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Bettagsmandat

«Die Kirche ist eine Mahnerin für die Idee von Gerechtigkeit»

von Noemi Harnickell
min
17.09.2023
Im Bettagsmandat der kantonalen Landeskirchen Baselland, das am 14. September im Amtsblatt erschienen ist, steht der Umgang mit psychischen Krankheiten im Mittelpunkt.

Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ist ein konfessionsĂŒbergreifender Feiertag, der das Ziel hat, auch auf staatspolitischer Ebene Respekt innerhalb der Gesellschaft zu fördern. Im jĂ€hrlichen Mandat wird der Bettag aktuell begrĂŒndet. Dieses Jahr betont das Schreiben aktives Aufeinander-zugehen und gegenseitiges Engagement – in der Kirche, in der Nachbarschaft und in der Familie.

Vor allem Jugendliche sind betroffen

«Vielen Menschen in der Schweiz geht es nicht gut», schreiben RegierungsprÀsidentin Monica Gschwind und Landschreiberin Elisabeth Heer Dietrich in dem von ihnen unterzeichneten Bettagsmandat. «Gerade Jugendliche kÀmpfen mit Orientierungslosigkeit, Einsamkeit und psychischen Problemen.» Die öffentliche Diskussion rund um das Thema helfe, Betroffene zu entlasten.

«Kinder und Jugendliche leben seit bald zehn Jahren in einer Dauerkrise.» So die im Mandat zitierte Psychotherapeutin Susanne Walitza. Allein im vergangenen Jahr sei die Zahl der betroffenen Jugendlichen von 20 auf 30 Prozent gestiegen. Kein Wunder: FĂŒhren doch Klimakrise, Pandemie, Inflation sowie das geopolitische Weltklima unweigerlich zu Doomscrolling und im schlimmsten Fall zu einer kaum enden wollenden Weltuntergangsstimmung. WĂ€hrend die schlechten Nachrichten in ihrer Tendenz zunehmen, werden die TherapieplĂ€tze indes immer weniger.

Psychische Gesundheit war immer schon eine Angelegenheit der Kirchen – und ist es in Anbetracht der Zahlen heute erst recht. «Wenn wir unsere bewĂ€hrte Konkordanzdemokratie und unsere Gesellschaft stĂ€rken wollen, dann mĂŒssen wir alle zum Zentrum, zur Ausgewogenheit, Sorge tragen», schreibt die Autorin. Die StĂ€rkung des Ausgleichs sei nicht nur die Aufgabe der Kirche, sondern deren Chance.

FĂŒr mehr soziale Arbeit in der Kirche

Der Regierungsrat plĂ€diert im diesjĂ€hrigen Bettagsmandat fĂŒr ein erhöhtes kirchliches und politisches Engagement und die dezidierte Stellungnahme gegen eine wachsende gesellschaftliche Individualisierung. Er betont dabei die Bedeutung sozialer Institutionen wie Gewerkschaften, VerbĂ€nde und Parteien, aber auch der Familie und der Kirche.
Die Kirche sei sowohl Ratgeberin in ethischen Belangen wie auch Förderin des sozialen Engagements. Dass sie in diesen beiden Funktionen bis heute anerkannt und genutzt wird, hat jĂŒngst eine Studie der Landeskirchen und der Fachhochschule Nordwestschweiz bestĂ€tigt. 2326 soziale Angebote stehen den Baselbietern und Baselbieterinnen insgesamt zur Ver­fĂŒgung, die meisten davon, nĂ€mlich 695, richten sich an Kinder und Jugendliche. «Religion und Kirche betten den Staat in ein grösseres Ganzes ein. Die Kirche ist eine Mahnerin für die Idee von Gerechtigkeit – und eben Ausgleich.» 

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