Pilotprojekt: Gegen Einsamkeit im Alter
Einsamkeit kann die Gesundheit gefährden: Sie ist so schädlich wie das Rauchen von täglich 15 Zigaretten. Ein Drittel der Menschen in der Schweiz, die älter sind als 65, geben an, sich einsam zu fühlen. Vor allem im hohen Alter nimmt die soziale Vernetzung stark ab, weil mehr Menschen zu Hause gepflegt werden. Die Kehrseite: Ältere Menschen ohne betreuende Angehörige leiden verstärkt unter sozialer Isolation.
Pilotprojekt
Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, präventiv zu wirken und die Altersarbeit der Gemeinden zu stärken. Ende November präsentierte Kirchenrätin Monika Widmer an der Synode das Pilotprojekt «Kirchliche Altersarbeit gegen Alterseinsamkeit» und wies darauf hin, dass nur ein Bruchteil der älteren Mitglieder der Basler reformierten Kirche aktiv am kirchlichen Leben teilnimmt – auch deshalb, weil sie es nicht mehr können.
«Beim Pilotprojekt werden mit UnterstĂĽtzung der Stiftung Valivida die Gemeinden Basel West und Église française versuchen, gezielt MitgÂlieder ab 60 Jahren zu erreichen», sagte ÂWidmer. Im Gemeinschaftshaus Moosrain in Riehen sollen auch unter 60-Jährige angesprochen werden. «Freiwillige Coaches werden analog zum Besuchsdienst die Menschen zu Veranstaltungen begleiten – eines der ältesten diakonischen Angebote der Kirche.» Die Synodalen votierten einstimmig fĂĽr das Pilotprojekt und sprachen dafĂĽr 84'000 Franken fĂĽr die nächsten drei Jahre.
Stiftung Valivida
«Bereits vor der Gründung von Valivida hat eine der beiden Mutterstiftungen von Valivida, Eben-Ezer, Ideen zu einem intensivierten Besuchsdienst entwickelt», erklärt Valentin Ismail, Geschäftsführer der Stiftung Valivida.
Bei der Arbeit mit Menschen, die von Einsamkeit betroffen sind, zeige sich die Schwierigkeit, diese Personen überhaupt zu erreichen. «Einerseits, weil sie sozial isoliert sind, gerade ältere Menschen, und andererseits, weil Einsamkeit oft schambehaftet ist», sagt Ismail. Die Kirchgemeinden hätten einen guten Zugang zu den Mitgliedern, die zur Zielgruppe gehören. Das biete die Chance, die Betroffenen zu erreichen.
«In einem ersten Schritt wird mit den Gemeinden die Datenbank analysiert, um zu ermitteln, welche Personen – nach Alter kategorisiert – angeschrieben werden. Im Anschluss an den Postversand erfolgt die Bedürfnisanalyse», erklärt Valentin Ismail. «Selbstverständlich wird der Datenschutz eingehalten.» In der Startphase werde die Stiftung Valivida dabei helfen, einen ausgeweiteten Besuchsdienst für ältere Menschen ins Rollen zu bringen. Begleitend werde die Stiftung das Know-how und personelle Ressourcen zur Verfügung stellen, um Weiterentwicklungen zu ermöglichen.
Die Stiftung Valivida hat durch die frühere Zusammenarbeit mit dem Verein «Gärngschee – Basel hilft» Zugang zu einem Freiwilligenpool. «Über diesen Verein konnten wir bereits erste Erfahrungen mit einem Besuchsdienst im ausserkirchlichen Bereich sammeln», sagt Valentin Ismail. Zudem sei Valivida mit «Fundus Basel», einem Verein in der aufsuchenden Altersarbeit, vernetzt und könne so den Kirchgemeinden bei Bedarf helfen, Synergien mit anderen, in ähnlichen Bereichen tätigen Institutionen zu nutzen. Derzeit bereite die Stiftung ein Projekt mit Caritas, Kulturlegi und dem Verein «Gärngschee – Basel hilft» vor. «Ziel ist es, mit Hilfe von sozialer Teilhabe, Kulturveranstaltungen und Wandergruppen präventiv Einsamkeit entgegenzuwirken», sagt Valentin Ismail.
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Pilotprojekt: Gegen Einsamkeit im Alter