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Totalrevision der Besoldung

Quantensprung bei den Löhnen

von Carmen Schirm
min
21.03.2024
Wie alle Kantonalkirchen hat auch die Evangelisch-reformierte Kirche Schaffhausen Mühe, neue Mitarbeitende zu finden. Das hat auch damit zu tun, dass 1996 letztmals eine generelle Lohnanpassung vorgenommen wurde. Nun hat sich eine ausserordentliche Synode mit dem Thema befasst.

An diesem sonnigen Mittwochnachmittag drehte sich f√ľr einmal alles um das Thema Besoldung. Dazu trafen sich die Synodalen der Evangelisch-reformierten Kirche in Ramsen, dem √∂stlichsten Teil von Schaffhausen, wo die deutschen Nachbarn sonntags √ľber die Grenze kommen, um zu tanken oder in der Migros einzukaufen. Seit nunmehr 27 Jahren ist das Besoldungsdekret der reformierten Kirche in Kraft. Es war also an der Zeit f√ľr eine Totalrevision. ¬†

Warum sollte ein Pfarrer zu uns kommen, wenn er in Zürich 20’000 Franken mehr verdient?

¬ęWir ben√∂tigen attraktive Grundbedingungen, damit Menschen zu uns in den Kanton kommen¬Ľ, pl√§dierte Kirchenratspr√§sident Wolfram K√∂tter f√ľr die Vorlage, an der eine Arbeitsgruppe seit 2021 gearbeitet hatte. Die Vernehmlassung dazu fand vergangenen Herbst statt. ¬ęWarum sollte ein Pfarrer zu uns kommen, wenn er in Z√ľrich 20‚Äô000 Franken mehr verdient?¬Ľ An die L√∂hne in Z√ľrich komme man mit der Vorlage zwar nicht heran, doch zumindest in deren N√§he.

Deutliche Lohnerhöhung

Heute liegen die Löhne der kirchlichen Mitarbeitenden im Kanton Schaffhausen im kantonalen Vergleich in der Mitte des unteren Drittels. Neu sollen sie am Ende des vorderen Drittels sein und damit vergleichbar mit den Kantonen Thurgau, Aargau oder Solothurn. Die Bandbreite soll zwischen einem Minimallohn von 48'595 Franken (bei einem 100-Prozent-Pensum) und einem Maximallohn von 159’546 Franken liegen.

Eine Pfarrperson etwa w√ľrde mit der neuen Besoldung eine signifikante Lohnerh√∂hung von 13 Prozent erhalten. Je nach Dienstjahren w√ľrde er oder sie dann zwischen 112'000 und 152'000 Franken j√§hrlich verdienen. Zudem soll die j√§hrliche, leistungsunabh√§ngige, automatisierte Stufenerh√∂hung des Lohns beibehalten werden. Durch die Revision sollen Mehrkosten von rund 330'000 Franken pro Jahr entstehen. Szenarien zeigen aber auch eine grosse Schwankungsbreite der zu erwartenden Kosten.

Mehrkosten können finanziert werden  

Einige Nachfragen seitens der Synodalen gab es betreffend Finanzierung. Klar zum Ausdruck kam, dass eine Erh√∂hung der Zentralsteuer unerw√ľnscht w√§re. Kirchenrat Daniel Kohler, Referent Finanzen, gab in dieser Frage Entwarnung. Es werde zumindest in der laufenden Amtsperiode keine Erh√∂hung der Zentralsteuern n√∂tig werden. Zudem sei die Synode das Organ, das den Zentralsteuerfuss festlege, nicht der Kirchenrat. Die Mehrkosten k√∂nnten vom j√§hrlichen Gewinn und durch Sparmassnahmen finanziert werden.

Die Kirche in Schaffhausen steht auf gesunden Beinen. Wir wollen etwas zurückgeben.

¬ęDie Kirche in Schaffhausen steht auf gesunden Beinen. Wir wollen etwas zur√ľckgeben.¬Ľ Seit 2018 wurde im Durchschnitt ein Jahresgewinn von 350‚Äô000 Franken erzielt. Diesen wird es mit der Einf√ľhrung des vorgeschlagenen Besoldungsdekrets k√ľnftig nicht mehr geben. Ebenso wird das Eigenkapital nicht weiter ausgebaut werden k√∂nnen.

Personalbeurteilung und Lebenserfahrung

Zu reden gab auch das Thema Personalbeurteilung. Ein Synodaler beantragte, dass die j√§hrliche H√∂herstufung von Mitarbeitenden abh√§ngig von einer Beurteilung sein sollte. Eine leistungsunabh√§ngige Lohnsteigerung sei nicht mehr zeitgem√§ss. ¬ęDaf√ľr m√ľsste ein riesiger Kontrollapparat aufgebaut werden¬Ľ, entgegnete Gabriele Sch√§fer, Kirchenratsschreiberin. Zudem stehe es einer der Reformation verpflichteten Kirche nicht gut an, Leistung in den Vordergrund zu stellen.

Einer der Reformation verpflichteten Kirche steht es nicht gut an, Leistung in den Vordergrund zu stellen.

Kirchenratspräsident Wolfram Kötter ergänzte, dass es seit einem Jahr erstmals Standortgespräche mit Pfarrpersonen gebe. Diese seien jedoch nicht als Klassifizierung von Menschen angedacht, sondern um die Befindlichkeit in der Pfarrgemeinde nachzufragen und um Konfliktpotential zu entschärfen. Der Antrag wurde abgelehnt.  

Angenommen wurde hingegen ein Antrag, der forderte, die Berufs- und Lebenserfahrung bei der Lohneinstufung anzurechnen. Zudem wurde ein Antrag f√ľr die Besserstellung von Sozialdiakoninnen und Sozialdiakonen angenommen.¬†

Die Schlussabstimmung und die zweite Lesung zum Besoldungsdekret werden an der kommenden Synode am 19. Juni folgen.  

 

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