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Der neue Pfarrer zwischen Excel und Smartspider

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30.06.2016
Wie finden Pfarrwahlkommissionen die geeignete Kandidatin? Ein neuer Bewertungsbogen namens STEP* aus der Pfarrausbildung soll helfen, die richtige Person zu finden. Wie praxistauglich ist das Instrument? Christoph Grupp, Präsident der Kirchgemeinde Biel, hat STEP angeschaut.

Herr Grupp, wie gehen Sie vor, wenn Sie eine Stelle besetzen?
Wir stellen jeweils eine Ad-hoc-Pfarrwahlkommission zusammen. Das sind vier bis fĂŒnf Leute inklusive Behördenvertretung. Wir beraten dann das Stellenprofil. Wir sind mit 13‘000 Mitgliedern und ĂŒber 40 Angestellten eine grosse Kirchgemeinde und haben keine Allround-PfarrĂ€mter. Unsere Pfarrpersonen haben alle spezifische Aufgaben.

Arbeiten Sie mit visuellen Instrumenten, beispielsweise Smartspider?
Nein. Ich fĂŒhre eine Excel-Tabelle, in der ich die Bewerber nach bestimmten Kriterien mit Zahlenwerten von null bis drei gewichte. Zum Beispiel bei der Ausbildung, der Erfahrung sowie bei Kriterien wie TeamfĂ€higkeit, Offenheit, VerfĂŒgbarkeit oder theologischer Ausrichtung.

Dann wÀre der Smartspider von STEP sinnvoll?
Ich bin mir nicht sicher. Zum einen finde ich, dass viele der STEP-Kompetenzen sowieso gegeben sein sollten, wenn jemand ordiniert ist, zum Beispiel «Auftritt und ReprÀsentation» oder auch «Ziel- und Ergebnisorientierung». Diese erachte ich als selbstverstÀndlich.

Und zum anderen?
Der Smartspider von STEP zeigt zwölf Kompetenzen des Pfarrberufs, die man mit Zahlen von eins bis sieben bewerten kann. Das ist zu allgemein und auch zu theoretisch, man kann die Kompetenzen wĂ€hrend eines BewerbungsgesprĂ€chs nicht so detailliert abfragen. Das Konzept kommt zudem sehr von der Pfarrausbildung her; man analysiert, was ein Pfarrer theoretisch können sollte. Was sich aber die Kirchgemeinde wĂŒnscht, fliesst nicht ein. Der Fokus ist auf dem Input, aber nicht auf dem «Outcome».

Dann mĂŒsste man STEP entsprechend mit «Outcome»-Kriterien ergĂ€nzen.
Ja, aber es lohnt sich nicht, ein System zu ergĂ€nzen, bei dem nur die HĂ€lfte der Kriterien vorhanden ist. Dann bleibe ich lieber bei unserem System. Übrigens fehlt bei der Anleitung im Buch zu STEP ein wichtiger Schritt im Bewerbungsverfahren.

Welcher?
Der Gottesdienstbesuch. Im Buch wird nur von Bewerbungsdossier und -gesprĂ€ch gesprochen. Dabei ist der Gottesdienstbesuch matchentscheidend. Dann sieht man, wie verwurzelt die Bewerberin in der Gemeinde und wie berĂŒhrend die Predigt ist sowie wie reibungslos der Gottesdienst verlĂ€uft. Das ist bei allen Stellenprofilen aussagekrĂ€ftig, auch wenn jemand gar keine Gottesdienste feiern muss.

Konkret sucht die Kirchgemeinde Biel per Inserat gerade eine Pfarrperson.
Wir suchen jemanden mit dem Schwerpunkt Gottesdienst und Kasualien. Von daher wĂ€re die einzige spezifisch fĂŒr uns relevante STEP-Kompetenz die «Hermeneutische Reflexion». Aber die gewĂŒnschte Person soll auch etwas von Kunst und Kultur verstehen. Diese Eigenschaft ist bei den STEP-Kompetenzen nicht abgebildet, ich mĂŒsste STEP entsprechend ergĂ€nzen. Ähnlich ist es, wenn ich jemanden mit Schwerpunkt Beerdigungen suche: Auch dieser ist bei den STEP-Kompetenzen nicht sichtbar.

Was sind denn aus Ihrer Sicht die StÀrken von STEP?
Gut ist, dass man eine zahlenbasierte Gewichtung bestimmter Kompetenzen anstrebt. So kann man tatsĂ€chlich zwischen verschiedenen Bewerbern vergleichen. Allerdings wĂŒrden vier bis fĂŒnf Kompetenzen genĂŒgen.

Idealerweise kommt ja dann eine Bewerberin schon mit einem solchen STEP-Smartspider ins BewerbungsgesprÀch.
Ja, aber dann mĂŒsste sich dieses System wirklich durchsetzen. Das kann ich mir aber nicht vorstellen. Jede Pfarrperson wird sich wieder anders bewerben, und vor allem kleine Kirchgemeinden haben kaum Zeit fĂŒr komplexe Instrumente wie STEP. Zudem: Selbst wenn ein Bewerber bei allen zwölf Kompetenzen gut abschneidet, heisst das noch immer nicht, dass er im Alltag besteht.

Sie stellen schon seit lÀngerem Bewerber in der Kirchgemeinde Biel ein. Wie beurteilen Sie generell Hilfsmittel wie STEP?
Ich bin eher skeptisch. Die grösste StĂ€rke liegt in einem Ansatz, der qualitative und quantitative Elemente vereinigt. Also Zahlen als UnterstĂŒtzung, aber am Schluss entscheidet doch oft das BauchgefĂŒhl, ob jemand geeignet ist, sowie Chemie und Ausstrahlung.

* STEP heisst «Standortbestimmung im entwicklungsorientierten Pfarrprofil». Das STEP-Instrument kann ab 4. Juli hier heruntergeladen werden: bildungkirche.ch/step

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

Matthias Böhni / ref.ch / 30. Juni 2016

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