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Martin Bucer

Der Erfinder der Konfirmation

von Alexander Lang, epd, Zuber 
min
27.04.2026
Im Elsass wird er geehrt, in der Schweiz fast vergessen: Martin Bucer bleibt im Schatten anderer Reformatoren. Vor 475 Jahren starb der Mann, der die Konfirmation erfand.  

In diesen Tagen feiern protestantische Kirchen die Konfirmation zahlreicher Jugendlicher. Mit ihr werden sie kirchenrechtlich volljährig. Doch die Konfirmation ist weder ein Sakrament noch biblisch begründet, sondern geht auf den elsässischen Reformator Martin Bucer zurück. Er gilt als ihr Erfinder und als Brückenbauer zwischen den Konfessionen.

Doch während Bucer (1491–1551) in Deutschland und der Schweiz kaum bekannt ist, erinnert man sich im Elsass an ihn: Nach seiner Flucht in die Reichsstadt Strassburg 1523 schuf er dort eine evangelische Kirchenordnung und trieb die Reformation voran. Am 28. Februar vor 475 Jahren starb er.

Vermittler zwischen Lutheranern und Reformierten

Abseits des Elsass führt der in Sélestat (Schlettstadt) geborene Theologe ein Schattendasein. Ein Trauerspiel, meint der emeritierte Heidelberger Kirchenhistoriker Johannes Ehmann. Immer wieder müsse man erklären, wie bedeutend Bucer für die evangelische Kirchengeschichte sei. Besonders in Strassburg habe er sich als Vermittler zwischen lutherischer und reformierter Theologie hervorgetan, vor allem im Streit um das Abendmahl.

Doch Reformatoren wie Luther und Zwingli verdrängten Bucer aus dem Rampenlicht, bedauert Ehmann. Schon früh war Strassburg, geprägt von religiöser Toleranz, durch den Einfluss des einstigen Dominikanermönchs zur Reformation übergegangen. 1524 wählte die Gärtnerzunft Bucer zum Pfarrer – ein Amt, das er fast 25 Jahre innehatte. Schliesslich zwang ihn die politische Lage zur Flucht nach England, wo er in Cambridge im Exil starb.

Die Konfirmation als Ergänzung zur Taufe

Bucers Überzeugungen brachten ihm ein rastloses Leben. Als junger Priester zog er ins westpfälzische Landstuhl, heiratete eine ehemalige Nonne und wurde daraufhin vom Speyrer Bischof exkommuniziert. Zuflucht fand er 1522 auf der Ebernburg an der Nahe und im elsässischen Weissenburg, bevor er nach Strassburg kam. 1539 vermittelte Bucer im nordhessischen Ziegenhain einen Kompromiss im Streit um die Taufe: Die Kindertaufe blieb, doch Jugendliche sollten zusätzlich ein Taufbekenntnis ablegen – die Konfirmation war geboren.

Konfirmation bei Jugendlichen nach wie vor beliebt

Während Bucer in Vergessenheit geriet, bleibt die Konfirmation beliebt. In den reformierten Schweizer Landeskirchen werden jährlich rund 20‘000 Jugendliche im Alter von 15 bis 16 Jahren konfirmiert. Laut einer Umfrage von ref.ch bleibt die Zahl der Konfirmanden im Verhältnis zur Mitgliederzahl der Kirchen stabil. Früher stand die Konfirmation als Abschluss des kirchlichen Unterrichts im Mittelpunkt, inklusive Katechismusprüfung. Heute geht es stärker um Wertevermittlung, Diskussionen über Lebensfragen und das Gemeinschaftserlebnis. Die Angebote wurden an die Bedürfnisse der Jugendlichen angepasst, erklärt Thomas Schlag, Theologieprofessor an der Universität Zürich.

Mit Erfolg: In einer breiten Studie von 2016 bewerteten 79 Prozent der Jugendlichen ihre Konfirmandenzeit positiv, 73 Prozent hatten viel Spass. Der Unterricht ist erlebnisorientiert, besonders das Lager begeistert die Teilnehmenden.

Thematisch interessieren sich die Konfirmanden vor allem für Freundschaft, den Sinn des Lebens und die Taufe. Die Bibel, Christus oder das Abendmahl schätzen nur ein Viertel der Jugendlichen. Kurz vor der Konfirmation steigt das Interesse jedoch um zehn Prozent – der Unterricht zeigt Wirkung.

Ernüchternd sind die Antworten zur Gretchenfrage: Nur die Hälfte der Konfirmanden glaubt an Gott, 37 Prozent an die Auferstehung oder daran, dass Gott in schwierigen Situationen hilft. Schlag führt dies auf das volkskirchliche Verständnis in der Schweiz und die reformierte Zurückhaltung gegenüber Dogmen zurück. Auch viele Erwachsene täten sich schwer, ein Glaubensbekenntnis abzulegen.

Ob diese Ergebnisse den Reformator Martin Bucer, den Erfinder der Konfirmation, überrascht hätten, bleibt ungewiss.

 

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