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Baselbieter Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone bauen an der «Kirche mit Zukunft»

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01.01.2016
Neue Wege an der Retraite des Diakoniekonvents Baselland.

Jürg Rother ist seit 25 Jahren Pfarrer in Oberägeri. Um Menschen in seine Kirche zu holen, geht er auch ungewohnte Wege. Damit scheint er Erfolg zu haben, denn seine Kirchgemeinde wächst. An der Retraite des Diakoniekonvents Baselland Ende August leitete dieses «Alphatier mit einer Vision», wie Markus Schütz, Sozialdiakon in der Kirchgemeinde Allschwil-Schönenbuch, es ausdrückt, einen Workshop zum Thema «Kirche mit Zukunft». «Mit Jürg Rother konnten wir einen querdenkenden, provokativen Kursleiter gewinnen», freut sich Schütz. Jürg Rother sei weiträumig vernetzt. Seine Betonung der Beziehungsarbeit und gelebten Wertschätzung gegenüber allen Leuten hat Markus Schütz bestärkt: «Auch ich sehe es als meine Aufgabe, auf die Menschen zuzugehen, Brücken zu bauen, Impulse zu setzen und sie zu ermutigen. Die Kirche fragt die Leute an, sich in welcher Form auch immer zu beteiligen mir gefällt dieser Ansatz.»

Kirche soll sich einmischen
Das Treffen der Baselbieter Sozialdiakone stand unter dem Titel «Für eine lebendige Kirche». «Die Kirche soll sich ins Leben einmischen, sie soll Gefässe anbieten, wo Menschen sich finden können», sagt Markus Schütz. Fehlende gemeinsame Erlebnisse oder schlechte Erfahrungen hielten viele von der Kirche fern. Am Sonntagmorgen seien sie nicht in den Gottesdienst zu locken. Aber zum Beispiel für einen Ausflug auf dem Mountainbike samt Andacht im Freien, wie sie Jürg Rother seit Jahren erfolgreich organisiert, könne man einige begeistern.
Oder für ein Völkerballturnier für Primarschulkinder. Für diesen bereits traditionellen Anlass konnte Markus Schütz Helferinnen und Helfer gewinnen, die sonst nicht in der Kirche anzutreffen seien: «Dort, wo sich auch kirchenferne Menschen ansprechen lassen und Verantwortung übernehmen, wächst die Beteiligungskirche und man kann bei manch einem spirituelle Bedürfnisse wecken», ist der Sozialdiakon überzeugt.
Die Diakonie ist Sozialarbeit mit christlichem Hintergrund. Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund sagt dazu: «Die Diakonie nimmt die Kirche in die Pflicht, für Menschen am Rande der Gesellschaft und für diejenigen, die in unwürdigen Verhältnissen leben müssen, Partei zu ergreifen.» Dieses «helfende Handeln» geschieht unter anderem in den Kirchgemeinden.
Seit kurzem sind Sozialdiakoninnen und -diakone den übrigen Berufsgruppen in der Kirche Baselland gleichgestellt. Wie für die Pfarrpersonen und die Religionslehrkräfte verabschiedete die Synode auch für sie ein Berufsbild. Ein Diakoniekonzept befindet sich zudem in der Vernehmlassung. Es ist ein Grundlagenpapier, das die Diakonie weiter stärken soll. Das Ziel ist es, das diakonische Handeln in Kirche und Gesellschaft in der Öffentlichkeit bewusst zu machen.

Sozialarbeit mit christlichem Plus
Die Kirche erbringe sehr viele soziale Leistungen. Das sei jedoch in der Bevölkerung immer noch zu wenig bekannt, meint Kirchenrätin Cornelia Hof, die das Departement Diakonie und Spezialseelsorge betreut. Sozialdiakone absolvieren neben einer sozialfachlichen eine kirchlich-theologische Ausbildung: «Sie verfügen über eine doppelte Qualifikation. Sie machen Sozialarbeit mit einem christlichen Plus. Darauf legen wir Wert», betont Cornelia Hof.  

Karin Müller

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