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Die ältesten Taufbücher des deutschsprachigen Raums sind zurück

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27.06.2018
Die ältesten erhaltenen Taufbücher im deutschsprachigen Raum sind zurück in Basel – wenn auch nur als Kopien. Die 1700 Seiten geben ein eindrückliches Bild, wie über Jahrhunderte geboren und gestorben wurde.

┬źEin herausragendes und ausserordentliches Ereignis.┬╗ Urs Pfander, Pr├Ąsident der reformierten Kirchgemeinde Kleinbasel, ist begeistert, dass die Taufb├╝cher von St. Theodor ihren Weg zur├╝ck in die Kirche, an ihren Entstehungsort, gefunden haben. Wenn auch als Kopien: Die Taufregister wurden im 19. Jahrhundert aus dem Nachlass des Pfarrhelfers Johann Jakob von Brunn nach England verkauft. Die Originale befinden sich noch heute in der British Library in London. Mehrere Versuche, auch vom Bundesrat, die Taufb├╝cher nach Basel zur├╝ckzuholen, scheiterten. ┬źDie hochwertigen Kopien sind ein w├╝rdiger Ersatz, die F├╝lle an Informationen bleibt ja die gleiche┬╗, meint Andreas Nidecker, Mitinitiant des Projekts.

Vor kurzem stellten Pfander und Nidecker zusammen mit Philipp Roth, Pfarrer in der Kirche St. Theodor, sowie der Kulturhistorikerin Barbara Piatti und Staatsarchivarin Esther Baur den Schatz dem Publikum vor.

Die Taufb├╝cher gew├Ąhren Einblick in eine bewegte Basler Stadtgeschichte. Und das ├╝ber rund 250 Jahre, auf 1700 Seiten, in zwei B├Ąnden. Das weltliche und religi├Âse Leben im fr├╝hneuzeitlichen Basel wird greifbar: Zur Zeit der Reformation war Basel mit 10ÔÇÖ000 Einwohnern doppelt so gross wie Z├╝rich und Bern. Der Buchdruck und die 1460 gegr├╝ndete Universit├Ąt zog viele in die Stadt am Rhein. Auch Erasmus von Rotterdam liess sich hier nieder. Der Leutpriester von St. Theodor, Johann Ulrich Surgant, legte ab 1490 eines der Taufb├╝cher an. Nach der Reformation von 1529 geh├Ârte es zur Pflicht der Geistlichkeit, die Register zu f├╝hren.

Ein Familienanliegen
F├╝r Andreas Nidecker sind die Taufb├╝cher Familiensache: Schon sein Vater Hans-Jakob Nidecker, Meister der Kleinbasler Ehrengesellschaft zum Rebhaus, versuchte, die Taufb├╝cher bei der British Library auszul├Âsen. Erst 2015 konnten die Basler die Taufb├╝cher dank dem ┬źGoodwill┬╗ der Bibliothek als Kopien erwerben. Zu ┬źrelativ g├╝nstigen Konditionen┬╗, schmunzelt Andreas Nidecker. Die hochwertigen Digitalisate sollten nicht einfach hinter Glas verschwinden. Dies ist gelungen: In Form einer fahrbaren Vitrine mit interaktiven Zusatzinformationen.

Zum Leben erweckt
F├╝r die Kulturhistorikerin Barbara Piatti waren die Taufb├╝cher anfangs ┬źein Buch mit sieben Siegeln┬╗. Doch die Register zogen sie bald in ihren Bann. Sie entlockte ihnen kultur- und bev├Âlkerungsgeschichtliche Informationen. 1638 etwa war eines der ┬źSpitzenjahre┬╗bei den Geburten, weil in den Wirren des Dreissigj├Ąhrigen Kriegs viele Frauen aus Baden oder dem Elsass nach Basel fl├╝chteten. ┬źDie Taufb├╝cher erwachten zum Leben┬╗, schw├Ąrmt Piatti.

Auch emotional spricht der kulturgeschichtliche Schatz an: Kindstode und Nottaufen ÔÇô daran l├Ąsst sich der g├Ąnzlich andere Umgang der fr├╝hneuzeitlichen Gesellschaft mit Kindersterblichkeit und H├Âllenvorstellungen erkennen. Die Angst, ungetaufte Kinder w├╝rden in die Vorh├Âlle kommen, war so gross, dass tote S├Ąuglinge durch Erw├Ąrmung nochmals ┬źerweckt┬╗, rasch getauft und so in heiliger Erde bestattet werden konnten.

Ber├╝hmte Pers├Ânlichkeiten
In den Taufregistern macht man auch freudige Entdeckungen: So zum Beispiel die Erw├Ąhnung der ber├╝hmten Basler Familie Amerbach. Der Jurist Basilius Amerbach baute im 16. Jahrhundert ein Kunstkabinett auf, das bis heute den Grundstock des Kunstmuseums Basel bildet. In den Taufb├╝chern taucht er ├Âfters als ┬źG├Âtti┬╗ auf. Matth├Ąus Merian, der Sch├Âpfer des ber├╝hmten Basler Vogelschau-Plans, ist eine weitere Basler Pers├Ânlichkeit, der man begegnet. ┬źDiese ├Âffentlichen Personen pr├Ągten Basel mit ihrem Intellekt und Beziehungsnetz┬╗, so die Basler Staatsarchivarin Esther Baur. Laut Baur haben die Taufb├╝cher von St. Theodor einen ungemeinen Wert f├╝r Basel und den gesamten deutschsprachigen Raum. Sie seien ein Schl├╝ssel, der ┬źschnurstracks in den dynamisch-st├Ądtischen Raum Basels┬╗ f├╝hre.

Die Vitrine mit den Taufb├╝chern in der St. Theodorskirche in Basel ist im Anschluss an Gottesdienste und Veranstaltungen sowie mittwochs von 12 bis 18 Uhr zu besichtigen. Fu╠łhrungen auf Anfrage. www.erk-bs.ch/kg/kleinbasel

Noemi Sch├╝rmann, kirchenbote-online, 27. Juni 2018

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