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51 Jahre für die Musik

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31.03.2023
Als 15-Jährige spielte Elisabeth Schenk erstmals in einem Gottesdienst. Der Winznauer Pfarrer hatte sie angefragt. Aus diesem Auftritt wurden 51 Jahre, in denen Schenk die Kirch­gemeinde musikalisch begleitete.

Als Elisabeth Schenk im Herbst 1972 im alten Schulhaus zum ersten Mal in die Tasten des Harmoniums griff, herrschte der Kalte Krieg zwischen dem Westen und der Sowjetunion. Und an den Winterspielen in Sapporo gewann die Schweizer Delegation zehn Medaillen.
Die Schweiz jubelte, und die 15-jährige Musikerin spielte in Winznau. Das Instrument war ein Harmonium. Etwa 20 Besucherinnen und Besucher kamen jeden zweiten Samstagabend zum Gottesdienst. Man kannte sich, es war gemütlich. Viele waren bereits älter, schien es dem Teenager damals.
Heinrich Siegenthaler und seine Frau, die Klavierstunden erteilte, hatten Lisbeth angefragt. Die Konfirmandin dachte: «Dann versuche ich es mal», und sagte zu. Aus dem Versuch sind inzwischen 51 Jahre geworden. Kürzlich wurde die 65-Jährige im Gottesdienst offiziell verabschiedet. «Mir wisse guet, dass du die erschte Joor noch rächt hesch müsse trampe uf ere ‹Psalme-Pumpi›», erinnerte Gerhard Eglin bei der Verabschiedung an die erste Zeit.
Die Liste der Pfarrerinnen und Pfarrer, mit denen Elisabeth Schenk zusammengearbeitet hat, ist lang: Nach Ernst Hauri folgten Benjamin Schweizer, Erwin Nüssli, Gert Oelrichs, Daniel Hintermann, dann das Pfarrehepaar Walther, Paul Jäggi, Loni Eggenschwiler, Joachim Herrmann, Erich Huber, Matthias Hillmann, Esther Grieder und Andi Haag. Elisabeth Schenk kam mit allen gut aus. Sie plauderte gerne mit den Pfarrern, Sigristen und den Besuchern. Am Anfang teilte ihr die Pfarrschaft die Lieder des Gottesdienstes noch per Post und Telefon mit, inzwischen per Mail.


Von Trimbach aus betreut
Winznau liegt am Südhang des Dottenbergs auf 420 Metern über Meer und reicht bis zur Aare hinunter. Nach der Niederlage der Reformierten in der Schlacht bei Kappel konnte sich der neue Glaube um Olten nicht halten. Einzig einige Täufer liessen sich auf der Höhe nieder. Der Winznauer Täufer Benedikt Senn besass eine kleine Bibliothek, die vom Landvogt von Gösgen beschlagnahmt wurde, vor allem «Sebastian Münsters Kosmographie» und die «Wittenbergische Bibel» hatten es dem Landvogt angetan.
Als 1859 die Kirchgemeinde Olten gegründet wurde, kamen die Reformierten von Winznau zu Olten, später zu Trimbach. 1979 erhielten die Reformierten ihr Kirchgemeindehaus. Elisabeth Schenk spielte fortan auf einem Ibach-Flügel.


Orgelbuch und Choräle
Die Musik hat Elisabeth Schenk ein Leben lang begleitet. Mit 9 Jahren lernte sie Blockflöte, mit 12 Jahren wechselte sie zum Klavier und nahm Unterricht. Der Anfang als Musikerin war nicht einfach: Sie bekam ein Orgelbuch und musste die Choräle üben. Mit 19 Jahren nahm sie Orgelstunden, später besuchte sie einen Organistenkurs. Denn ihr Hauptberuf war das Büro. Elisabeth Schenk hat das KV absolviert und arbeitet bei der Fachstelle Hindernisfreies Bauen, Procap Schweiz und der Sektion Procap Kanton Solothurn.
Noch heute übt Schenk täglich ein bis zwei Stunden am Keyboard und spielt neben Klavier auch Hand- und Schwyzerörgeli. Sie liebt die Musik von Mozart, Beethoven und Bach. Die Klassiker seien so melodisch und fröhlich, sagt sie. Die disharmonischen modernen Lieder, jene «mit den Nummern 800 im Kirchengesangbuch», lägen ihr weniger. Vor allzu schwierigen Stücken habe sie Respekt, gibt sie zu. Oft hat sie Stellvertretungen bei den Christkatholiken übernommen, regelmässig spielte sie bei den Gottesdiensten im Kantonsspital Olten. Die Feier wurde vor kurzem eingestellt, Elisabeth Schenk bedauert das. «Es waren eindrückliche Begegnungen. Am Sonntagmorgen holten Freiwillige die Patienten in ihren Zimmern ab und brachten sie in den Mehrzweckraum.»
Elisabeth Schenk war ihr Leben lang mit der reformierten Kirche verbunden. Sie führte das Protokoll in der Synode der Kantonalkirche und in der Spitalkirchenpflege, sie engagierte sich in der Freiwilligenarbeit, machte Besuche im Altersheim und sprach mit den Insassen. Das wird sich auch nach der Pensionierung nicht ändern. Dass sie nun in ein Loch fallen wird, glaubt sie nicht. Im Gegenteil, sie hat noch ihren Garten und ihre Yamaha 1100. An schönen Sommertagen schwingt sich die 65-Jährige in den breiten Sattel und kurvt gemütlich über die Pässe.

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