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«Abenteuer ziehen noch immer»

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01.01.2016
Christliche Jugendgruppen müssen um ihre Mitglieder kämpfen. Allein auf weiter Flur in Kanton Luzern behauptet sich seit Jahren die Cevi-Gruppe Horw.

Wären sie Tiere oder Pflanzen würde man sie wahrscheinlich unter Artenschutz stellen als letzte ihrer Art. Wer rund um Horw am Samstag durch den Wald spaziert, entdeckt sie vielleicht hinter Bäumen und auf Lichtungen: Eine vergnügte Kindergruppe gemeinsam mit ihren jugendlichen Leitern die Jungschar des Cevi Horw. Die Cevis aus Horw sind die einzige Cevi-Gruppe im ganzen Kanton Luzern.
«Damit wir nicht aussterben, gehen wir in die Offensive», erklärt der Leiter der Horwer Jungschar Sandro Martino augenzwinkernd. So wirbt der Cevi Horw regelmässig in den Primarklassen und lädt werbewirksam, wie zuletzt am landesweiten Cevi-Schnuppertag am 16. März, zur Schatzsuche im Dorfzentrum ein. «Hier in dem katholischen Umfeld kennt man uns als der reformierten Kirche nahestehende Organisation nicht so», so Martino. Dennoch treffen sich in Horw alle 14 Tage 25 Kinder von sechs bis 14 Jahren, acht Leiter und acht Hilfsleiter, um gemeinsam ihre Freizeit zu verbringen.

Allgegenwärtige Konkurrenz
Über die Konkurrenz zu anderen Freizeitangeboten ist sich der 21-Jährige bewusst. Heute sei das Angebot für Kinder und Jugendliche kaum mehr überschaubar. Früher konnten Kinder zwischen Pfadi, Cevi-Jung-schar oder Jungwacht Blauring wählen. War man bei einer Organisation dabei, blieb man ihr häufig über Jahre treu. Das sei heute anders.
So stellt man dann auch im Regionalverband AG-SO-LU-ZG einen Rückgang bei den Kindern und Jugendlichen fest. Vor zwölf Jahren gab es noch 2500 eingeschriebene Mitglieder, inzwischen sind es knapp 1600. Wie alle traditionellen Jugendverbände spüre man neben der Konkurrenz im Freizeitbereich auch ein schwindendes freiwilliges Engagement, erklärt Verbandspräsident Samuel Murri-Plesko: «Gerade bei den jungen Leitern von 13 bis 16 Jahren ist immer weniger Motivation vorhanden, sich verbindlich und aktiv an der Cevi-Arbeit zu beteiligen. Zudem gibt es auch immer weniger Eltern, die unsere Arbeit so schätzen, dass sie sich für eine aktive Teilnahme ihrer Kinder einsetzen.» Dennoch sei der Cevi kein Auslaufmodell: «Das Angebot der Jungscharen ist immer noch einzigartig und wird auch weiterhin auf Interesse stossen.»
Weg von Computer und Smartphone und raus in die Natur, lautet darum auch die Devise der Cevi Jung-scharleiter Horw. «Abenteuer ziehen bei den Kindern immer», weiss Sandro Martino. «Bei uns gibt es Spass bei Spiel und Sport. Man kann Pioniertechniken erlernen, Zelte bauen, Kochen am Lagerfeuer, Theater spielen, und vieles mehr. Anders als in der Schule und in manchen Sportarten ist bei uns aber nicht der Star gefragt, sondern der Teamplayer», so Martino.
Die Cevi-Jungschar wird in Horw von der reformierten Kirchgemeinde finanziell und mit Räumen unterstützt. Dennoch, so Martino, muss man nicht reformiert sein um mitmachen zu können. Anders als in sehr traditionell ausgerichteten Cevi-Gruppen äussere sich bei ihnen der christliche Glaube nicht durch gemeinsame Gebete oder Bibellektüre sondern zum Beispiel durch gelebte Kameradschaft. «Wir versuchen das Cevi-Motto Mit Kopf, Herz und Hand in allen Bereichen möglichst gut umzusetzen.»

Cevi-Jungschar Horw: Treffen jeden zweiten Samstag, 14 bis 17 Uhr. Kontakt: Sandro Martino, E-Mail: sandro.martino@gmx.ch



Drittgrösster Jugendverband
Der Cevi ist nach Pfadi und Jungwacht Blaruring der drittgrösste Jugendverband in der Schweiz. Er umfasst rund 15 000 Mitglieder. Wie die Pfadi hat auch der Cevi seine Wurzeln in England. Die Organisation hatte ihre Anfänge während der Industrialisierung und diente damals vor allem dazu, junge, arbeitslose Männer vor dem Abdriften in den Alkoholismus zu bewahren. Zu Beginn des 20. Jahr-
hunderts fasste der mit der reformierten Kirche verbundene Verband auch in der Schweiz Fuss.
Der Name «Cevi» ist eigentlich die Abkürzung einer Abkürzung: Die ursprüngliche Bezeichnung war CVJM (Christlicher Verein junger Männer).

Annette Meyer zu Bargholz

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