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Maja Zamudio

Damit die Kirche präsent bleibt

von Carole Bolliger
min
01.01.2026
Als Präsidentin einer weit verstreuten Diasporagemeinde sorgt Maja Zamudio dafür, dass die reformierte Kirche im Entlebuch sichtbar bleibt und Menschen Nähe und Verbundenheit erleben. Sie plädiert dafür, offener zu werden und Menschen dort abholen, wo sie stehen. 

Wenn Maja Zamudio von ihrem Leben in Sörenberg erzählt, schwingen Wärme, Verwurzelung und ein ausgeprägter Sinn für Gemeinschaft mit. Seit über 40 Jahren lebt die pensionierte Tourismusfachfrau im Bergdorf und arbeitet «immer noch ein bisschen». Sie kümmert sich im Tourismusbüro um die Administration, führt Besuchende durch die Kneippanlage und hält Referate für die Unesco-Biosphäre. «Querbeet-touristisch» fasst sie es zusammen – ein Engagement, das sich nahtlos in ihrem Wirken in der reformierten Kirche fortsetzt.

Maja Zamudio ist seit 2019 Präsidentin der reformierten Kirchgemeinde Escholzmatt, einer weit verstreuten Diasporagemeinde in einem stark katholisch geprägten Gebiet. «Wir sind sehr ländlich und weit verstreut, die Reformierten sind klar in der Minderheit», erklärt sie. Die knapp 1200 Mitglieder leben in mehreren Dörfern: von Sörenberg über Schüpfheim, Hasle bis Marbach. «Es ist eine schöne, aber durchaus anspruchsvolle Aufgabe, in dieser Region sichtbar zu bleiben.»

Viele Aufgaben und viel Herzblut

Zamudio stammt aus dem reformierten Kanton Zürich, der Glaube gehörte selbstverständlich zum Alltag. «Mein Vater war sehr gläubig. Wir sassen oft draussen auf dem Bänkli und hörten das Einläuten des Sonntags. Das hat mich geprägt.» Als sie 1983 wegen ihres Jobs nach Sörenberg zog, suchte sie bewusst den Anschluss an die Reformierten. Sie engagierte sich beim Abendmahl, wurde in den Kirchgemeinderat gewählt und übernahm später das Präsidium.

Was ihren Alltag als Kirchgemeindepräsidentin prägt? «Die vielen Termine», sagt sie und schmunzelt. Die Kirchgemeinde wird zu Jungbürgerfeiern, Gemeindeveranstaltungen und kulturellen Anlässen eingeladen – «und wir wollen überall präsent sein». Das sei bereichernd, aber auch fordernd: «Alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer leicht.»

Besonders am Herzen liegen ihr die Besuchsdienste. Jedes Jahr besucht der Vorstand im Advent Menschen ab 75 Jahren, bringt ein Glas Honig vorbei und nimmt sich Zeit für Gespräche. «Ein Pärchen wartet richtig darauf, dass ich anrufe», erzählt sie. In der weit verstreuten Gemeinde seien solche Besuche wichtig gegen die Einsamkeit und schafften Verbundenheit.

Sichtbarkeit bewahren

Reformiert zu sein in einem katholischen Umfeld, sei kein Selbstläufer. «Wir müssen uns zeigen», sagt Zamudio. Berichte, Veranstaltungen, Projekte, all das helfe, präsent zu bleiben. Ihr Pfarrer Christian Leidig spiele dabei eine wichtige Rolle: «Er hat eine Familie, ist in der Schule präsent und sehr nah bei den Leuten. Das ist unglaublich wertvoll.»

Besonders eindrücklich in Erinnerung blieb ihr der Brand Anfang 2024, bei dem drei Kinder ums Leben kamen. Pfarrer Leidig war erst kurze Zeit im Amt, als mehrere Schicksalsschläge die Region trafen. «Er war extrem gefordert. Da war es wichtig, dass wir als Vorstand ihn stützten.» Die enge Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Behörden, Schulen und Kirchen habe sie tief beeindruckt. «In solchen Momenten spürt man, wie die Gemeinschaft tragen kann.»

Gemeinschaft schaffen – über Gottesdienste hinaus

Zamudio beobachtet, wie kirchliche Bindungen bei vielen Familien nachlassen. «Man muss offener werden und die Menschen dort abholen, wo sie stehen.» Dazu gehören kirchliche Anlässe, an denen man sich begegnet: Kirchenkaffee, das Treberwurstessen, kleine Feiern nach der Waldweihnacht. «Das Zusammensein nach dem Gottesdienst ist für viele wichtig.» Ein besonderer Gewinn sei der Blockunterricht am Mittwochnachmittag: vier Stunden für Kinder aus verschiedenen Dörfern. «Da kann man viel intensiver arbeiten und echte Gemeinschaft erleben.»

Ein Herzensanliegen ist Maja Zamudio ein Projekt, das 2026 startet: Jubilare – beginnend bei den 30-Jährigen – erhalten einen Brief oder Besuch. «Menschen in diesem Alter stehen oft an einem Scheideweg», sagt sie. «Vielleicht tut es gut, wenn jemand sagt: Wir sind für dich da.» Dass sich für das Besuchsteam viele Jüngere gemeldet haben, freut sie besonders.

Kraftquellen und Hoffnungen

Kraft schöpft Zamudio aus dem starken Vorstandsteam und der Zusammenarbeit mit ihrem Pfarrer. Die jüngste Klausurtagung im Kanton Bern habe sie besonders inspiriert: «Es war schön, einmal Themen zu besprechen, die im Alltag keinen Platz haben.» Zum Abschalten geht sie am liebsten wandern oder Ski fahren – gern allein. «Da kann ich wunderbar nachdenken.» Ihr bald einjähriger Enkel sorgt zuverlässig für fröhliche Momente.

Ihre grösste Hoffnung gilt dem Weltgeschehen: «Die Menschen sind belastet durch Corona, Kriege, Überfluss. Ich hoffe sehr, dass es für die Ukraine eine Lösung gibt – und dass wir lernen, weniger auf Kosten der Natur zu leben.»

Und schliesslich sagt sie etwas verlegen: «Mir ist es fast peinlich, so gross in die Zeitung zu kommen.» Doch gerade diese Bescheidenheit ist es, die Maja Zamudio als Kirchenpräsidentin so greifbar und nahbar macht: engagiert, bodenständig und mit viel Herz bei den Menschen.

 

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