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Halleluja in Sissach

Wie der Gospel ins Baselbiet kam

von Noemi Harnickell
min
26.03.2026
Jedes Jahr besucht ein Gospel-Trio aus New Jersey das Baselbiet für seine Workshops. Simple Liedtexte mit grosser Leidenschaft: Was zwei Glaubensgemeinschaften voneinander lernen können.  

Man hört die Stimmen schon von draussen. Der abendliche Nieselregen wird durchbrochen von «Halleluja!»-Rufen und den donnernden Tönen eines elektrischen Keyboards. Im Innern des Jakobshofs treffen zwei Kirchen aufeinander, zwei Glaubenskulturen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten: vorne drei Afroamerikaner, die ihren ganzen Körper einsetzen, wenn sie musizieren, und vor ihnen ein Raum voller Schweizer, zum Teil mit den Händen im Schoss gefaltet, selbst als sie «Halleluja!» zurückrufen.

Aber Chorleiter Floyd lässt sich davon nicht einschüchtern. Er kennt sie, diese Menschen, denn seit über 20 Jahren kommen er und seine beiden Kollegen, das Ehepaar Michael und Carmenda Crews, jedes Jahr in die Schweiz, um die Baselbieter den Gospel zu lehren. Dabei ist ein einzigartiges Austauschprojekt entstanden, das nicht nur zwei Länder miteinander verbindet, sondern auch den Glaubenshorizont öffnet.

Jedes Jahr Gospel in Baselland

Alles fing mit einem Gospelworkshop 2002 an. Damals lernte Irene Gerold, Gründungsmitglied des Basler Gospelchors Voices of Unity, Michael und Carmenda Crews kennen und war sofort eingenommen von deren Energie. Bereits ein Jahr später fand ein erstes Konzert in Binningen statt, und weil das Publikum vom Gospel so angetan war, dass es ihn nicht nur hören, sondern auch selber singen wollte, führten Michael, Carmenda und Floyd 2006 den ersten Gospelworkshop in Basel durch. Diese Tradition hat sich seither kaum verändert. Das Trio kommt jedes Jahr für einen Workshop nach Reinach, jedes zweite Jahr findet er zusätzlich auch in Sissach statt. Die Leute reisen dafür aus dem ganzen Baselbiet an. An drei Abenden werden aus voller Brunst Gospelgesänge geübt, von denen Michael Crews viele selbst schreibt. Höhepunkt ist das gemeinsame Konzert in der Kirche am Samstagabend.

Ein Leben für den Gospel

Es ist die erste Probe. Bis zur Aufführung scheint es noch ein langer Weg. «Halleluja!», singt Chorleiter Floyd den Sopranos zu, die ganz rechts sitzen. Die Gruppe singt es nach, aber Floyd weiss, da geht noch mehr. Er gestikuliert wild, verzieht das Gesicht zu ausdrucksvollen Grimassen und animiert, lauter und froher zu singen: «Hallelujah!» Floyd wirft eine Hand nach oben, um anzuzeigen, dass die Melodie ansteigt. – «Floyd ist der beste Chorleiter diesseits der Himmelspforte», erklärt Priska Annor. Sie ist im Vorstand von «Voices of Unity» und hat die Aufgabe zu übersetzen, wenn Floyd etwas erklärt. Nicht alle im Raum sprechen Englisch, und die drei amerikanischen Gäste sprechen noch weniger Deutsch. Michael, Carmenda und Floyd kommen aus New Jersey, wo sie in unterschiedlichen Funktionen für die Baptist Church tätig sind. «Man spürt, dass die drei den Gospel nicht nur singen, sondern auch wirklich leben», so Annor.

Im Gespräch mit Gott

Michael Crews spricht viel mit Gott. Und noch wichtiger: Gott spricht auch mit ihm. Das sei so, sagt er, seit er nach einem Nierenversagen 17 Tage im Koma lag. «Ich hörte eine zarte, liebevolle Stimme, die mich bestärkte. Sie versicherte mir, dass alles gut werden würde.» Die Stimme hat offenbar nicht aufgehört, zu ihm zu reden. Sie leite ihn heute darin, seine eigenen Songs zu schreiben, erklärt Michael. «Gott gibt mir immer etwas Einzig­artiges», sagt er. «Manchmal ist es nur ein einziger Song, aber darin ist die Botschaft, die Gott durch mich verbreiten will.»

«Magnify Him!» heisst das Lied, das Floyd jetzt anleitet. Der Text ist simpel: «Magnify his holy name, Jesus Christ our king / Hallelujah, hallelujah, hallelujah / let’s praise his name.» Alles, versteht sich, in Grossbuchstaben auf das Liedblatt gedruckt. Die Botschaft soll schliesslich auch wirklich gehört werden im Himmel oben, wo Gott sitzt. «Die Songs sind nicht schwierig», sagt auch Priska Annor, «aber sie lösen ein Gefühl der Gemeinschaft, der Verbundenheit aus. Ich schlafe oft mit den Liedern ein und wache mit ihnen auf. Es singt in mir weiter.»

Eine kurze Pause. Floyd bespricht sich mit Michael am Klavier. Dann gibt er die wohl wichtigste Botschaft an den Schweizer Chor: «Leute, ich will, dass ihr das alle versteht: Ich möchte, dass ihr Spass habt!»

 

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