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«Schub für Reformationsjubiläum durch Nicht-Theologen»

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01.01.2016
Regisseurin Barbara Weber und Kulturunternehmer Martin Heller unterstützen das Zürcher Reformationsjubiläum. ref.ch hat bei Weber nachgefragt, wieso sie diese Herausforderung angeht, wie sie es mit Zwingli hat und wie eine Nicht-Theologin ein theologisches Jubiläum organisieren kann.

Frau Weber, wie kam es dazu, dass Sie und Herr Heller das Zürcher Reformationsjubiläum kuratieren werden?
Martin Heller und ich sind nicht die Kuratoren, sondern stehen dem Verein «500 Jahre Zürcher Reformation» beratend zur Seite. Wir wurden beide unabhängig angefragt. Und finden eine gemeinsame Zusammenarbeit reizvoll, gerade auch, weil wir auf unterschiedliche Erfahren im kulturellen Bereich zurückgreifen können. Ich zum Beispiel habe fünf Jahre das Theater Neumarkt in Zürich als Co-Direktorin geleitet, Martin Heller war verantworlich für die Expo 02. Die Organisatoren des Jubiläums müssen das gestellte Gesuch an den Lotterie-Fonds überarbeiten. Und dabei werden wir ihnen helfen.

Es geht in diesem Festival um ein theologisches Thema. Inwieweit können Nicht-Theologen ein solches Jubiläum auf die Beine stellen?
So wie Kuratoren keine theologischen Debatten führen oder eine Predigt schreiben können, ist es Theologen und Pfarrern nicht per se in die Wiege gelegt, sich mit Projekt- und Jubiläummechanismen auseinanderzusetzen. Dazu braucht es Know-How, das man sich erarbeiten muss. Wir stellen aber nicht das Jubiläum selber auf die Beine, wir beraten lediglich den Verein, wir arbeiten eng mit ihm zusammen, bilden Synergien. Wie sind Ideengeber, Katalysatoren, Inspiratoren, wir betrachten vielleicht Dinge etwas anders. Wir sind im engen Austausch und können auf ein breites Netzwerk in die Stadt und in den Kanton Zürich zurückgreifen, das sich hoffentlich bestens verbinden und ergänzen lässt.

Was braucht eine gute Arbeit? In diesem Falle für ein gelingendes Zürcher Reformationsjubiläum?
Es braucht, worin Herr Hellers und meine Aufgabe auch besteht, eine fundierte, konspirative Schnittstelle zwischen Kirche und Künstlern, die Projekte eingegeben haben. Die Adressaten des Jubiläums stehen dabei aber auch im Fokus. Wir wollen nicht das bereits Bekannte zementieren. Sondern einen neuen Blick auf Zwingli und die Reformation ermöglichen. Durch den partizipativen Charakter des Jubiläums soll ein möglichst breites und auch säkularisiertes Publikum erreicht werden

Wieso tut sich die Kirche so schwer, ein breites Publikum zu erreichen? Wenn dem nicht so wäre, würde es Sie vielleicht nicht brauchen
Nun, ich glaube, es bräuchte uns sowieso, da es viel zu tun gibt, es ist eine grosse Sache, die vieles abdecken soll. Wir können helfen, neue Verbindungen, neue Konstellationen zu schaffen, etwa mit anderen Institutionen in der Stadt, Vielleicht hat die Kirche etwas Hemmungen, sich zu präsentieren. Aus Angst missionarisch zu wirken, sich der Gesellschaft aufzudrängen. Deshalb braucht es uns als Ergänzungsdenker umso mehr.

Wie haben Sie es denn persönlich mit dem Herrn Zwingli? Und sonst mit der Reformation?
Ich bin aus dem Toggenburg, aus einer alt-protestantischen Familie, wurde konfirmiert. Die Frage sollte sich dabei erübrigen. Zwingli schwang in meiner Kindheit immer irgendwie mit.

Wie meinen Sie das?
Ich bin keine Theologin, aber ich bin protestantisch aufgewachsen. Zwingli und die Reformationsgeschichte und ihre Errungenschaften gehören aber vor allem auch nach Zürich, wo ich schon länger lebe, sie sind gesellschaftlicher, kultureller Aspekt dieser Stadt und somit auch von meinem Leben. Aber nein, ich bin nicht etwa im «Zwingli-Verein».

Haben Sie deshalb diese Aufgabe angenommen?
Es ist eine wirkliche Herausforderung für Martin Heller und mich. Ganz klar. Es ist ein Thema, das in meinem Leben irgendwo präsent ist. Es ist keine leichte Aufgabe, aber eine für mich sinnvolle. Glaube muss nicht in der Kirche stattfinden. Was mit einem solchen Jubiläum schön zum Ausdruck gebracht werden kann: Man erreicht auch Menschen, die mit der Kirche nichts am Hut haben, einem anderen Glauben angehören. Durch Kunst, durch Wissen, durch Spiritualität. Ohne klischeehaft, missionarisch, ideologisch zu sein. Und es soll nicht um Zwingli als Heldenfigur gehen. Der Verein möchte keinen falschen Heroismus. Es geht um die Vergegenwärtigung der Grundzüge reformierten Denkens.


Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».


Zum Bild: Barbara Weber: «Es soll nicht um Zwingli als Heldefigur gehen.»
Foto: Ayse Yavas

Francesca Trento / ref.ch / 14. Dezember 2015

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