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Pilotprojekt in der Zuger Gemeinde

Reformierte Kirche Ägeri gibt Periodenprodukte gratis ab

von pd/nin
min
27.03.2026
Die reformierte Kirche in Ägeri lanciert ein Pilotprojekt: In den Toiletten hängen Spender mit Menstruationsprodukten – kostenlos und für alle zugänglich. Initiiert hat das Projekt Pfarrerin Katrin Frey. Sie will damit ein Zeichen gegen Tabus und Periodenarmut setzen.

In zwei Damentoiletten und der rollstuhlgängigen Toilette der reformierten Kirche in Ägeri hängen neu Spender mit Periodenprodukten. Die Artikel sind gratis erhältlich – finanziert über bestehende Sachmittel, gleichgestellt mit Toilettenpapier oder Seife. Die Kirchgemeinde fungiert damit als Pilotbezirk der Reformierten Kirche Kanton Zug.

Hinter dem Projekt steht Pfarrerin Katrin Frey. Die Idee dazu entstand während ihrer sieben Jahre in London, wo Periodenprodukte in vielen Pubs und an Arbeitsplätzen selbstverständlich zur Verfügung stehen. Den Anstoss zur kirchlichen Umsetzung gab ein ähnliches Projekt, das sie in Berlin sah.

Mehr als praktische Hilfe

Für Frey ist die Initiative ein feministisches Anliegen: «Es geht um Sichtbarkeit und Würde.» Menstruation sei ein natürlicher Vorgang, werde aber oft tabuisiert oder belächelt. Wer blute, müsse dennoch funktionieren – in Schule, Beruf und Alltag, manchmal unter Schmerzen.

 

Pfarrerin Katrin Frey: «Es ist Aufgabe der Kirche, Ungerechtigkeiten sichtbar zu machen und dort zu unterstützen, wo es möglich ist.» | Foto: zvg

Pfarrerin Katrin Frey: «Es ist Aufgabe der Kirche, Ungerechtigkeiten sichtbar zu machen und dort zu unterstützen, wo es möglich ist.» | Foto: zvg

 

Den Begriff «Periodenarmut» lernte sie erstmals in London im Kontext von Obdachlosigkeit kennen. Auch wenn das Problem in der Schweiz weniger sichtbar sei, gebe es Armut – auch im wohlhabenden Kanton Zug. «Es kann jede Person treffen, dass die Periode überraschend einsetzt und kein Produkt zur Hand ist», sagt Frey. Städte wie Zürich stellen in öffentlichen Einrichtungen bereits kostenlose Produkte bereit.

Weitere Kirchen könnten folgen

Derzeit läuft die Testphase. Bewährt sich die Offerte, können weitere Kirchgemeinden der Reformierten Kirche Kanton Zug nachziehen. «Es ist Aufgabe der Kirche, Ungerechtigkeiten sichtbar zu machen und dort zu unterstützen, wo es möglich ist», sagt Frey, die seit September 2025 als Pfarrerin für die erste Lebenshälfte in Ägeri amtet und zudem im Vorstand für feministische Theologie tätig ist.

Reformierte Kirche Ägeri gibt Periodenprodukte gratis ab

Die reformierte Kirche in Ägeri lanciert ein Pilotprojekt: In den Toiletten hängen Spender mit Menstruationsprodukten – kostenlos und für alle zugänglich. Initiiert hat das Projekt Pfarrerin Katrin Frey. Sie will damit ein Zeichen gegen Tabus und Periodenarmut setzen.

 

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