News aus Basel-Stadt, Baselland, Solothurn, Zentralschweiz, Schaffhausen

Mitglied sein oder nicht

min
31.03.2023
Die digitale Grossgruppen-konferenz der Reformierten Kirche des Kantons Luzern hat sich innert kurzer Zeit zu einem nationalen Event etabliert. Über 200 Teilnehmende aus allen Regionen und Bereichen nahmen teil und diskutierten über das Mitgliedsein.

Ende Februar lud die Reformierte Kirche Kanton Luzern zum öffentlichen Dialog. Das Thema der digitalen Grossgruppenkonferenz lautete: «Mitglied sein oder nicht?» 2021 war die Veranstaltung erstmals im Rahmen der Revision der Kirchenordnung initiiert worden. Aufgrund der besonderen Situation mit Corona wurde sie ins Netz verlegt. Zwei Jahre später hat sich die Veranstaltung zu einem nationalen Event etabliert. Eine grosse Anzahl von Teilnehmenden, über 200, hatte sich aus zahlreichen Regionen der Schweiz angemeldet.

 

«Die Grossgruppenkonferenz der reformierten Kirche war ein toller Anlass, der einen direkten und konstruktiven Austausch zwischen allen Teilnehmenden ermöglichte. Ich empfand die Konferenz als sehr bereichernd und spannend.
Zudem freute es mich, zu hören, dass die Grossgruppenkonferenz zu vielen posi­tiven Rückmeldungen geführt hat und somit ein voller Erfolg war.»

Guido Graf, Regierungspräsident

 

Darunter nicht nur Kirchenvertreterinnen wie Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-refomierten Kirche Schweiz, Lukas Kundert, Kirchenratspräsident der reformierten Kirche Basel-Stadt, Bernd Tiggemann, Leitung Kommunikation, Evangelische Kirche in Deutschland, oder Christina Aus der Au, Kirchenratspräsidentin Evangelische Landeskirche Thurgau. Auch Teilnehmer aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Verwaltung und dem Gesundheitswesen schalteten sich zu, darunter Michael Haefliger, In­­­tendant Lucerne Festival, Sabine Heselhaus, Fachärztin Chirurgie, Co-Präsidentin Ärztinnen und Ärzte
für Umweltschutz, oder Peter With, Präsident KMU- und Gewerbeverband Kanton Luzern.

Freiwilligenarbeit fĂĽr 1,4 Milliarden Franken

Olivia Röllin, Moderatorin von «Stern­stunde Religion» bei SRF, leitete souverän durch den Anlass. Zu Beginn wies Synodalratspräsidentin Lilian Bachmann auf die Bedeutung des kirchlichen Sozialkapitals hin. Sie untermauerte dieses eindrücklich mit Zahlen: 2020 leisteten 8 Prozent der Bevölkerung der Schweiz – zugehörig zu kirchlichen und religiösen Kreisen – Freiwilligenarbeit. Rund 750000 Menschen leisteten somit 28 Millionen Stunden kirchliche Freiwilligenarbeit im Jahr. Hochgerechnet mit dem Stundenansatz von 50 Franken, ergibt dies kirchliche Freiwilligenarbeit in der Höhe von 1,4 Milliarden Franken. Auf den Kanton Luzern berechnet, sind dies 70 Millionen Franken Sozialkapital jährlich aus kirchlichen Kreisen.

 

«Die Kurzstatements von anderen Personen ermöglichten mir eine neue Sichtweise in einigen Themen. Die Möglichkeit, sich zu äussern, ohne dass die Beiträge gewertet wurden, fand ich sehr schön. Ich wünsche mir, dass diese Ergebnisse und Anregungen weitergetragen und weiterentwickelt werden.»

