Von Federer bis Franziskus: Was wir von Prominenten über das Leben lernen können
Was macht Menschen erfolgreich und resilient? Die Journalistin Ulrike Gastmann hat in ihrem Buch «Lessons für Life, 99 Menschen, die dein Leben besser machen» die Biografien von 99 Prominenten analysiert und daraus Lektionen fürs Leben destilliert. Der pensionierte Basler Industriepfarrer Martin Dürr bezeichnet das Werk als das beste Buch des Jahres 2025. Der «Kirchenbote» hat die beiden zum Neujahrsgespräch getroffen und in einem spontanen Spiel zu ausgewählten Prominenten befragt: Was können wir von ihnen lernen?
Von Jesus: «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst»
Dürr: Kein Mensch war so offen und liebend wie Jesus. Bis heute lehrt er uns, dass es sich lohnt, einander zu lieben. Dieses Vorbild begleitet, ermutigt und fordert mich ein Leben lang heraus.
Von Roger Federer: «Bleib am Ball!»

Roger Federer. | Foto: Tatiana from Moscow, via Wikimedia/BY-SA 2.0
Gastmann: Roger Federer zeigt Kontinuität und Selbstdisziplin. Statt den «Tennisellbogen» auszufahren, wie es im Buch heisst, blieb er stets fair und gelassen. Federer hatte sicher per se gute Startbedingungen ins Leben, hatte das Glück, in einem liebevollen Elternhaus in der Schweiz aufzuwachsen und mit Talent gesegnet zu sein. Doch auch er musste Schicksalsschläge, harte Zeiten und langwierige Knieprobleme bewältigen.
Von Donald Trump: «Jeder Mensch hat etwas Liebenswertes»
Dürr: Bei Donald Trump stellen sich bei mir nur Fragen. Ich glaube, er erfuhr in seiner Kindheit und Jugend zu wenig Liebe und Fürsorge. Ich hoffe, er kann sich ändern und irgendeinmal Liebe und echte Nähe zulassen. Bei Trump stellt sich die Frage: Hat jeder Mensch etwas Liebenswertes? Theoretisch ja, auch wenn es mir bei ihm schwerfällt, dies zu erkennen.

Zum ausführlichen Interview mit Ulrike Gastmann und Martin Dürr: Gute Vorsätze 2026: «Pfeif drauf!» – Warum Scheitern dazu gehört und wie wir daraus Kraft schöpfen.
Von Hazel Brugger: «Lächle mit Skalpell!»
Gastmann: Hazel Brugger ist ein Vorbild für junge Frauen: klug, rhetorisch brillant, ironisch und uneitel. Ich traf sie zu einem Gespräch vor einigen Jahren bei den Schweizer Poetry-Slam-Meisterschaften in Bern, die sie als 19-jährige Gewinnerin beenden konnte. Ich schrieb damals: «Von dieser jungen Frau wird man noch viel hören.» Ihre Unerschrockenheit ist im Showgeschäft selten und macht sie noch heute ganz besonders.
Von Papst Franziskus: «Sei kein Heiliger, sei ein Mensch!»

Papst Franziskus. | Foto: Casa Rosada,
(Argentina Presidency of the Nation),
via Wikimedia/BY-SA 2.0
Gastmann: Papst Franziskus zeichneten besonders seine menschliche Nahbarkeit und sein Einsatz für die Gestrandeten aus. Unmittelbar nach seiner Wahl zum Papst grüsste er die riesige Menschenmenge auf dem Petersplatz mit einem schlichten «Guten Abend!». Von ihm kann man lernen, wie man auch in exponierten Positionen unprätentiös und bescheiden den Verlockungen von Luxus und Macht widerstehen kann. Und dass man sich immer daran erinnern sollte, dass man ein Mensch unter Menschen ist.
Von Alice Weidel: «Nichts»
Gastmann: Alice Weidel ist gebildet und klug, führt hier in der Schweiz ein funktionierendes Familienleben und wird von den Menschen in ihrem privaten oder näheren Umfeld sicher auch gemocht. Ich möchte nicht leichtfertig oder selbstgerecht über das Leben anderer urteilen. Doch die gedankliche Basis von Weidels Partei entspricht kaum meiner humanistischen Grundhaltung oder daraus resultierender Prinzipien, im Gegenteil. Diesbezüglich kann ich von Alice Weidel nichts lernen.
Von Hape Kerkeling: «Seid der wolkenlose Himmel über uns!»

Hape Kerkeling. | Foto: Manfred Werner (Tsui), via Wikimedia/BY-SA 3.0
Gastmann: Seit dem Film «Der Junge muss an die Luft» ist auch für Spätentdecker Hapes klar, was für ein bewundernswerter, talentierter und sympathischer Mensch der Komödiant Hape Kerkeling ist, obwohl er es als Kind schwer hatte: Seine Mutter hatte sich in seinem Beisein das Leben genommen. Doch seine liebevolle Grosseltern fingen ihn auf und glaubten an sein Talent. Dieser familiäre Zusammenhalt im Ruhrgebiet der 60er-Jahre prägte ihn stark. Seine autobiografischen Erinnerungen sind eine Liebeserklärung an das Leben und die Menschen.
Von meinem Sohn: «Seid tolerant und offen!»
Gastmann: Mein Sohn zeigt mir, wie leichtfüssig Toleranz und Offenheit funktionieren können. Ich mag seine heitere Sichtweise auf viele Dinge in der Welt, ich bin gern mit ihm zusammen. Er festigt mein Vertrauen, dass man sich um viele der Jugendlichen in heutiger Zeit kaum Sorgen machen muss. Man sollte ihnen allerdings die Welt in einem halbwegs lebenswürdigen Zustand hinterlassen.
Von Mutter Teresa: «Jeder Mensch hat seine Würde»

Mutter Teresa | Foto: Túrelio, 1986, via Wikimedia/BY-SA 2.0
Dürr: Mutter Teresa beeindruckt mich, weil sie sich um die Ärmsten in Kalkutta kümmerte, die niemand wollte – sie galten als Unberührbare. Die Kastenlosen lebten und starben auf den Strassen. Mutter Teresa gab den Schwerkranken und Sterbenden ihre Würde zurück. Das bewundere ich und jagt mir gleichzeitig einen Schrecken ein, denn ich merke, wie viel Kraft das Engagement kostet und dass ich dazu nicht fähig wäre.
Von Federer bis Franziskus: Was wir von Prominenten über das Leben lernen können