«Musik hat eine besondere Kraft»
Nóra Szabó hat sich an die Orgel in der reformierten Kirche Wangen gesetzt und stimmt die Melodie einer Toccata von Girolamo Frescobaldi an. Der italienische Komponist hat in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein umfangreiches Repertoire für Tasteninstrumente geschrieben.
Das Stück geht Szabó leicht von der Hand, die harmonischen Töne erfüllen das Gotteshaus. «Musik hat eine besondere Kraft, ich kann die Menschen damit berühren, das gefällt mir», erklärt die Organistin und lächelt. Einige Stunden später wird sie den Gottesdienst musikalisch umrahmen, die Toccata in voller Länge spielen und deren Wirkung Raum greifen lassen können.
Mit Musik Farbe hineinbringen
Nóra Szabó ist seit Januar 2025 Kirchenmusikerin im Kirchenkreis Untergäu. An die 40 Einsätze hat sie in ihrem ersten Jahr gehabt, Gottesdienste, Andachten, Beerdigungen mit ihrer Musik begleitet und Konzerte gegeben. «Ich kann mit Musik sehr viele Farben hineinbringen. Sie hat eine unglaubliche Kraft und vermag Menschen zu verbinden», schwärmt die 25-Jährige.
Szabó hat sich auf Alte Musik spezialisiert, wie sie in der Zeit des Barock, der Renaissance und im frühen Mittelalter gespielt wurde. Ihre Hauptinstrumente sind Cembalo und Organetto, eine Orgel im Handformat, die ähnlich wie ein Akkordeon zu bedienen ist. Ebenso häufig spielt die Musikerin aber auch klassische Orgel und Klavier.
Enorme Vielfalt
Aus Ungarn stammend, hat Nóra Szabó in ihrer Heimat eine Bachelor-Ausbildung mit dem Cembalo absolviert und 2025 an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel den Master auf mittelalterlichen Tasteninstrumenten abgeschlossen. Zur Alten Musik gefunden hat die junge Frau bereits als Jugendliche. Durch den Klavierunterricht sei sie mit den Werken von Johann Sebastian Bach und Jean-Philippe Rameau in Berührung gekommen und habe sich anschliessend ins Cembalo verliebt. Und weil das Cembalo vor allem in der klassischen Musik Verwendung findet, «haben Ausrichtung und Repertoire wie auf der Hand gelegen», erklärt Nóra.
Im Gespräch mit ihr wird spürbar, dass Nóra die Liebe zur Alten Musik liebend gerne teilen würde. «Es wäre grossartig, wenn mehr Leute die Wirkung dieser wunderbaren Musik spüren könnten.» Deshalb hat sich die Musikerin zum Ziel gesetzt, mittelfristig die Zahl ihrer Auftritte zu erhöhen.
Und wie hält es die Interpretin von klassischer Musik mit modernen Stilrichtungen? Ihre Antwort fällt diplomatisch aus. «Rap, Hip-Hop und so weiter finde ich alle in Ordnung, obwohl ich diese Genres fast nie höre. Persönlich sind mir Worship-Musik und Jazz näher.» Ihr Herz aber schlägt vor allem für die Alte Musik. «Sie hat eine enorme Vielfalt und macht mir, wenn ich sie spielen darf, grosse Freude.» Diese lebt sie nicht nur im Reformierten Kirchenkreis Untergäu aus. Nóra Szabó spielt auch Orgel in der katholischen Kirche Egerkingen und wirkt in verschiedenen Ensembles in Basel mit.
Nächster Auftritt mit Nóra Szabó: 28. Februar, 17.30 Uhr, «Der Feigenbaum», fröhliches Konzert des Ensembles La Figuièra mit Liedern und Tänzen aus dem Mittelalter, reformierte Kirche Wangen.
«Musik hat eine besondere Kraft»