Werner Näf und Lukas Huber: «Mut zum Machen»
Drei Workshops, drei Abende – und zahlreiche Besucher, die etwas mitgenommen haben, das über reines Fachwissen hinausgeht. Pfarrer Werner Näf aus Gächlingen und Lukas Huber aus Löhningen-Guntmadingen haben im vergangenen Frühjahr ein neues Format erprobt: kurze, dichte Vertiefungsworkshops für Freiwillige, die sich in Gottesdiensten, im Gemeindeleben oder in der jungen Kirche engagieren.
Was als kleines Experiment begann, wurde zu einer Erfahrung, die nachhallt. «Viele Menschen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen», sagt Werner Näf. «Aber sie brauchen Orte, an denen sie sich sicher fühlen. Orte, an denen sie lernen können, ohne bewertet zu werden.»
Kleine Gruppen, grosse Wirkung
Die drei Workshops fanden bewusst in kleinen Gruppen statt, jeweils mit acht bis zwölf Teilnehmenden. «Das hat eine besondere Nähe erzeugt», erzählt Näf. «Man spürt schneller, wo Unsicherheiten liegen, aber auch, was die Leute schon mitbringen. Und beides ist wichtig.» Inhaltlich waren die Abende bewusst knapp strukturiert: ein kurzer theoretischer Einstieg, dann viel Raum für praktische Übungen und Austausch.
«Wir wollten nichts überladen», erklärt Näf. «Es geht nicht darum, ein perfektes Konzept zu erklären, sondern ein Gefühl zu vermitteln – für Sprache, für Haltung, für das Zusammenspiel im Gottesdienst.» Gerade der Altersmix sei wertvoll gewesen. Einige Teilnehmende gehörten zur jungen Kirche, andere engagieren sich seit Jahren in ihrer Kirchgemeinde. «Diese Mischung ist spannend», sagt Näf. «Da prallen manchmal Welten aufeinander – aber es entstehen überraschende Begegnungen.»
Lernen, indem man sich traut
Was den beiden Pfarrern wichtig war: Die Teilnehmenden sollen sich ausprobieren dürfen. Ein Besucher, der zum ersten Mal laut ein Segenswort sprach; eine junge Erwachsene, die feststellte, dass liturgische Sprache nicht «altmodisch» sein muss; ein langjähriger Freiwilliger, der sagte: «Ich habe schon vieles gemacht, aber erst jetzt verstehe ich, weshalb.»
Ein Workshop widmete sich dem Aufbau und der inneren Logik des Gottesdienstes. Was unterscheidet das Eingangsgebet vom Predigtgebet? Weshalb ist die Fürbitte ein zentraler Teil? Welche Freiheiten hat eine Liturgin oder ein Liturge? «Die liturgischen Elemente bekommen für viele erst dann Bedeutung, wenn man darüber spricht», sagt Näf. «Plötzlich merken sie: Das ist nicht einfach Tradition – das berührt mein Leben.» Andere Workshops stellten Fragen wie: Wie spreche ich am Schluss den Segen für die Gemeinde? Welche Worte tragen – und welche eher nicht? Wie klingt ein Gebet, das authentisch ist? «Ich staune jeweils, wie viel Mut entsteht, wenn Menschen merken, dass es kein Richtig und kein Falsch gibt, sondern Echtheit», sagt Näf.
Freiwillige als Herz der Kirche
Ein zentraler Gedanke hinter den Workshops betrifft die Rolle der Freiwilligen. Während Pfarrpersonen, Sozialdiakoninnen oder Kirchenmusikerinnen professionell ausgebildet sind, tragen viele andere die kirchlichen Aufgaben zusätzlich zu Beruf, Familie oder Studium. «Die Kirche lebt von ihnen», betont Näf. «Ohne Freiwillige gäbe es viele Angebote schlicht nicht.»
Doch gleichzeitig bestehe eine Unsicherheit: Was ist angemessen? Wo darf ich kreativ sein? «Die Workshops sollen ein Gegenpol sein – kein Druckort, sondern ein Entdeckungsraum.» Dabei gehe es auch um Wertschätzung: Anerkennen, was Freiwillige bereits können, und es sichtbar machen. «Ich glaube, wir unterschätzen oft, wie viel Know-how in den Gemeinden steckt», sagt Näf. «Wenn wir das ernst nehmen, verändert das die Stimmung.»
Die Resonanz hat das Team motiviert. 2026 wird es weitere Workshops anbieten. Die Themen liegen bereit: Beten im Team, Sprache im Gottesdienst, kleine liturgische Elemente für Alltagssituationen. Werner Näfs Fazit: «Es tut gut, zu sehen, wie Menschen wachsen – manchmal nur um eine Nuance, manchmal in einem grossen Schritt. Aber immer mit Herz.»
Werner Näf und Lukas Huber: «Mut zum Machen»