Lia Zangger, Konfirmandin

 

Der Luzerner Regierungspräsident Guido Graf, Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements, erinnerte in seiner Ansprache daran, wie viele Krisenherde und Kriege es weltweit gebe und wie viel Einsatz es unter anderem auch seitens der Kirche benötige, um die Folgen zu mildern. Im Anschluss hielt Lukas Golder vom gfs. Bern ein Inputreferat. Er forderte die kirchlichen Behörden, Mitarbeitenden und Freiwilligen auf, mutiger nach aussen aufzutreten. Basierend auf dem Auftrag der Kirche, für den Zusammenhalt der Gesellschaft verantwortlich zu sein. Dazu müssten alle Typen von Mitgliedern und Menschen abgeholt werden, die er in aktive, zweifelnde, passive und kulturell ausgerichtete Mitglieder unterteilte.

«Ziele wurden übertroffen»

Im Anschluss wurde in Kleingruppen über die Fragen diskutiert, wo man Mitglied sei und warum, welche Erwartungen bestünden und was Austrittsgründe aus der Kirche oder einem Verein seien. In der letzten der drei Runden, die jeweils 20 Minuten dauerten, war die Frage, was Kirche tun solle, damit Mitglieder blieben oder neu einträten. Die Ergebnisse der Diskussionen in den Kleingruppen wurden schriftlich festgehalten und via Mentimeter unmittelbar in der Grossgruppe zur Abstimmung beziehungsweise zu einer Priorisierung gebracht. Über drei Stunden dauerte die Kon­ferenz, die an einem Samstagvormittag stattfand und von den Teilnehmenden als kurz empfunden wurde, wie der Stimmungsbarometer am Schluss der Veranstaltung zeigte.

 

«Es gab Ideen, um unsere Mitglieder aktiver in die Arbeit miteinzubeziehen oder Neue zu gewinnen. Etwa den Mit­gliedern eine wertvolle und sinnstiftende Aufgabe zu übertragen oder den Solidaritätsgedanken und das Gefühl, Teil von etwas Grösserem zu sein, zu verstärken.»

Beatrice Barnikol, Vizepräsidentin Synode, Gemeindepräsidentin Honau.

 

«Unser Ziel war es, miteinander in den Dialog zu kommen und uns auszutauschen», zieht Lilian Bachmann das Fazit. «Dieses Ziel wurde erreicht und sogar übertroffen. Dass so viele Teilnehmende mit dabei waren, ist ein starkes Zeichen. Es hat uns gezeigt, dass wir mit diesem Thema einen Nerv getroffen haben. Die Kirche ist auf­gefordert, alle abzuholen und Brücken zu bauen. Anhand der unterschiedlichsten Teilnehmenden der Grossgruppenkonferenz war sichtbar, dass wir das als Kirche schaffen.»

«Save the date»

Aufgrund der Resonanz wird das Format der digitalen Grossgruppenkonferenz in einem Abstand von zwei Jahren durchgeführt werden. «Das Datum für die nächste digitale Konferenz kann schon mit einem ‹Save the date› eingetragen werden: 15. Februar 2025», so Lilian Bachmann. In einem Bericht sind die Ergebnisse festgehalten, welcher via reflu.ch/dialog abrufbar ist.

Unsere Empfehlungen

Umfrage zur Seelsorge gestartet

Umfrage zur Seelsorge gestartet

Das Bedürfnis nach Seelsorge nimmt zu. Nur – nach welcher? Die Reformierte Kirche des Kantons Luzern will das Bedürfnis nach Seelsorge ­prüfen und hat dazu eine gross angelegte Umfrage gestartet.
«Der Tod ist das Normalste im Leben»

«Der Tod ist das Normalste im Leben»

Der Letzte-Hilfe-Kurs vermittelt Basiswissen zur Sterbe­begleitung und lässt Raum für Fragen über Tod und Sterben. Kursleiter Jörg Leutwyler kennt die Thematik aus persönlicher Betroffenheit. Zwei Jahre lang pflegte der Pfarrer seine demente Schwiegermutter.