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Anselm Grün

«Das Gebet gibt uns Wurzeln»

von Noemi Harnickell
min
27.06.2024
BASELLAND | Am 6. Juni trat der «Glückspater», Mönch und Unternehmer Anselm Grün in der «Sonne» in Sissach auf. In seinem Vortrag sprach er über Sehnsüchte und die Kraft des Glaubens.

«Sissach?!», habe Anselm Grün erstaunt ausgerufen, als ihn Adriana Linsalata, Leiterin des Hotels Zur Sonne in Sissach, vor einigen Jahren nach einem Seminar fragte, ob er sich vorstellen könne, genau da aufzutreten. Und da ist er nun: schwarze Kutte, weisser Bart, wacher Blick. Und vor ihm: ein ausverkaufter Saal. Über hundert Gäste sind gekommen, um den «Glückspater» persönlich zu erleben.

Mönch, Berater, Glückscoach

Pater Anselm Grün ist Benediktinermönch, aber er spricht ganz besonders zu jenen, die nicht an Gott glauben. Er berät Führungspersonen aus der Privatwirtschaft und Priester gleichermassen in Krisen und Umbruchsituationen, und er coacht Menschen im Glücklichsein.

Er wurde als Wilhelm GrĂĽn wenige Monate vor Kriegsende 1945 in Lochham bei MĂĽnchen geboren. Im Alter von 13 Jahren trat GrĂĽn in das Internat der Abtei MĂĽnsterschwarzach ein, wo einer seiner Onkel als Benediktiner lebte. Schon 1964, im selben Jahr, als er sein Abitur abschloss, trat GrĂĽn in das Noviziat der Abtei ein und erhielt den Ordensnamen Anselm.

In den 1970er-Jahren begann der junge Mönch, sich mit verschiedenen Facetten der Spiritualität auseinanderzusetzen und widmete sich Themen wie Meditation, Gruppendynamik und Psychologie. Neben den Traditionen der alten Mönchsväter inspirierten ihn dabei auch die Ansätze Jungs sowie Meditationstechniken aus dem asiatischen Raum.

Inspiration in Häppchen

Sein Vortrag in Sissach erfolgt nach dem für Grün klassischen Schema: Er formuliert einen Gedanken, zieht Weisheiten und Geschichten daraus, ehe er scheinbar zufällig zum nächsten Gedanken übergeht. Dem Publikum serviert er so ein Häppchen Inspiration nach dem anderen – ganz ähnlich, wie er sie auch in seinen Büchern verpackt: Nicht weniger als 300 Werke hat er geschrieben, 20 Millionen Bücher hat er verkauft. Damit ist Anselm Grün der meistgelesene spirituelle Autor Europas.

An diesem Abend eröffnet Anselm Grün seinen Vortrag mit den Worten: «Wie finde ich zu einem guten Glauben?» Er erklärt, der Glaube antworte auf die Sehnsüchte der Menschen. Die grösste Sehnsucht? – Die Antwort auf die Frage: Wer bin ich eigentlich?

Druck und Depression: Identitätskrisen der Jugend

«Viele junge Menschen fallen in Depressionen, weil sie um ihre Identität ringen», sagt Grün. Tatsächlich legt eine Studie des Robert-Koch-Instituts nahe, dass sich rund 35 Prozent der Menschen unter 30 Jahren in Identitätskrisen befinden. Der Druck, klassische Ziele wie einen schnellen beruflichen Einstieg, stabile Partnerschaften oder finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen, überfordert und kann zu psychischen Erkrankungen führen.

Ein Gebet sei natürlich nicht das Äquivalent einer ärztlichen Therapie, betont Grün, dessen Bruder Quantenphysiker ist. Aber der Glaube helfe dabei, Druck abzulegen. «Im Glauben erfahre ich, dass ich gut bin, wie ich bin. Ich muss keine Rollen spielen, mich niemandem beweisen.»

Verlorener Glaube und neue Hoffnung

Wem das Glauben schwerfällt, dem empfiehlt Anselm Grün zu beten. Und zwar nur den einen Satz: «Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.» Wie sieht das Leben aus, fragt er, wenn wir versuchen, nur für einen Tag an diesen einen Satz zu glauben? «Das Gebet gibt uns Wurzeln», sagt Grün. «Es ist die Wurzellosigkeit, die Depressionen verursacht.»

Dann sind da die älteren Menschen, die ihren Glauben abgelegt oder verloren haben, die Verluste erlitten haben, die mit dem Leben hadern, das sie so viele Jahre geführt haben. Für sie hat Anselm Grün Trost – und Hoffnung. «Leute bereuen, Dinge getan oder gesagt zu haben. Aber im Glauben dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott aus unseren Taten und Worten Segen entstehen lässt.»

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