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Umnutzung

Bergkirche Rigi Kaltbad verkauft

von Carole Bolliger
min
28.01.2026
Hoch über dem Vierwaldstättersee steht die Bergkirche Rigi Kaltbad. Nun verkauft die Reformierte Kirchgemeinde Luzern das Gebäude und ermöglicht ihm zugleich eine Zukunft als öffentlichen Ort für Bildung, Kultur und Gemeinschaft. 

Die Bergkirche Rigi Kaltbad gehört seit rund 60 Jahren zur Reformierten Kirche des Kantons Luzern. Hoch über dem Vierwaldstättersee, etwas abseits der touristischen Hauptachsen, war sie für viele ein besonderer Ort: für Berggottesdienste, Konzerte, Taufen oder Trauungen. Nun schlägt sie ein neues Kapitel auf. Der Grosse Kirchenrat hat dem Verkauf der Kirche mit nur einer Gegenstimme zugestimmt. Künftig wird sie vor allem von der Rigischule genutzt: als Ort für Bildung, ergänzt durch kulturelle Veranstaltungen und weiterhin einzelne kirchliche Feiern.

Der Entscheid markiert keinen abrupten Bruch, sondern das Ergebnis eines längeren Prozesses. «Der Bedarf an kirchlicher Nutzung war schlicht nicht mehr da», sagt Stefan Sägesser, Kirchenvorstand, Ressort Immobilien. Auf der Rigi selbst leben heute nur noch rund 13 reformierte Mitglieder. Regelmässige Gottesdienste fanden kaum mehr statt, meist zwei bis drei pro Jahr, dazu einzelne Trauungen oder Konzerte. «Das kirchliche Leben hat sich längst nach Weggis und Vitznau verlagert», so Sägesser. Die Alternative wäre eine kostspielige Renovation gewesen, ohne realistische Aussicht auf stärkere Nutzung.

Lösung soll dem Ort dienen

Gleichzeitig war dem Kirchenvorstand wichtig, die Kirche nicht einfach aufzugeben. In einem strukturierten Verfahren wurden verschiedene Nutzungskonzepte geprüft. Fünf Bewerbungen gingen ein, zwei kamen in die Endauswahl. Ausschlaggebend war schliesslich der Aspekt der Öffentlichkeit und der Gemeinschaft. «Wir wollten eine Lösung, die dem Ort dient, nicht nur einer Einzelperson», sagt Sägesser. Dass das Gebäude unter Denkmalschutz steht und grosse bauliche Eingriffe kaum möglich sind, spielte ebenfalls eine Rolle. Das Konzept von Markus Reinhard, der die Kirche nun für 173‘000 Franken erwirbt, überzeugte schliesslich mit grosser Mehrheit. Zum Kaufpreis kommen rund 400‘000 Franken für die Sanierung und einen nachhaltigen Umbau dazu.

Reinhard ist auf der Rigi verwurzelt. «Seit meiner frühen Kindheit habe ich zusammengerechnet wohl über fünf Jahre meines Lebens hier verbracht», sagt er. Als Kind auf der Piste, später als Skilehrer, bis heute in seiner Freizeit. Beruflich arbeitet er als Winzer und Gastgeber auf dem Seeburghof in Luzern, wo Kultur und Begegnung bewusst gepflegt werden. Sein Ziel auf der Rigi sei es, den Wohn- und Lebensraum zu stärken und die architektonisch bedeutende Kirche des Architekten Ernst Gisel langfristig zu erhalten.

«Es geht mir nicht um eine private Nutzung, sondern um einen Ort für die Gemeinschaft», betont Reinhard. Die Reformierte Kirche behält ein Vorkaufsrecht für 25 Jahre, und kirchliche Nutzungen bleiben ausdrücklich möglich.

Schule im Kirchenraum

Eine zentrale Rolle im neuen Nutzungskonzept spielt die Rigischule, eine kleine naturpädagogische Privatschule mit derzeit elf Kindern vom Kindergarten bis zur 6. Klasse. Für Jana Mumenthaler, Schulleiterin der Rigischule, ist die Bergkirche ein Glücksfall. «Sie gibt uns die Möglichkeit, sehr unterschiedliche Lernbedürfnisse abzudecken», sagt sie. Während im Sommer viel draussen gelernt wird, im Wald, bei der Jurte, auf der Wiese, seien die langen Winter auf 1500 Metern eine Herausforderung. «Gerade in den Übergangszeiten ist ein geschützter, zentraler Lernort enorm wichtig.»

Dass dieser Lernort ein ehemaliger Kirchenraum ist, empfindet Mumenthaler als Bereicherung. Der grosse Raum eigne sich für Bewegung, Musik, Theater und gemeinsames Lernen, die kleineren Räume für Rückzug und Ruhe. Während der Schulferien soll die Kirche weiterhin für kulturelle Veranstaltungen offenstehen. «So bleibt vieles von dem erhalten, was Kirchen immer waren: Orte für Bildung, Kultur und Gemeinschaft.» Auch die Zusammenarbeit mit kirchlichen Nutzungen sieht sie positiv: «Mit offener Kommunikation lassen sich die Bedürfnisse gut aufeinander abstimmen.»

Keine neuen Formate geplant

Aus kirchlicher Sicht überwiegt die Zuversicht. Michel Müller, Pfarrer der Reformierten Kirche Rigi Südseite, spricht von Erleichterung. «Wann gelingt schon ein Kirchenverkauf, der so zukunftsgerichtet ist und der Allgemeinheit weiterhin dient?» Für ihn ist klar: Kirche ist mehr als ein Gebäude. «Es bringt nichts, sich an Mauern festzuklammern, wenn sie kaum genutzt werden.»

Dass die Teilkirchgemeinde künftig Gast im eigenen Kirchenraum sein wird, werfe zwar praktische Fragen auf, etwa zur Einrichtung oder zur Vorbereitung von Gottesdiensten. «Aber das Entscheidende sind nicht Bänke oder Tische, sondern die Menschen, die kommen, singen und feiern.» Solange es Menschen auf die Rigi in die Kirche ziehe, werde das gelingen.

Neue kirchliche Formate erwartet Müller durch die Umnutzung nicht zwingend. Das kirchliche Leben spiele sich weiterhin vor allem am See ab. Dennoch sieht er Chancen: Die Ökumene auf der Rigi habe sich zuletzt gestärkt, und gemeinsame Anlässe könnten weitergeführt werden. «Ich vertraue der architektonischen Qualität des Raums», sagt er. «Der kirchliche Charakter wird spürbar bleiben – auch wenn sich die Nutzung verändert.»

 

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