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«Der Mensch braucht den Menschen»

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26.01.2017
Der Baselbieter Regierungsrat Anton Lauber ist nicht nur für die Finanzen zuständig. Er ist auch Kirchendirektor. Da bietet es sich an, auf die Kanzel zu steigen. Dies geschah in der ökumenischen Kirche Flüh. Lauber predigte über Hass und Terror, Freiheit und Toleranz.

Bevor er auf die Kanzel stieg, stellte sich der Baselbieter CVP-Regierungsrat Anton Lauber beim ökumenischen Gottesdienst in Flüh den Fragen von Helmut Zimmerli, Präsident der Reformierten Kirchgemeinde Solothurnisches Leimental.

Lauber befinde sich zurzeit intensiv auf der «Roadshow» für die Unternehmenssteuerreform (USR) III, so Zimmerli. Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund hingegen beurteile diese kritisch, weil er befürchte, dass die Kirchen Steuereinnahmen verlieren. Ob dies den Finanz- und Kirchendirektor nicht in einen Zielkonflikt bringe? So wie man säen müsse, um zu ernten, müsse man auch investieren, meinte Lauber. Die USR III sieht er als langfristige Investition, auch wenn sie am Anfang schmerzhafte Auswirkungen habe. Zudem erhielten die Kirchen einen Anteil von den Ausgleichszahlungen des Bundes. Was Anton Lauber sich wünsche, wollte Zimmerli weiter wissen. Mehr Vernunft und mehr Sachlichkeit in der heutigen Zeit extremer Schlagzeilen, lautete die Antwort.

Viele Gemeinsamkeiten
Kirche und Politik hätten viel gemeinsam, so der Regierungsrat. Beide existierten nicht um ihrer selbst willen, sondern für die Menschen. Sie setzten sich für eine funktionierende Gesellschaft ein, sorgten für Solidarität, Verständigung, Toleranz und Gerechtigkeit.

Lauber ging auf die Debatte über abendländische Kultur und christliche Werte ein: «Ist es eine Aufgabe der Politik, diese zu verteidigen?» Händedruck an der Schule, Schwimmunterricht oder Kopftuch: «Helfen Verbote und Gebote oder ist es besser, für Toleranz, soziales Engagement und Nächstenliebe einzustehen?», fragte der Regierungsrat. Egal, welche Meinung man vertrete, glaube er, dass die Politik und die Kirchen gemeinsam dafür verantwortlich seien, die christlichen Grundwerte umzusetzen.

Doch leider redeten wir erst über Freiheit, Toleranz und Solidarität, wenn sie infrage gestellt oder wie in letzter Zeit durch Terroranschläge konkret bedroht seien. Wir fühlten uns sicher. Umso verständnisloser und bestürzter reagierten wir, wenn ein Anschlag wie in Berlin geschieht. Viele fragten sich: «Wo warst du Gott?» Für Lauber schwingt dabei die Anklage mit, dass Gott versagt hat: «Warum fragen wir uns nicht, wo wir waren, was wir hätten tun können?» Wir alle trügen zusammen mit Gott die Verantwortung für das, was auf der Welt passiert, betonte der Kirchendirektor.

Der Terror habe keinen konkreten Feind. Er ziele auf das Leben selber. Hass sei seine Triebfeder. «Die Terroristen wollen, dass wir unser Leben von Freiheit auf absolute Sicherheit umstellen, die es ohnehin nicht gibt.» Hier sieht Lauber einen wichtigen Beitrag der Politik an die christliche Gemeinschaft: Sie biete Freiheit und Sicherheit. «Hass hat in unserer christlichen Gesellschaft nichts verloren. Unser aller Auftrag ist es, dafür zu sorgen.»

Alles nur geliehen
Am Ende kam der Finanzdirektor auf den «Mammon» zu sprechen. Wie sieht ein verantwortungsvoller Umgang mit Geld aus? Auch darüber gebe die Bibel Auskunft: «Alles, was wir haben, ist eine Leihgabe, ein Darlehen auf Zeit, die Schöpfung, das Vermögen, die uns anvertrauten Talente» – weil sie uns nicht gehörten, müssten wir umso mehr Sorge dazu tragen und etwas Sinnvolles daraus machen, meinte Lauber. Mit Geld könne man viel Gutes tun. Man dürfe sich aber nicht davon beherrschen lassen.

Rund zehn Millionen Franken erhalten die Baselbieter Landeskirchen vom Kanton an Steuern und Beiträgen. Die Kirchgemeinden und Pfarreien setzten sich mit ihrem grossen freiwilligen und ehrenamtlichen Engagement enorm für den sozialen Ausgleich in unserer Gesellschaft ein, sagte Lauber. «Das sind gelebte christliche Grundwerte.» Der Mensch brauche den Menschen, er lebe nicht von Brot und Geld allein. Die Baselbieter Landeskirchen erbringen gemäss einer Studie Leistungen im Wert von 37 Millionen Franken. Da seien die zehn Millionen des Kantons «hervorragend investiert», meinte Anton Lauber. «Die Kirchen schaffen soziale Wertschöpfung.»

Karin MĂĽller / 26. Januar 2017

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