Wenn Geld zum Dauerstress wird
Die Nachfrage steigt stetig – und mit ihr die Komplexität der persönlichen Situation. Schuldenberaterin Nadia Toma und Budgetberaterin Beatrice Ligthart erleben täglich, wie eng finanzielle Sorgen mit Lebenskrisen verbunden sind. Der Bedarf sei «selbsterklärend», sagt Nadia Toma. Die Zahlen hätten über die Jahre nie abgenommen, eher das Gegenteil. Schulden entstünden heute selten isoliert. Häufig seien gesundheitliche Probleme, Jobverlust, Trennungen oder familiäre Konflikte Teil der Situation. «Wir rechnen nicht einfach Zahlen zusammen. Wir schauen das ganze Umfeld an», sagt sie. Hinter jedem Budget stehe ein Mensch mit einer Geschichte, ergänzt Beatrice Ligthart.
Gleichzeitig hat sich das Konsumverhalten verändert. Einkaufen auf Kredit, «Buy now, pay later» oder digitale Bezahlformen machen es einfacher denn je, Geld auszugeben, das noch gar nicht vorhanden ist. Verzicht auf etwas, was man sich finanziell nicht leisten kann, gibt es nicht mehr. Alles ist möglich. «Das Geld ist nicht mehr physisch in der Hand. Das verändert die Beziehung dazu», sagt Beatrice Ligthart. Sie plädiert dafür, immer auch Bargeld im Portemonnaie zu haben. Auch Patchworkfamilien, steigende Lebenshaltungskosten und unsichere Arbeitsverhältnisse führen zu aufwendigen Beratungen.
Hohe Krankenkassenprämien
Dabei beginnt wirksame Prävention lange vor den Schulden. Eine Budgetberatung zeigt realistisch, was finanziell möglich ist – und was nicht. «Der Monat dauert bis zum nächsten Lohn, nicht bis zum 15.», sagt Nadia Toma. Wer früh in die Beratung komme, könne oft verhindern, dass finanzielle Probleme in grössere Schulden oder zu einer Betreibung führen. Viele Ratsuchende bedauerten, nicht früher Hilfe gesucht zu haben.
Besonders belastend sind die hohen Krankenkassenprämien und die steigenden Mieten. «Das sind die zwei Faktoren, die vielen Menschen das Genick brechen», sagt Nadia Toma. Selbst wer arbeitet, komme damit oft kaum über die Runden. Kritisch sehen die Beraterinnen auch strukturelle Hürden, etwa verspätete Auszahlungen von Prämienverbilligungen, die Betroffene in finanzielle Engpässe treiben können, obwohl ihnen Unterstützung zusteht.
In der Schule die Jungen erreichen
Die Arbeit zeigt Wirkung. Viele Ratsuchende kommen in die Beratung und finden Schritt für Schritt zurück zur Stabilität. «Sie sagen uns: Ich kann endlich wieder schlafen», erzählt Nadia Toma. Wer Schulden abbaue, gewinne Sicherheit und Selbstvertrauen zurück. «Dann sind sie wieder Herr ihres Geldes und nicht umgekehrt.» Genau das motiviert die beiden Beraterinnen: Menschen über längere Zeit zu begleiten und zu erleben, wie sich ihre Situation verbessert. «Manchmal ergibt sich plötzlich eine neue Stelle oder eine Wohnung», sagt Beatrice Ligthart, «und es geht wieder aufwärts.»
Neben der Beratung gewinnt die Prävention an Bedeutung. In Schulklassen sprechen die Fachfrauen über Budgetplanung, Konsumdruck und Schuldenfallen. Oft werde den Jugendlichen erst dort bewusst, wie schnell finanzielle Probleme entstehen können. «Dann merken sie: Das könnte auch mir passieren.»
Die Beratung wird unter anderem von der reformierten Kirche finanziell unterstützt und kann deshalb kostenlos angeboten werden – ein entscheidender Faktor für viele Betroffene. «Gerade wer Schulden hat, kann sich keine kostenpflichtige Beratung leisten», sagt Nadia Toma.
Für die Zukunft erwarten die Beraterinnen weitere Herausforderungen: Digitalisierung, steigender Druck am Arbeitsmarkt und wachsende soziale Ungleichheit. Umso wichtiger bleibt ihre Arbeit. «Hinter jedem Budget steht ein Mensch mit einer Geschichte», sagt Nadia Toma. «Und jeder Mensch verdient eine neue Chance.»
Tipps zum Umgang mit Geld
Das Budget zeigt auf, was man jeden Monat bezahlen muss und wie viel zur freien Verfügung steht.
Steuern kommen alle Jahre wieder und sollten monatlich bezahlt werden, entweder direkt ans Steueramt oder auf das Rückstellungskonto. Unbedingt Steuererklärung rechtzeitig ausfüllen und einreichen.
Plastikgeld ist bequem und praktisch. Ob für jung oder alt: Es bleibt eine grosse Herausforderung, den Überblick über die Ausgaben zu behalten.
Das Konto überziehen bedeutet, Geld auszugeben, das man nicht hat. Wenn man die Löcher nicht wieder stopfen kann, ist dies der Anfang einer Verschuldung.
In existenziellen Nöten sollte man sich an Beratungsstellen wie Triangel Beratung Zug oder an das Sozialamt des Wohnorts wenden.
Wenn Geld zum Dauerstress wird