«Die Kirche steht für mich nicht infrage»
Monika Ulrich-Meier, wie haben Sie die ersten Wochen im Amt erlebt?
Sehr intensiv und sehr herzlich. Ich wurde mit viel Wohlwollen empfangen. Die Vielfalt hat mich beeindruckt: Was ich aus einer Kirchgemeinde kenne, begegnet mir hier in einer ganz anderen Dimension. Entscheide haben oft an mehreren Orten Auswirkungen. Diese Zusammenhänge zu verstehen, braucht Zeit.
Was war besonders überraschend?
Die Komplexität. Und gleichzeitig die grosse Hilfsbereitschaft. Auch wenn ich Dinge mehrmals nachfrage, begegne ich Geduld und Offenheit. Das ist nicht selbstverständlich.
In welchen Bereichen mussten Sie sich zuerst einarbeiten?
In Dossiers und Strukturen und in meine persönliche Logistik. Ein 50-Prozent-Amt klingt auf dem Papier klar. In der Realität ist es nicht einfach nur ein halber Bürojob, sondern ist sehr unterschiedlich verteilt: Sitzungen, Gespräche, Telefonate. Das verlangt viel Koordination.
Was hat Sie bewogen, dieses Amt zu übernehmen?
Die Kirche liegt mir am Herzen. Ich bin reformiert sozialisiert, meine Familie ist engagiert. Für mich ist die Kirche eine wichtige Konstante in einer politisch stark geprägten Welt. Dieses Amt ist für mich mehr als eine Nebenfunktion. Es ist zugleich Verantwortung und Privileg.
Welche Rolle spielt Ihr Glaube dabei?
Ich bin überzeugt, dass es etwas gibt, das grösser ist als wir. Dieses Grundvertrauen begleitet mich im Alltag – nicht nur im Gottesdienst. Es gibt mir Ruhe und Orientierung.
Was bringen Sie aus früheren Funktionen mit?
Zwanzig Jahre Exekutiverfahrung in Neuheim. Ich bin es gewohnt, unterschiedliche Interessen an einen Tisch zu bringen und tragfähige Lösungen zu suchen. Das braucht Flexibilität, ein dickes Fell und die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen.
Welche Schwerpunkte möchten Sie setzen?
Zuerst das Gespräch suchen, bevor wir urteilen. Niemand hat die Absicht, jemanden zu ärgern. Dieses gegenseitige Vertrauen möchte ich stärken, auch in anspruchsvollen Situationen. Zudem sollen wir als Kirchenrat als Team zusammenfinden. Nur gemeinsam sind wir handlungsfähig.
Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen?
In unseren Strukturen. Wir sind sieben Bezirke plus Kantonalkirche. Vieles ist historisch gewachsen und heute recht komplex. Teilweise bremsen uns auch Doppelspurigkeiten. Da stellt sich schon die Frage, was man vereinfachen oder bündeln könnte, ohne das Leben im Bezirk zu schwächen. Und wenn ein Bezirk ein gutes Projekt hat, sollte es einfacher werden, dieses andernorts zu übernehmen. Eine konkrete Massnahme haben wir bereits umgesetzt: Jede und jeder im Kirchenrat ist Ansprechperson für einen bestimmten Bezirk. Das schafft Klarheit und zeigt, dass wir nicht nur diskutieren, sondern auch handeln.
Die Kirche ist gesellschaftlich gefordert. Wie gehen Sie damit um?
Mit Gelassenheit. Ich freue mich über jeden Eintritt und respektiere jeden Austritt. Wir können nicht alle halten. Aber wir können die Menschen, die da sind, ernst nehmen und gut begleiten. Und wir müssen sichtbarer machen, zeigen, was wir leisten: für Kinder, Familien, ältere Menschen und die Gesellschaft insgesamt.
Soll sich die Kirche im öffentlichen Diskurs klar positionieren?
Grundsätzlich ja. Klare Haltung ist wichtig, auch wenn es heikle Themen sind. Gleichzeitig braucht es Sensibilität.
Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
Partizipativ und loyal. Ich höre alle Seiten an, treffe dann aber auch Entscheide und stehe dazu. Nach aussen schütze ich meine Mitarbeitenden. Fehler einzugestehen, gehört für mich dazu.
Was bereitet Ihnen Freude – und was raubt Ihnen den Schlaf?
Freude machen mir die Begegnungen mit Menschen, im Haus und darüber hinaus. Herausfordernd sind personelle Konflikte, für die es nicht sofort Lösungen gibt. Damit umzugehen, lerne ich noch.
Wo sehen Sie die Reformierte Kirche Zug in zehn Jahren?
Schön wäre Stabilität, personell und finanziell. Organisatorisch dürfen wir moderner werden, etwa als Arbeitgeberin. Gleichzeitig sollen unsere christlichen Werte klar bleiben. Die Kirche steht für mich nicht infrage. Sie hat Zukunft.
«Die Kirche steht für mich nicht infrage»