News aus Basel-Stadt, Baselland, Solothurn, Zentralschweiz, Schaffhausen

Overthinking

min
01.07.2022
Wer kennt es nicht - das Gedankenkarusell am Abend vor dem Einschlafen. Andri Zubler beschreibt das Phänomen «Overthinking» aus seiner Sicht.

Von Andri Zubler

Manchmal kann man seinen Kopf nicht ausschalten. Sei es, dass irgendein Problem einen wach h├Ąlt, oder ein bestimmtes Thema einen nicht mehr losl├Ąsst. Man denkt nach ├╝ber alle die Dinge, die einem das Leben erschweren oder erleichtern. Man denkt ├╝ber Menschen nach und ├╝ber deren Worte. ├ťber Worte, die wir gesagt haben und wie sie sich auf unseren Tag ausgewirkt haben. Welche Gef├╝hle wir hatten und wie sie unser Handeln gesteuert haben. All das passiert in unserem Kopf. Bei den einen weniger, bei den anderen mehr. Das kann durchaus belastend sein, aber auch befreiend. Ich habe was von einem sogenannten ┬źOverthinker┬╗. Ein ┬źOverthinker┬╗ hat das Problem von st├Ąndigen nicht steuerbaren Gedanken, die sich um bevorstehende Ereignisse und Entscheidungen drehen und so den Alltag stark beeintr├Ąchtigen. Ganz so schlimm ist es bei mir nicht, keine Sorge. Aber doch k├Ąmpfe ich ein wenig mit meinen Gedanken, was durchaus belastend sein kann.

Wo andere 24/7 mit Entscheidungen zu k├Ąmpfen haben, ist es bei mir so, dass ich meinen Tag am Abend Revue passieren lasse und sowohl auf das Gute wie auch auf das Schlechte zur├╝ckblicke. Gleichzeitig gibt es aber auch Situationen, die ich im Alltag erlebe und ├╝ber die ich viel nachdenke. Gerade dann, wenn etwas passiert ist, das mich unglaublich gl├╝cklich, ver├Ąrgert oder erschrocken hat, denke ich lange ├╝ber die Situation nach und ├╝berlege, was wohl passiert w├Ąre, wenn etwas anders gewesen w├Ąre. Gerade dann, wenn ich im Bett liege und schlafen m├Âchte, kann mich das mehrere Stunden wachhalten. Aber auch wenn mich eine Person fasziniert oder ich diese verabscheue, passiert mir das Gleiche. Nervig? Manchmal sicher. Aber vielleicht auch manchmal sch├Ân? Auf jeden Fall. Oft denke ich auch an wundersch├Âne Dinge, die mir geblieben sind und wo mich der ┬źOverthinker-Modus┬╗ nicht st├Ârt.

Die Kernfrage ist nun, ob etwas zu oft ├╝berdenken schlecht oder gut ist. Wenn ich jetzt, ausnahmsweise, ohne nachzudenken antworten m├╝sste, w├╝rde ich sagen weder noch. Ich glaube der Punkt ist nicht, wie oft man ├╝ber etwas nachdenkt, sondern wie man damit umgeht. Die ├ťberlegungen d├╝rfen nicht zu einer Belastung werden. Denn etwas immer und immer wieder zu ├╝berdenken, bietet einem auch die M├Âglichkeit, Dinge aus anderen Perspektiven zu sehen. Ich gebe zu, mir gelingt das kontrollierte ┬źOverthinking┬╗ noch nicht. Aber vielleicht ist dies auch einfach etwas was zum Leben dazu geh├Ârt. Doch keine Sorge - manchmal denke ich auch gar nicht. Dies dr├╝ckt sich dann auch wieder in gewissen Situationen aus. Von daher kann man getrost sagen, dass das ┬źOverthinking┬╗ noch nicht ┬źOverhand┬╗ genommen hat.