Vatikan geht auf Piusbruderschaft zu
Der Vatikan hat im Konflikt mit der Piusbruderschaft einen Vorschlag zum weiteren Dialog unterbreitet. Der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Victor Fernández, habe bei einem Treffen mit dem Oberen der Bruderschaft, Davide Pagliarani, einen «spezifisch theologischen Dialog mit einer genau festgelegten Methodik» vorgeschlagen, teilte das Dikasterium nach dem Treffen am Donnerstag mit.
Die Möglichkeit, diesen Dialog zu führen, setze allerdings voraus, «dass die Bruderschaft die angekündigten Bischofsweihen aussetzt», heisst es in der Mitteilung weiter. «Der Heilige Stuhl hat bekräftigt, dass die Weihe von Bischöfen ohne Mandat des Heiligen Vaters, der die höchste ordentliche Gewalt innehat, einen entscheidenden Bruch der kirchlichen Gemeinschaft (Schisma) mit schwerwiegenden Folgen für die Bruderschaft als Ganzes bedeuten würde», stellt Fernández in seinem Schreiben klar.
Piusbruderschaft wollte mit Papst Leo persönlich sprechen
Dem Treffen am Donnerstag in Rom zwischen Pagliarini und Fernández war die Ankündigung der Bruderschaft vorausgegangen, am 1. Juli neue Bischöfe für ihre Gemeinschaft weihen zu wollen. Auch stellten die Piusbrüder nun die Forderung auf, in einer Audienz von Papst Leo XIV. persönlich empfangen zu werden. Das Treffen mit Fernández wird von Beobachtern bereits als Entgegenkommen des Vatikans interpretiert.
Der Generalobere Pagliarini werde den Vorschlag des Vatikan nun seinem Rat vorlegen und dem Dikasterium für die Glaubenslehre die Antwort übermitteln, heisst es in der Mitteilung des Glaubensdikasteriums. Die Piusbruderschaft, die als Reaktion auf die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils gegründet wurde und diese ablehnt, steht seit Jahrzehnten im Konflikt mit dem Vatikan.
Die Piusbruderschaft
Die erzkonservative Priesterbruderschaft Pius X. wurde als Reaktion auf die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–65) gegründet. Das Konzil hatte die katholische Kirche liberalisiert, aber die Piusbrüder wollten das nicht mittragen.
Insbesondere die Anerkennung der Religionsfreiheit und die Öffnung der Kirche für Dialog mit anderen Kirchen und Religionen lehnen sie ab.
1975 verlor die Piusbrüderschaft die kirchenrechtliche Anerkennung, 1988 wurden vier Piusbrüder exkommuniziert, nachdem sie ohne Zustimmung des Vatikans zu Bischöfen geweiht worden waren. 2012 brach der Vatikan die offiziellen Kontakte zu den Piusbrüdern ab, nahm sie aber 2014 wieder auf. Schon 2009 hatte Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation der Piusbrüder-Bischöfe aufgehoben.
Zuletzt geriet die Piusbrüderschaft 2013 in die Schlagzeilen, nachdem ihr ehemaliger Bischof Richard Williamson in Deutschland zum wiederholten Mal wegen Volksverhetzung verurteilt worden war. Er hatte den Holocaust geleugnet. Williamson war einer der vier exkommunizierten Bischöfe gewesen.
Vatikan geht auf Piusbruderschaft zu