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Sandra Knüsel

Die Frau, die der Kirche ein neues Gesicht verlieh

von Tilmann Zuber
min
26.02.2026
Acht Jahre lang war Sandra Knüsel für die Kommunikation der reformierten Kirche Kanton Solothurn zuständig. Sie ebnete der Kirche unter anderem den Weg in die digitale Zukunft. Im März tritt sie an der Synode von ihrem Amt zurück. 

Als Sandra Knüsel-Schneider vor acht Jahren bei der Synode in Fulenbach das Ressort Information und Öffentlichkeitsarbeit übernahm, konnte sie kaum ahnen, was auf sie zukommen würde. Die Welt hatte sich gewandelt, war digitaler geworden – auch in der Kirche. «Zum Glück», sagt sie heute, «konnte ich ein Ressort übernehmen, das zu mir passte. Ich konnte meine Fähigkeiten gezielt einbringen und weiterentwickeln.» So stärkte sie die Kommunikation der Kantonalkirche und der Kirchgemeinden.

Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit warteten grosse Aufgaben: die Erneuerung der kantonalen Website, die Einführung eines neuen Logos im Stil der Evangelischen Kirche Schweiz und die Neugestaltung des Jahresberichts. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Sandra Knüsel legt Wert auf einen professionellen Auftritt.

Mit einem Augenzwinkern, sagt sie, habe sie der Evangelisch-reformierten Kirche Kanton Solothurn ein neues Make-up verpasst – auch wenn sie privat auf Schminke verzichte. Ihre Kreativität habe ihr dabei geholfen, betont sie. «Manchmal muss man einfach ‹out of the box› denken.»

Radio und «Kirchenbote»

Doch Knüsels Arbeit beschränkte sich nicht auf kreative Projekte. Sie nahm an zahllosen Sitzungen des Synodalrats und der Synode teil, arbeitete mit in der Geschäftsleitung des «Kirchenboten», im Vorstand von Oekumera – der kirchlichen Radiosendung auf Radio 32 – und bei den Kommunikat­ionstreffen der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz.

Während ihrer Amtszeit präsentierte sich die Kirche im Kanton Solothurn zweimal mit einem Stand an der HESO. Letzten Herbst lautete der Slogan: «Kirche tut gutES». Knüsel wirkte am Auftritt mit. «Unser Slogan zeigt, dass Kirche guttut und viel Gutes tut», erklärt sie.

Man kann nicht zu viel tun, nur zu wenig – und das nicht nur mit Köpfchen und Fleiss, sondern mit Herz.

Das breite kirchliche Wirkungsfeld und das grosse Engagement der Freiwilligen für die Allgemeinheit beeindruckten sie immer wieder. Besonders herausfordernd war die Corona-Zeit. Täglich aktualisierte Knüsel die Website mit den neuesten Meldungen und Anordnungen von Bund und Kanton. Die Resonanz war gross: Über 20‘300 Aufrufe verzeichnete die Seite. Die Kirche war zwar geschlossen, doch «das Wort blieb offen».

Die Kirchgemeinden suchten nach neuen Gottesdienstformen und organisierten sich kurzerhand neu. Gottesdienste wurden aufgezeichnet und über YouTube, Vimeo oder regiotvplus ausgestrahlt sowie auf der Plattform «Kirche Online – hören, lesen, erleben» eingebunden. Knüsel ist überzeugt, dass sich Gott auch unabhängig von geschlossenen Kirchentüren überall finden lässt.

Workshop für Kommunikation

Grossen Anklang fand zudem ein Kommunikationsworkshop, den sie gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe für die Mitarbeitenden der Kirchgemeinden organisierte.

Glaube und Kirche begleiten Sandra Knüsel seit ihrer Jugend. Bereits mit 16 Jahren, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, fand sie an einem christlichen Rockkonzert zum Glauben. Einige Jahre war sie Mitglied einer Freikirche, schätzte aber zunehmend die Landeskirche. Sie engagierte sich im Kirchgemeinderat von Büren, war vier Jahre Mitglied der Synode, bevor die damalige Synodalratspräsidentin Verena Enzler sie für den Rat anfragte. Dieses Engagement hat Knüsel nie bereut. Im Gegenteil: Sie ist begeistert, wie viele engagierte und gläubige Menschen sie in der Kirche antrifft.

Im März wird Sandra Knüsel an der Synode in Dulliken verabschiedet. Ihre Nachfolge ist noch offen. «Die Kirche braucht Menschen, die für ihre Werte einstehen», sagt sie. «Man kann nicht zu viel tun, nur zu wenig – und das nicht nur mit Köpfchen und Fleiss, sondern mit Herz.»

Knüsel weiss jedoch, wie schwer es  ist, Freiwillige zu motivieren. «Ein Nebenamt auszuüben, sich einzubringen und Standpunkte zu vertreten, ist keine Selbstverständlichkeit», sagt sie. Doch sie hat erlebt, wie bereichernd ein solches Amt sein kann: «Man wirkt mit und bewirkt etwas.» Der reformierten Kirche wünscht sie, dass sie ihre «Vision und ihren Fokus für eine lebendige und sichtbare Kirche auch in der Zukunft bewahrt».

 

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