Baselland, Basel-Stadt, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Uri, Zug
Erst verpönt, dann gewürdigt

20 Jahre «Bibel in gerechter Sprache»

von epd/nin
min
25.10.2026
Die Evangelische Kirche in Deutschland lehnte die «Bibel in gerechter Sprache» einst ab, nun würdigt sie die Übersetzung, die Gott nicht «Herr» nennt. Mitgewirkt hat auch die Basler Theologin Luzia Sutter Rehmann.

Als die Übersetzung im Oktober 2006 erschien, löste sie scharfe Kontroversen aus. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) riet 2007 von ihrem Gebrauch ab. «Wir wurden unter Häresieverdacht gestellt», erinnert sich Mitherausgeberin Claudia Janssen, Professorin für Neues Testament an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel. Für viele Übersetzerinnen und Übersetzer sei es das Ende der wissenschaftlichen Karriere gewesen. Nun würdigt die EKD, die Übersetzung habe vielen Menschen neue Zugänge zu biblischen Texten eröffnet.

Gott ohne «Herr»

54 Übersetzerinnen und Übersetzer arbeiteten fünf Jahre lang an der Bibel. Sie wollten nicht nur dem Urtext gerecht werden, sondern auch den Geschlechtern, dem christlich-jüdischen Dialog und den sozialen Verhältnissen. Eines ihrer Markenzeichen: Gott ist nicht «der Herr», sondern etwa «der Ewige» oder «die Lebendige». Zu den Mitübersetzerinnen gehört auch die Basler Neutestamentlerin Luzia Sutter Rehmann, die das Lukasevangelium übersetzte. Im Interview erklärt sie, warum sie bei keiner Übersetzung mitmachen wollte, in der ständig von «Herr» die Rede ist.

Das Gottesbild habe politische Relevanz, sagt Janssen. Wenn US-Präsident Donald Trump den Krieg gegen den Iran mit apokalyptischen Metaphern begründe, als sei er Vollstrecker eines göttlichen Gerichts, benutze er ein herrschaftlich-männliches Gottesbild. «Das ist nicht der biblische Gott», widerspricht die Theologin.

Gendern ja, aber nicht in der Liturgie

Die Erkenntnisse der Übersetzung seien auch nach 20 Jahren kein Allgemeingut, stellt Janssen fest. «Im Alltagsgebrauch der Sprache wird gegendert, aber in der liturgischen Sprache heisst es ‹Herr› und ‹König›.» Beim Gebrauch im Gottesdienst gebe es häufig Widerspruch aus der Gemeinde. «Wenn man sich auf die Übersetzung einlässt, wirft sie Fragen auf. Das ist eines der wichtigsten Dinge.»

Mehr als 100'000 Exemplare sind inzwischen verkauft. Die Jubiläumsausgabe bietet den Text der Überarbeitung von 2011 in neuem Einband, die Auflage beträgt 5000 Exemplare. Mit dem Werk sei «etwas Grosses gelungen», resümiert Janssen. «In dem Projekt geht es um mehr als einen Text, es geht um Gerechtigkeit. Die Kraft ist weiterhin spürbar.»

Unsere Empfehlungen