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Religionen

In den Städten immer weniger Reformierte

03.02.2020
Die Anzahl der Reformierten in der Schweizer Wohnbevölkerung sinkt auch 2018. Das zeigen die jüngsten Zahlen des Bundesamts für Statistik.

Bis 1960 war die Wohnbevölkerung der Schweiz noch mehrheitlich evangelisch-reformiert. Seither schrumpft die Anzahl der Reformierten stetig. 2018 zählten sich noch 23 Prozent zur evangelisch-reformierten Konfession, wie die jüngsten Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen. Eine Entwicklung in die Gegenrichtung ist bei den Konfessionslosen zu beobachten: Während 1970 die Statistik bloss 1,2 Prozent Konfessionslose erfasste, waren es 2018 bereits 28 Prozent, also mehr als ein Viertel der Bevölkerung.

Es war im Jahr 2016, als die Konfessionslosen die Reformierten schweizweit überflügelten. In den Kantonen Basel-Stadt und Neuenburg zählten sich 2018 sogar rund die Hälfte der Bevölkerung zu den Konfessionslosen. Mit 44 Prozent im Kanton Genf, 33 Prozent im Kanton Solothurn und 32 Prozent im Kanton Zürich bilden die Konfessionslosen hier die grösste Gruppe. Einzig im Kanton Bern machen die Reformierten noch knapp 50 Prozent der Wohnbevölkerung aus, bei 23 Prozent Konfessionslosen. An zweiter Stelle steht Appenzell Ausserrhoden mit 38 Prozent Reformierten, bei 22 Prozent Konfessionslosen. Im Kanton Schaffhausen leben noch 36 Prozent Reformierte (26 Prozent Konfessionslose), in Graubünden 32 Prozent (20 Prozent Konfessionslose) und im Kanton Zürich 28 Prozent (32 Prozent Konfessionslose). Es fällt auf, je urbaner ein Kanton ist, desto mehr Menschen bezeichnen sich als konfessionslos.

Tessin deutlich katholisch geprägt
Während in der Deutschschweiz die Reformierten und die Konfessionslosen etwa gleichauf sind, machen die Konfessionslosen mit 33 Prozent (gegenüber 14 Prozent Reformierten) in der Westschweiz gut einen Drittel aus. Die italienisch sprachige Schweiz ist weiterhin deutlich katholisch geprägt.

Die Anzahl der Konfessionslosen ist vor allem in den Schweizer Städten gross. In den fünf grossen Schweizer Städten liegt deren Anteil bei über 30 Prozent: Stadt Zürich 39 Prozent, Genf 43 Prozent, Basel 51 Prozent, Lausanne 39 Prozent und Bern 33 Prozent. Während in Genf, Lausanne, Zürich und Basel die Konfessionslosen die grösste Gruppe bilden, haben die Reformierten hier ihre traditionelle starke Stellung verloren. Urs Winter-Pfändler vom Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut in St. Gallen führt diese Entwicklung auf einen Traditionsbruch zurück, der in den Städten grösser sei als auf dem Land.

Reformierte: die Jungen fehlen
Weniger Mitglieder als die evangelisch-reformierte Kirche hat die römisch-katholische Kirche in den letzten Jahren verloren. Heute ist jeder Dritte katholisch. Mit 35 Prozent bilden die Katholiken inzwischen die grösste Glaubensgemeinschaft in der Schweiz. «Während etwa gleich viele Personen aus der reformierten und der katholischen Kirche austreten, kann die katholische Kirche aufgrund der eingewanderten Katholiken ihre Mitgliederzahlen besser halten», sagt Urs Winter-Pfändler. Zudem unterscheidet sich die Altersstruktur der römisch-katholischen Kirche von derjenigen der evangelisch-reformierten: «Die Mitglieder der reformierten Kirchen sind im Durchschnitt älter als bei der römisch-katholischen Kirche. Somit werden jüngeren Mitglieder der evangelisch-reformierten Kirche immer weniger.»

Trend zeigt weiterhin nach unten
Winter geht davon aus, dass auch 2019 die Zahlen von Reformierten und Katholiken weiter sinken werden. «In der Reputationsforschung zeigt sich, dass es schwierig ist, einen ‹schlechten Ruf› wieder ins Positive zu drehen. Ist die Meinung einst gemacht, tendieren beispielsweise die Medien zu negativeren Schlagzeilen und zementieren damit das ohnehin schlechte Bild». Die Austrittszahlen hängen jedoch auch mit dem Reden und Handeln der Kirchen zusammen, so Winter. «Haben die Mitglieder das Gefühl, die Kirche ist für ihr Leben oder die Gesellschaft wichtig? Die Antwort auf diese Frage dürfte mitentscheiden, wie sich die Zahlen weiterentwickeln», sagt Winter.

Während die jüdische Glaubensgemeinschaft in der Schweiz weiterhin rund 0,2 Prozent der Bevölkerung ausmacht, wuchs die islamische Glaubensgemeinschaft auf 5,3 Prozent an (1990 waren es 1,6 Prozent). 1,3 Prozent der Schweizer Bevölkerung bekennt sich zu anderen Glaubensgemeinschaften, 5,6 Prozent zu anderen christlichen Gemeinschaften.

Nicola Mohler, reformiert.info, 3. Februar 2020


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