĂ€tten die biblischen Zeugnisse den gleichen Wahrheitsgehalt wie diese, sagt Caterina Fischer. Deshalb zeigt sie, dass die Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament etwas ĂŒber Gott und seine Beziehung zu uns aussagen.
FĂŒr Caterina Fischer ist es in der Erziehung wichtig, dass Eltern ihre Kinder so annehmen, wie sie sind: «Heutzutage haben Eltern dermassen hohe Erwartungen an ihre Kinder.» Im TaufgesprĂ€ch vermittelt Fischer, dass Gott jedes Kind bedingungslos annimmt, unabhĂ€ngig von Leistung und Begabung und egal ob aus ihnen brave oder schwierige Kinder werden. Die Eltern berĂŒhrt diese Aussage. Caterina Fischer selbst hat dieses Angenommensein ebenso erlebt. Ihre Eltern waren von Sizilien nach Deutschland ausgewandert. Sie mussten hart arbeiten und hatten wenig Zeit fĂŒr die vier Kinder. Wenn Caterina am Mittag von der Schule nach Hause kam, stand das Essen nicht auf dem Tisch. Sie musste warten, bis ihre Eltern heimkamen. Doch das habe ihr nicht geschadet, denn sie spĂŒrte deren uneingeschrĂ€nkte Liebe und Zuneigung: «Meine Eltern waren fĂŒr uns da und liessen uns das spĂŒren.»


Buch: Dein Leben ist mehr, als was du siehst, Caterina Fischer, Naomi Powell, 24 Franken.


Zum Bild: Pfarrerin Caterina Fischer: «Vielen Eltern fÀllt das Reden bei einem Todesfall schwer.» | tz

Tilmann Zuber

Links:
www.caterina-fischer.ch

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