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Muslimische Gemeinschaften wollen Impfkampagne unterstützen

von Nadja Ehrbar, reformiert.info
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09.09.2021
Um die Impfquote zu erhöhen, hat die Zürcher Regierung die Religionsgemeinschaften um Mithilfe gebeten. Nun wollen islamische Organisationen Impfbusse vor den Moscheen aufstellen.

Auf den Z├╝rcher Intensivpflegestationen liegen momentan viele Migrantinnen und Migranten, die sich w├Ąhrend der Sommerferien in ihren Heimatl├Ąndern mit Covid-19 angesteckt haben. Ein grosser Teil von ihnen ist nicht geimpft. Deshalb hat die Z├╝rcher Regierung erneut eine Impfoffensive gestartet und auch die Religionsgemeinschaften um Mithilfe gebeten.

Die Vereinigung der Islamischen Organisationen Z├╝rich (VIOZ) sieht es als ihre Pflicht, die Regierung in ihren Bem├╝hungen zu unterst├╝tzen, wie deren Pr├Ąsident Abduselam Halilovic auf Anfrage sagt. ┬źDer Schutz des Lebens ist ein hohes Gut, sowohl im Islam wie auch in anderen religi├Âsen Traditionen.┬╗

Zur Impfung aufgerufen
So hat der Dachverband der Albanisch-islamischen Gemeinschaften der Schweiz (DAIGS) bereits Ende August einen Aufruf zur Impfung und zur Einhaltung der Schutzmassnahmen herausgegeben. Unter den Muslimen in der Schweiz macht die albanischst├Ąmmige Bev├Âlkerung den gr├Âssten Teil aus.

In der Verlautbarung des DAIGS heisst es etwa, dass die Impfung aus islamisch-religi├Âser Sicht unumstritten sei. Und dass die Imame ┬źin ihren Vortr├Ągen die Bedeutung des Schutzes der individuellen und der ├Âffentlichen Gesundheit aus religi├Âser Sicht ansprechen sollten.┬╗ Das h├Ątten die Imame w├Ąhrend der Freitagspredigt vor allem in den albanischsprachigen Moscheen auch getan.

Die Islamischen Organisationen wollen nun zus├Ątzliches Informationsmaterial bereitstellen und Impfbusse vor den Moscheen aufstellen. Konkrete Details sind aber noch nicht bekannt. ┬źWir haben mit der Planung eben erst begonnen┬╗, sagt Halilovic.

Unmut nach Festivalabsage
Einen Impfbus h├Ątten auch die Organisatoren des Alba-Festivals bereitgestellt. Das albanische Kulturfestival auf dem Z├╝rcher Hardturm-Areal fand am vergangenen Wochenende jedoch nicht statt, weil die Z├╝rcher Regierung kurzfristig die Bewilligung mit der Begr├╝ndung entzog, ┬źdass sich Ferienr├╝ckkehrer aus dem Balkan ├╝berdurchschnittlich oft mit Covid-19 infizieren┬╗ und die Impfquote in dieser Bev├Âlkerungsgruppe tief sei.

Das sorgte nicht nur f├╝r Unmut in der albanischen Community, sondern auch f├╝r Protest im Kantonsrat. Die Organisatoren selbst f├╝hlen sich diskriminiert. Denn der Drei-G-Anlass war laut Sprecher Michel Pernet mit h├Âchsten Sicherheitsstandards geplant. Werde dieser Standard eingehalten, ┬źdarf die Herkunft der Besucher keine Rolle spielen┬╗. Das Festival pr├╝ft nun juristische Schritte gegen den Entscheid.

Community f├╝hlt sich diskriminiert
Viele Mitglieder der albanischen Community f├╝hlten sich ungerecht behandelt und diskriminiert, sagt auch VIOZ-Pr├Ąsident Halilovic. Hinter dem Entscheid des Regierungsrates st├╝nde der Gedanke einer Vermeidung der ├ťberlastung der Spit├Ąler. ┬źVor diesem Hintergrund sind sowohl die Gef├╝hle der Betroffenen der albanischen Community wie auch die Begr├╝ndung des Regierungsrates nachvollziehbar.┬╗ Der Fall des Festivals zeige, dass die Pandemie von allen sehr viel abverlange. ┬źEs ist jetzt ├Ąusserst wichtig, dass wir im Dialog bleiben.┬╗

Nadja Ehrbar, reformiert.info

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